Dokumentation & Nachweise
Dokumente, technische Nachweise und Konformitätserklärung je KI-System.
Jedes KI-System hat eine eigene Dokumentenakte. Darin liegen drei verschiedene Dinge, die oft verwechselt werden: frei anlegbare Dokumente, vier reservierte technische Nachweise mit fester Bedeutung, und die Konformitätserklärung als abschließende Aussage. Wer diese drei auseinanderhält, hat eine Akte, aus der sich das Anhang-IV-Dossier fast von selbst füllt.
Auf einen Blick
- Enthalten ab
- Starter (Kernfunktion)
- Wo in der App
- KI-System öffnen → Dokumentation
- Ergebnis
- Versionierte Dokumentenakte je System, Grundlage für Anhang IV und Export
- API
- /api/v1/documentation
Die drei Ebenen der Akte
1. Freie Dokumente
Beliebig viele Einträge mit Titel, Dokumenttyp, Kurzfassung und Inhalt. Sprache (Deutsch oder Englisch) und Status (Entwurf oder Final) werden pro Dokument gesetzt. Hier landet alles, was das System beschreibt, aber keinen reservierten Platz hat: Architekturbeschreibungen, Betriebshandbücher, Freigabeprotokolle.
2. Vier technische Nachweise
Bias-Bewertung, Datenherkunft, Modell-Änderungsprotokoll und Risikominderungsmaßnahmen. Jeder Typ existiert pro System genau einmal und kommt mit einer vorbefüllten Gliederung. Diese vier fragen Prüfer zuerst ab – deshalb sind sie feste Plätze und keine Freitextdokumente.
3. Konformitätserklärung
Die abschließende Aussage zum System: Geltungsbereich, eigener Erklärungstext, Name der freigebenden Person und eine ausdrückliche Bestätigung. Beim Speichern wird ein Faktenschnappschuss mitgeschrieben – die Erklärung bleibt damit auch dann nachvollziehbar, wenn sich die Systemdaten später ändern.
Anhang-IV-Dossier
Die vierte Ausbaustufe für Hochrisiko-Systeme: sieben Sektionen mit Pflichtfeldern, eigenem Freigabe-Workflow und Versionsnummer. Sie hat eine eigene Doku-Seite.
Die vier technischen Nachweise
Jeder Slot wird mit einer Gliederung vorbefüllt, die Sie überschreiben. Die Gliederung ist der Hinweis darauf, was ein Prüfer an dieser Stelle erwartet.
| Nachweis | Vorgegebene Gliederung | Anhang-IV-Sektion |
|---|---|---|
| Bias-Bewertung | Geltungsbereich und geschützte Gruppen · Metriken und Schwellwerte · Ergebnisse und Befunde · Abhilfen und Verantwortliche | Daten-Governance |
| Datenherkunft | Datenquellen und Rechtsgrundlage · Transformationsschritte · Speicherung und Aufbewahrung · Zugriffskontrollen und Freigaben | Daten-Governance |
| Modell-Änderungsprotokoll | Version/Tag und Releasedatum · Änderungsgrund · Auswirkungs- und Risikoprüfung · Freigabe und Rollback-Plan | Test und Validierung |
| Risikominderungsmaßnahmen | Beschreibung der Maßnahme · verknüpfte Risiken · Wirksamkeitsnachweis · Restrisiko und Prüftermin | Test und Validierung |
Nachweis-Metadaten je Dokument
Zusätzlich zum Inhalt trägt jedes Dokument vier Felder, die aus einem Text einen steuerbaren Nachweis machen:
- Verantwortliche Rolle – wer den Nachweis pflegt. Nicht eine Person, sondern eine Rolle, damit der Nachweis einen Personalwechsel überlebt.
- Fälligkeitsdatum – wann der Nachweis spätestens aktualisiert sein muss.
- Version – die Fassung, auf die sich der Inhalt bezieht (z. B. die Modellversion).
- Artefakt-Links – Verweise auf die eigentlichen Dateien oder Systeme, falls der Nachweis anderswo liegt.
FINAL ist eine Freigabe, kein Formatierungsschalter
Ein technischer Nachweis lässt sich nur auf FINAL setzen, wenn der zugehörige Governance-Workflow freigegeben ist. Der Versuch, den Status vorher zu setzen, wird mit einer Fehlermeldung abgelehnt – das ist beabsichtigt: „Final" bedeutet in einem Audit „von der zuständigen Stelle freigegeben", nicht „fertig getippt".
