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Leitfaden · DSGVO Art. 28

Stand: 4. Oktober 2026

Auftrags­verarbeitung: AVV (DPA) nach Art. 28 DSGVO

Sobald ein Dienstleister personenbezogene Daten in Ihrem Auftrag verarbeitet – Cloud, Newsletter, Lohnabrechnung oder ein KI-Tool –, brauchen Sie einen Auftragsverarbeitungsvertrag. Hier finden Sie alle Pflichtinhalte nach Art. 28 Abs. 3 DSGVO als Tabelle, eine Prüfliste für AVV mit KI-Anbietern und eine interaktive Checkliste, die fehlende Punkte gleich als Nachforderung formuliert.

  • Alle Pflichtinhalte nach Art. 28 Abs. 3
  • Prüfliste für KI-Anbieter
  • Checkliste mit Nachforderungstext
  • AVV und DPA: derselbe Vertrag
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Auftragsverarbeiter

Demo Organisation GmbH · Vertragsübersicht

A

Dienstleister mit Datenzugriff

  • Cloud-HostingBetrieb der WebsiteAVV aktuell
  • LohnabrechnungGehaltsabrechnungAVV aktuell
  • KI-Assistent (LLM)Support-AntwortenTraining prüfen
  • Newsletter-ToolE-Mail-MarketingAVV fehlt

Unterauftragsverarbeiter KI-Assistent

  • Rechenzentrum (EU)
  • Modell-API (Drittland)
  • Monitoring-Dienst

Beispieldaten · 1 Vertrag fehlt, 1 in Prüfung

Kurz gesagt

Ein AVV ist der Vertrag nach Art. 28 DSGVO zwischen Ihnen als Verantwortlichem und einem Dienstleister, der personenbezogene Daten nur in Ihrem Auftrag und nach Ihrer Weisung verarbeitet. AVV und DPA (Data Processing Agreement) bezeichnen denselben Vertrag. Er muss schriftlich oder elektronisch vorliegen und die Pflichtinhalte aus Art. 28 Abs. 3 enthalten.

Grundlagen

Was Auftrags­verarbeitung ist – und wann Sie einen AVV brauchen

Auftragsverarbeitung liegt vor, wenn ein externer Dienstleister personenbezogene Daten im Auftrag eines Verantwortlichen verarbeitet (Art. 4 Nr. 8 DSGVO). Der Verantwortliche entscheidet über Zwecke und Mittel der Verarbeitung (Art. 4 Nr. 7), der Auftragsverarbeiter setzt um – weisungsgebunden und ohne eigene Zwecke. Typische Beispiele sind Hosting- und Cloud-Anbieter, Newsletter- und CRM-Tools, externe Lohnabrechnung, IT-Support mit Zugriff auf Systeme, Ticket- und Chat-Software und zunehmend KI-Dienste, die Texte, Dokumente oder Gespräche verarbeiten.

Für diese Konstellation schreibt Art. 28 DSGVO zweierlei vor. Erstens dürfen Sie nur mit Auftragsverarbeitern arbeiten, die hinreichende Garantien für geeignete technische und organisatorische Maßnahmen bieten (Abs. 1). Sie müssen den Dienstleister also vorher prüfen, nicht erst, wenn etwas passiert. Zweitens braucht es einen Vertrag oder ein anderes Rechtsinstrument mit festgelegten Mindestinhalten (Abs. 3), der schriftlich abzufassen ist – ein elektronisches Format genügt (Abs. 9). Das ist der Auftragsverarbeitungsvertrag, kurz AVV.

International heißt derselbe Vertrag Data Processing Agreement (DPA), manchmal auch Data Processing Addendum. Inhaltlich gibt es keinen Unterschied: Entscheidend ist, dass alle Pflichtinhalte nach Art. 28 Abs. 3 enthalten sind. Große Anbieter stellen ihren DPA meist als Standarddokument bereit, das mit den Nutzungsbedingungen gilt oder online akzeptiert wird. Das ist zulässig – Sie sollten aber prüfen, ob er zu Ihrer tatsächlichen Nutzung passt.

Nicht jede Zusammenarbeit ist Auftragsverarbeitung. Verfolgt ein Dienstleister eigene Zwecke oder entscheidet er selbst, wie und wozu Daten verarbeitet werden, ist er eigener Verantwortlicher – etwa Steuerberater und Rechtsanwälte im Rahmen ihrer Berufsausübung, Banken bei Zahlungen oder Paketdienste. Legen zwei Stellen Zwecke und Mittel gemeinsam fest, sind sie gemeinsam Verantwortliche nach Art. 26 DSGVO und brauchen statt eines AVV eine Vereinbarung über die Aufgabenverteilung. Die Tabelle weiter unten hilft bei der Abgrenzung.

Besonders wichtig wird die Abgrenzung bei KI-Anbietern. Ein KI-Dienst, der Ihre Eingaben nur verarbeitet, um Ihnen ein Ergebnis zu liefern, kann Auftragsverarbeiter sein. Nutzt der Anbieter dieselben Daten aber auch für eigene Zwecke – etwa um seine Modelle zu trainieren –, handelt er insoweit nicht mehr nur nach Ihrer Weisung. Ein Auftragsverarbeiter, der unter Verstoß gegen die DSGVO selbst Zwecke und Mittel bestimmt, gilt für diese Verarbeitung als Verantwortlicher (Art. 28 Abs. 10). Deshalb gehört die Frage nach Training und Datennutzung in jede AVV-Prüfung mit KI-Anbietern.

Fehlt ein AVV oder deckt er die Pflichtinhalte nicht ab, verstoßen Verantwortlicher und Auftragsverarbeiter gegen Art. 28 DSGVO. Dafür sieht Art. 83 Abs. 4 lit. a einen Bußgeldrahmen von bis zu 10 Millionen Euro oder 2 % des weltweiten Jahresumsatzes vor, je nachdem, welcher Betrag höher ist. Für Schäden haftet der Auftragsverarbeiter nach Art. 82 Abs. 2 nur, wenn er seine speziellen Pflichten verletzt oder gegen rechtmäßige Weisungen gehandelt hat – die Verantwortung für die Verarbeitung bleibt im Grundsatz bei Ihnen.

Pflichtpunkte in Art. 28 Abs. 3 lit. a–h
8
Pflichtpunkte in Art. 28 Abs. 3 lit. a–h
oder 2 % Umsatz: Bußgeldrahmen bei Verstößen gegen Art. 28 (Art. 83 Abs. 4)
10 Mio. €
oder 2 % Umsatz: Bußgeldrahmen bei Verstößen gegen Art. 28 (Art. 83 Abs. 4)
Vertrag – AVV und DPA sind dasselbe
1
Vertrag – AVV und DPA sind dasselbe

Pflichtinhalte

Was in einen AVV gehört: alle Pflichtinhalte nach Art. 28 DSGVO

Art. 28 Abs. 3 nennt zuerst die Eckdaten der Verarbeitung (Satz 1) und dann acht Pflichten des Auftragsverarbeiters (lit. a bis h). Dazu kommen Regeln aus Abs. 2, 4 und 9. Die rechte Spalte zeigt, worauf Sie bei KI-Anbietern zusätzlich achten sollten – das ist unsere Empfehlung, keine zusätzliche gesetzliche Pflicht.