Der Dokumentations-Assistent
Der Assistent führt je System durch bis zu elf Schritte. Schritte, die für das System rechtlich nicht gelten, zeigt er gar nicht erst an. Stattdessen steht über der Schrittleiste eine Zeile wie „3 Schritte entfallen für dieses System“, die jeden ausgeblendeten Schritt mit seiner Rechtsgrundlage nennt. Welche Schritte erscheinen, hängt von Risikostufe und Rolle ab:
| Situation | Sichtbare Schritte |
|---|---|
| Hochrisiko, Anbieter | Alle: System & Verantwortliche, Annex IV: Stammdaten, Annex IV: Workflow & Freigabe, Maßnahmen, Assurance, technische Nachweise, Post-Market Monitoring & Incidents, laufende Überwachung & CAPA, Ingestion, Go-Live Gate & Trust Pack, Konformitätserklärung & Export. |
| Hochrisiko, nur Betreiber | System, Maßnahmen, Assurance, Monitoring & Incidents (Art. 26 Abs. 5, Art. 73), laufende Überwachung, Go-Live Gate (Art. 26 Abs. 1). Es entfallen Annex IV, technische Nachweise und Konformitätserklärung. Das sind Anbieterpflichten (Art. 10, 11, 15, 16, 47). |
| Begrenztes oder minimales Risiko | System, Maßnahmen, Assurance. |
| Verbotene Praktik | System, Maßnahmen, Assurance. Betriebs- und Hochrisiko-Schritte entfallen, weil das System nicht betrieben werden darf. |
| Noch nicht bewertet oder Rolle offen | System, Maßnahmen, Assurance, mit dem Hinweis, dass weitere Schritte erscheinen, sobald Risikostufe und Rolle feststehen. |
Information
Ausnahme: Hat ein System für einen ausgeblendeten Schritt bereits Daten (etwa einen erfassten Vorfall), bleibt der Schritt sichtbar. So werden keine Einträge unerreichbar. Der Ingestion-Schritt erscheint nur, wenn Datenquellen angebunden sind. Der Fortschritt zählt nur die sichtbaren Schritte.
Assurance-Abschnitte je Rolle und Risiko
Auch der Assurance-Bereich blendet aus, was nicht gilt („x Abschnitte entfallen für Ihre Rolle“ bzw. „… für dieses System“). Ohne gespeicherte Rolle wird nichts nach Rolle eingeschränkt; die App bittet dann, die Rolle festzulegen.
| Abschnitt | Gilt für |
|---|---|
| Einstufung & Rollen, KI-Kompetenz-Nachweise | Immer (Art. 6, Art. 4) |
| Anbieter- und Lieferkettenregister | Ab begrenztem Risiko |
| Regeln zur menschlichen Aufsicht, Monitoring- und Observability-Profile, Behörden-Antwortfälle | Hochrisiko, beide Rollen |
| QMS-Artefakte, Risikoregister, Datensatz-Register, Validierungs-Suiten, Pipeline-Gates, Modellregister & Herkunft, Release-Orchestrierung | Hochrisiko, Anbieter (Art. 9, 10, 11, 15, 17, 43 Abs. 4) |
| Behörden- & Konformitätspaket | Hochrisiko, Anbieter; öffentliche Betreiber wegen der Registrierung nach Art. 49 Abs. 3 |
| Grundrechte-Folgenabschätzung | Hochrisiko, Betreiber im Anwendungsbereich von Art. 27 Abs. 1 (öffentliche Stellen, Erbringer öffentlicher Dienste, Anhang III Nr. 5 lit. b/c) |
Vorbefüllung von „Einstufung & Rollen“
Was die App schon weiß, müssen Sie nicht noch einmal eintippen:
- Risikokategorie: immer das Ergebnis der neuesten Risikobewertung. Sie ist im Profil nicht editierbar; das Backend schreibt sie bei jedem Speichern.
- Eigene Rolle: Anbieter oder Betreiber aus der neuesten abgeschlossenen Rechtslogik. Vorbefüllt, aber änderbar, etwa für Einführer, Händler oder eine bewusste Abweichung.
- Systemtyp: GPAI-Modell nur, wenn das Inventar angibt, dass Sie das Modell selbst bereitstellen oder trainieren; sonst KI-System.
- Zweckbestimmung und Begründung: Vorschläge aus dem Inventar bzw. aus der Begründung der neuesten Risikobewertung, die Sie per Klick übernehmen.
Empfohlene Reihenfolge
- 1System im Inventar anlegen und Risikobewertung durchführen – erst danach ist klar, welche Nachweistiefe nötig ist.
- 2Die vier technischen Nachweise befüllen. Die vorgegebene Gliederung ist die Checkliste dafür.
- 3Ergänzende Dokumente anlegen: Betriebshandbuch, Bedienungsanleitung, Freigabeprotokolle.
- 4Governance-Freigabe einholen und die Nachweise auf FINAL setzen.
- 5Bei Hochrisiko-Systemen: Anhang-IV-Dossier befüllen, das auf diese Nachweise zurückgreift.
- 6Konformitätserklärung abschließen und den Systemreport exportieren.