Tabelle seitlich scrollen →

Was in einen AVV gehört: alle Pflichtinhalte nach Art. 28 DSGVO
PflichtinhaltFundstelleWas konkret geregelt sein sollteBei KI-Anbietern prüfen
Gegenstand und DauerArt. 28 Abs. 3 S. 1Welche Leistung, ab wann, wie lange (z. B. Laufzeit des Hauptvertrags).Welche Funktionen genau: Chat, API, Dokumentenanalyse, Transkription?
Art und Zweck der VerarbeitungArt. 28 Abs. 3 S. 1Was mit den Daten passiert und wofür – möglichst konkret, nicht „IT-Dienstleistungen“.Zweck auf die Leistungserbringung begrenzt? Kein Training eigener Modelle ohne Ihre Zustimmung?
Art der personenbezogenen DatenArt. 28 Abs. 3 S. 1Datenkategorien, z. B. Kontaktdaten, Vertragsdaten, Nutzungsdaten; besondere Kategorien ausdrücklich nennen.Auch Prompts, hochgeladene Dateien, Ausgaben und Protokolle erfasst?
Kategorien betroffener PersonenArt. 28 Abs. 3 S. 1Wessen Daten: Beschäftigte, Kundschaft, Interessenten, Bewerbende.Auch Dritte, die in Dokumenten oder Gesprächen vorkommen?
Pflichten und Rechte des VerantwortlichenArt. 28 Abs. 3 S. 1Weisungsrecht, Kontrollrechte, Informationspflichten.Wie werden Weisungen technisch umgesetzt (Einstellungen, Admin-Konsole)?
Verarbeitung nur auf dokumentierte Weisung – auch bei Drittlandübermittlunglit. aWeisungsbindung, Form der Weisungen, Ausnahme nur bei gesetzlicher Pflicht mit vorheriger Mitteilung.Werden Daten in Drittländer übermittelt, etwa an Modell-APIs außerhalb der EU?
Vertraulichkeit der befugten Personenlit. bVerpflichtung der Beschäftigten auf Vertraulichkeit oder gesetzliche Verschwiegenheit.Gilt das auch für menschliche Prüfung von Eingaben (z. B. Missbrauchskontrolle)?
Sicherheitsmaßnahmen nach Art. 32lit. cTechnische und organisatorische Maßnahmen (TOM), meist als Anlage.Verschlüsselung, Mandantentrennung, Zugriff auf Prompt-Logs, Aufbewahrung der Logs.
Bedingungen für Unterauftragsverarbeiterlit. d, Abs. 2, Abs. 4Vorherige gesonderte oder allgemeine schriftliche Genehmigung; bei allgemeiner Genehmigung Information über Änderungen mit Einspruchsmöglichkeit; gleiche Pflichten weitergeben.Liste der Unterauftragsverarbeiter inkl. Modell- und Rechenzentrumsanbieter, Standort, Benachrichtigungsweg.
Unterstützung bei Betroffenenrechtenlit. eHilfe bei Auskunft, Berichtigung, Löschung usw. mit geeigneten TOM.Lassen sich Daten zu einer Person in Verläufen finden, exportieren und löschen?
Unterstützung bei Art. 32 bis 36lit. fSicherheit, Meldung von Datenpannen, Datenschutz-Folgenabschätzung, vorherige Konsultation.Liefert der Anbieter Informationen für Ihre DSFA? Meldet er Vorfälle unverzüglich (Art. 33 Abs. 2)?
Löschung oder Rückgabe nach Vertragsendelit. gNach Wahl des Verantwortlichen löschen oder zurückgeben, Kopien löschen – außer bei gesetzlicher Speicherpflicht.Was passiert mit Verläufen, Logs, Dateien und Backups? Fristen konkret benannt?
Nachweise und Überprüfungenlit. hAlle Informationen zum Nachweis bereitstellen, Audits und Inspektionen ermöglichen.Welche Nachweise gibt es (Prüfberichte, Zertifikate) und wie läuft eine Prüfung praktisch?
Hinweis auf rechtswidrige WeisungenAbs. 3 UAbs. 2Auftragsverarbeiter informiert unverzüglich, wenn er eine Weisung für datenschutzwidrig hält.–
SchriftformAbs. 9Schriftlich, elektronisches Format genügt (z. B. Online-Akzeptanz, PDF mit Signatur).Version und Datum des akzeptierten DPA dokumentieren.

Die Standardvertragsklauseln der Kommission für Art. 28 (Durchführungsbeschluss (EU) 2021/915) dürfen ganz oder teilweise als AVV genutzt werden (Art. 28 Abs. 6 und 7). Sie ersetzen nicht die Standardvertragsklauseln für Drittlandübermittlungen (Durchführungsbeschluss (EU) 2021/914).

Abgrenzung

Auftragsverarbeiter, eigener Verantwortlicher oder gemeinsam verantwortlich?

Ob ein AVV nötig ist, hängt davon ab, wer über Zwecke und Mittel entscheidet. Die Beispiele sind typische Einordnungen – maßgeblich ist immer die tatsächliche Ausgestaltung im Einzelfall.

Tabelle seitlich scrollen →

Auftragsverarbeiter, eigener Verantwortlicher oder gemeinsam verantwortlich?
KonstellationWer entscheidet über Zwecke und Mittel?Was Sie brauchenTypische Beispiele
AuftragsverarbeitungSie allein; der Dienstleister setzt weisungsgebunden um (Art. 4 Nr. 8).AVV nach Art. 28 DSGVOHosting, Cloud-Speicher, Newsletter-Tool, CRM, externe Lohnabrechnung, IT-Support mit Systemzugriff, KI-Dienst ohne eigene Datennutzung
Eigener VerantwortlicherDer Empfänger verfolgt eigene Zwecke oder entscheidet selbst (Art. 4 Nr. 7).Rechtsgrundlage für die Übermittlung, Information der Betroffenen; kein AVVSteuerberatung und Rechtsberatung, Banken und Zahlungsdienste, Versicherungen, Paketdienste
Gemeinsam VerantwortlicheZwei oder mehr Stellen legen Zwecke und Mittel gemeinsam fest (Art. 26).Vereinbarung nach Art. 26 mit transparenter AufgabenverteilungGemeinsame Marketingaktionen, gemeinsam betriebene Plattformen, Konzernfunktionen mit gemeinsamer Steuerung
MischfallTeilweise weisungsgebunden, teilweise eigene Zwecke.AVV für den Auftragsteil, eigene Prüfung für die eigenen ZweckeKI-Anbieter, der Eingaben auch zum Training nutzt; Software-Anbieter mit eigener Produktanalyse

Faustregel: Wer ein eigenes Interesse an den Daten hat und darüber selbst entscheidet, ist kein bloßer Auftragsverarbeiter. Die bloße Möglichkeit, Daten zu sehen, macht einen Dienstleister dagegen noch nicht zum Verantwortlichen.

KI-Anbieter

AVV mit KI-Anbietern: 8 Punkte, die Sie zusätzlich prüfen sollten

KI-Dienste verarbeiten oft mehr Daten, als auf den ersten Blick sichtbar ist: Eingaben, hochgeladene Dateien, Ausgaben, Verläufe und technische Protokolle. Diese Punkte sind unsere Prüfempfehlung für AVV mit Anbietern von Sprachmodellen, Chatbots, Transkriptions- und Analyse-Tools.

01

Training mit Ihren Daten

Klären Sie schriftlich, ob Eingaben, Dateien oder Ausgaben zum Training oder zur Verbesserung der Modelle genutzt werden. Für die Auftragsverarbeitung sollte das ausgeschlossen sein oder nur nach ausdrücklicher Weisung erfolgen. Achten Sie auf Unterschiede zwischen Verbraucher- und Unternehmensversion.

„Bitte bestätigen Sie, dass unsere Eingaben, Dateien und Ausgaben nicht zum Training oder zur Verbesserung Ihrer Modelle genutzt werden.“

02

Prompt- und Ausgabe-Protokolle

Viele Anbieter speichern Protokolle für Missbrauchserkennung oder Fehleranalyse. Fragen Sie, was gespeichert wird, wie lange, wer darauf zugreift und ob Sie die Speicherung einschränken können.

„Bitte teilen Sie mit, welche Protokolle zu Eingaben und Ausgaben Sie speichern, wie lange und wer darauf Zugriff hat.“

03

Menschliche Prüfung von Inhalten

Werden Eingaben stichprobenartig von Menschen gesichtet, etwa zur Missbrauchskontrolle? Dann muss die Vertraulichkeitspflicht (lit. b) auch für diese Personen gelten – und Sie sollten wissen, wo sie sitzen.

„Bitte teilen Sie mit, ob und unter welchen Bedingungen Mitarbeitende oder Dienstleister Inhalte unserer Nutzung einsehen.“

04

Modell- und Rechenzentrumsanbieter

Hinter einem KI-Tool steckt oft ein Modell-Anbieter und ein Cloud-Rechenzentrum. Beide sind in der Regel Unterauftragsverarbeiter und gehören in die Liste nach Abs. 2 und 4 – mit Standort und Rolle.

„Bitte übermitteln Sie die aktuelle Liste Ihrer Unterauftragsverarbeiter einschließlich Modell- und Rechenzentrumsanbietern mit Standort.“

05

Drittlandübermittlung

Läuft die Verarbeitung ganz oder teilweise außerhalb des EWR, braucht es eine Grundlage nach Kapitel V DSGVO, etwa einen Angemessenheitsbeschluss oder Standardvertragsklauseln. Fragen Sie auch nach Fernzugriffen aus Drittländern, z. B. für Support.

„Bitte teilen Sie mit, in welche Drittländer Daten übermittelt werden oder von wo aus Zugriffe erfolgen, und auf welcher Grundlage nach Kapitel V DSGVO.“

06

Löschung von Verläufen und Dateien

Lassen Sie sich Löschfristen für Verläufe, Uploads, Protokolle und Backups nennen – im laufenden Betrieb und nach Vertragsende (lit. g). „Wird gelöscht“ ohne Frist ist kein belastbarer Vertragsinhalt.

„Bitte nennen Sie die Löschfristen für Verläufe, hochgeladene Dateien, Protokolle und Backups während der Laufzeit und nach Vertragsende.“

07

Informationen für DSFA und KI-Verordnung

Für eine Datenschutz-Folgenabschätzung brauchen Sie Angaben zum System. Wer Hochrisiko-KI betreibt, soll die Informationen des Anbieters nach Art. 13 KI-VO für die DSFA nutzen (Art. 26 Abs. 9 KI-VO). Regeln Sie, dass der Anbieter diese Informationen liefert (lit. f).

„Bitte stellen Sie die Informationen bereit, die wir für eine Datenschutz-Folgenabschätzung benötigen (Funktionsweise, Datenflüsse, Sicherheitsmaßnahmen).“

08

Einstellungen als Weisung

Viele Weisungen setzen Sie bei KI-Tools über Admin-Einstellungen um: Verlauf aus, Datenregion EU, Aufbewahrung kurz. Dokumentieren Sie diese Einstellungen – sie sind Teil Ihrer dokumentierten Weisung (lit. a).

„Bitte bestätigen Sie, welche Konfigurationsoptionen (z. B. Datenregion, Verlauf, Aufbewahrung) für unseren Vertrag verfügbar und wirksam sind.“

Die KI-Verordnung ändert Art. 28 DSGVO nicht. Sie kommt bei Hochrisiko-KI hinzu, deren Betreiberpflichten nach dem Digital Omnibus ab 2. Dezember 2027 gelten.

Interaktiv

AVV-Checkliste: Vertrag prüfen, Lücken nachfordern

Legen Sie den AVV oder DPA Ihres Dienstleisters daneben und gehen Sie die Punkte durch. Rechts sehen Sie, was fehlt – und einen fertigen Text, mit dem Sie die fehlenden Punkte beim Anbieter nachfordern. Es werden keine Daten gespeichert oder übertragen.

Eckdaten (Art. 28 Abs. 3 S. 1, Abs. 9)
  • Gegenstand, Dauer, Art und Zweck

    Konkret beschrieben, nicht nur „IT-Leistungen“. Art. 28 Abs. 3 S. 1

  • Datenarten und Betroffene

    Datenkategorien und Personengruppen genannt. Art. 28 Abs. 3 S. 1

  • Schriftlich oder elektronisch dokumentiert

    Unterschrieben, online akzeptiert, Version und Datum bekannt. Art. 28 Abs. 9

Pflichten des Auftragsverarbeiters (lit. a–h)
  • Weisungsbindung inkl. Drittland

    Verarbeitung nur auf dokumentierte Weisung. lit. a

  • Vertraulichkeit der Beschäftigten

    Verpflichtung oder gesetzliche Verschwiegenheit. lit. b

  • TOM nach Art. 32 als Anlage

    Konkrete Maßnahmen, nicht nur ein Verweis. lit. c

  • Unterauftragsverarbeiter geregelt

    Genehmigung, Liste, Information über Änderungen, Einspruch. lit. d, Abs. 2, 4

  • Unterstützung bei Betroffenenrechten

    Auskunft, Löschung, Berichtigung. lit. e

  • Unterstützung bei Art. 32–36

    Datenpannen, DSFA, Konsultation. lit. f

  • Löschung oder Rückgabe nach Vertragsende

    Wahlrecht des Verantwortlichen, Kopien löschen. lit. g

  • Nachweise und Überprüfungen

    Informationen, Audits, Inspektionen. lit. h

Zusatzpunkte für KI-Anbieter (Empfehlung)
  • Kein Training mit Ihren Daten

    Ausdrücklich ausgeschlossen oder nur auf Weisung. Art. 28 Abs. 3 lit. a, Abs. 10

  • Protokolle und Löschfristen benannt

    Prompts, Ausgaben, Uploads, Backups. lit. c, lit. g

  • Drittland-Grundlage benannt

    Angemessenheitsbeschluss oder Standardvertragsklauseln. Kapitel V DSGVO

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Ergebnis

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Arbeitshilfe zur Orientierung, keine Rechtsberatung. Ob ein Vertrag ausreicht, hängt von der konkreten Verarbeitung ab.

Vorgehen

AVV-Management in 6 Schritten

So bringen Sie Ordnung in Ihre Auftragsverarbeitungen – vom ersten Überblick bis zur laufenden Pflege. Die Reihenfolge ist eine Empfehlung aus der Praxis.

  1. 1

    Dienstleister erfassen

    Gehen Sie Kreditorenliste, Lizenzverwaltung und Verarbeitungsverzeichnis durch. Jeder Dienstleister mit Zugriff auf personenbezogene Daten ist ein Kandidat – auch Fernwartung, IT-Support und KI-Tools, die Fachbereiche selbst gebucht haben.

  2. 2

    Rolle einordnen

    Auftragsverarbeiter, eigener Verantwortlicher oder gemeinsam verantwortlich? Die Abgrenzungstabelle oben hilft. Nur für Auftragsverarbeiter brauchen Sie einen AVV.

  3. 3

    Anbieter vorab prüfen

    Art. 28 Abs. 1 verlangt hinreichende Garantien. Prüfen Sie TOM, Unterauftragsverarbeiter, Standorte und Nachweise, bevor Daten fließen – nicht erst danach.

  4. 4

    AVV abschließen oder prüfen

    Nutzen Sie den DPA des Anbieters oder eigene Muster. Gehen Sie die Checkliste auf dieser Seite durch und fordern Sie fehlende Punkte schriftlich nach.

  5. 5

    Mit dem VVT verknüpfen

    Tragen Sie Auftragsverarbeiter als Empfänger im Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten ein (Art. 30 Abs. 1 lit. d) und verweisen Sie auf den Vertrag. Bei KI-Tools zusätzlich auf den Eintrag im KI-Register.

  6. 6

    Änderungen nachhalten

    Neue Unterauftragsverarbeiter, geänderte DPA-Versionen, neue Funktionen: Legen Sie fest, wer Benachrichtigungen des Anbieters liest und bewertet. Eine jährliche Durchsicht aller Verträge ist eine bewährte Praxis.

Drittländer

Auftragsverarbeiter außerhalb der EU

Sitzt ein Auftragsverarbeiter oder einer seiner Unterauftragsverarbeiter außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums oder greift er von dort auf Daten zu, reicht der AVV allein nicht. Für die Übermittlung braucht es zusätzlich eine Grundlage nach Kapitel V DSGVO (Art. 44 ff.).

Die wichtigsten Grundlagen sind Angemessenheitsbeschlüsse der Kommission (Art. 45) und Standardvertragsklauseln (Art. 46 Abs. 2 lit. c, aktuell Durchführungsbeschluss (EU) 2021/914). Für die USA hat die Kommission am 10. Juli 2023 einen Angemessenheitsbeschluss zum EU-US Data Privacy Framework erlassen (Durchführungsbeschluss (EU) 2023/1795). Er gilt nur für Unternehmen, die sich unter dem Framework zertifiziert haben.

  • Standort aller Unterauftragsverarbeiter abfragen, auch für Support und Fernzugriff
  • Grundlage je Übermittlung dokumentieren: Angemessenheitsbeschluss, Standardvertragsklauseln oder andere Garantie
  • Bei US-Anbietern prüfen, ob eine aktuelle Zertifizierung unter dem Data Privacy Framework besteht
  • Bei Standardvertragsklauseln die Bewertung der Rechtslage im Drittland dokumentieren
Details zu Grundlagen und Prüfung finden Sie auf unserer Seite zum Drittlandtransfer.

Typische Fehler

Woran AVV in der Praxis scheitern

AVV für jeden Dienstleister

Steuerberater, Banken oder Anwälte sind in ihrer Berufsausübung in der Regel eigene Verantwortliche. Ein AVV mit ihnen beschreibt die Rolle falsch und verdeckt die eigentlich nötige Prüfung der Übermittlung.

Zweck „IT-Dienstleistungen“

Ein AVV, der Art und Zweck nur pauschal beschreibt, erfüllt Art. 28 Abs. 3 Satz 1 kaum. Beschreiben Sie konkret, was der Dienstleister mit welchen Daten tut.

TOM als bloßer Verweis

„Der Anbieter trifft angemessene Maßnahmen“ ist keine TOM-Beschreibung. Lassen Sie sich die Maßnahmen als Anlage oder in einem aktuellen Dokument geben.

Unterauftragsverarbeiter ignoriert

Bei einer allgemeinen Genehmigung müssen Sie über Änderungen informiert werden und widersprechen können. Wer die Benachrichtigungen nicht liest, verliert dieses Recht praktisch.

Verbraucher-Account im Unternehmen

Viele KI-Tools bieten einen DPA nur für Business- oder Enterprise-Tarife an. Nutzen Beschäftigte private oder kostenlose Konten, gibt es oft keinen AVV – und die Eingaben dienen unter Umständen dem Training.

Abschluss ohne Ablage

Online akzeptierte DPA ändern sich. Speichern Sie Version und Datum der akzeptierten Fassung, sonst können Sie später nicht nachweisen, was vereinbart war.

Mit SimpleAct

Auftragsverarbeiter an einem Ort verwalten

Im DSGVO-Modul von SimpleAct (ab Professional) verwalten Sie Auftragsverarbeiter, Verträge und TOM-Nachweise zentral – verknüpft mit Verarbeitungsverzeichnis und TOM.

  • AVV und Nachweise je Dienstleister
  • Nächster Prüftermin je Dienstleister
  • Verknüpfung mit VVT und TOM
  • Überfällige Prüfungen markiert

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FAQ

Häufige Fragen zur Auftragsverarbeitung

Inhaltlich keiner. AVV (Auftragsverarbeitungsvertrag) ist der deutsche Begriff, DPA (Data Processing Agreement) der englische. Beide bezeichnen den Vertrag nach Art. 28 DSGVO. Sie brauchen nicht beides, sondern einen Vertrag, der alle Pflichtinhalte nach Art. 28 Abs. 3 abdeckt.
Immer dann, wenn ein externer Dienstleister personenbezogene Daten in Ihrem Auftrag und nach Ihrer Weisung verarbeitet, etwa beim Hosting, bei Newsletter- und CRM-Tools, bei externer Lohnabrechnung, beim IT-Support mit Systemzugriff oder bei KI-Diensten. Verfolgt der Dienstleister eigene Zwecke, ist er eigener Verantwortlicher und es braucht keinen AVV.
Nach Art. 28 Abs. 3 DSGVO: Gegenstand und Dauer, Art und Zweck der Verarbeitung, Art der Daten, Kategorien Betroffener, Rechte und Pflichten des Verantwortlichen sowie acht Pflichten des Auftragsverarbeiters – Weisungsbindung, Vertraulichkeit, Sicherheitsmaßnahmen nach Art. 32, Regeln für Unterauftragsverarbeiter, Unterstützung bei Betroffenenrechten und bei Art. 32 bis 36, Löschung oder Rückgabe nach Vertragsende sowie Nachweise und Überprüfungen.
Er muss schriftlich abgefasst sein, wobei ein elektronisches Format genügt (Art. 28 Abs. 9 DSGVO). In der Praxis reichen oft ein elektronisch akzeptierter DPA oder ein PDF mit elektronischer Signatur. Dokumentieren Sie Version und Datum.
Wenn Beschäftigte personenbezogene Daten in ein KI-Tool eingeben und der Anbieter diese in Ihrem Auftrag verarbeitet, ja. Viele Anbieter stellen einen DPA nur für Business- oder Enterprise-Tarife bereit. Prüfen Sie zusätzlich, ob Eingaben zum Training genutzt werden, welche Protokolle gespeichert werden und ob Daten in Drittländer gehen.
Für die Leistungserbringung kann er Auftragsverarbeiter sein. Nutzt er Daten aber für eigene Zwecke wie das Training seiner Modelle, handelt er insoweit nicht mehr nur auf Ihre Weisung. Ein Auftragsverarbeiter, der unter Verstoß gegen die DSGVO selbst Zwecke und Mittel bestimmt, gilt für diese Verarbeitung als Verantwortlicher (Art. 28 Abs. 10). Regeln Sie das Training deshalb ausdrücklich.
Weitere Dienstleister, die Ihr Auftragsverarbeiter einsetzt, etwa Rechenzentren oder Modell-Anbieter. Sie dürfen nur mit Ihrer vorherigen gesonderten oder allgemeinen schriftlichen Genehmigung eingesetzt werden. Bei einer allgemeinen Genehmigung muss der Auftragsverarbeiter Sie über Änderungen informieren, damit Sie Einspruch erheben können (Art. 28 Abs. 2). Ihm müssen dieselben Datenschutzpflichten auferlegt werden (Abs. 4).
Oft ja, wenn er alle Pflichtinhalte nach Art. 28 Abs. 3 abdeckt und zu Ihrer tatsächlichen Nutzung passt. Prüfen Sie besonders Zweckbeschreibung, Unterauftragsverarbeiter, Drittlandübermittlungen, Löschfristen und bei KI-Tools die Nutzung zum Training. Die Checkliste auf dieser Seite hilft dabei.
Dann fehlt eine Voraussetzung der Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO. Verstöße gegen die Pflichten aus Art. 28 können nach Art. 83 Abs. 4 lit. a mit Geldbußen bis zu 10 Millionen Euro oder 2 % des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden, je nachdem, welcher Betrag höher ist. Schließen Sie den Vertrag nach und prüfen Sie, ob bereits Daten geflossen sind.
Im Grundsatz bleibt der Verantwortliche verantwortlich. Der Auftragsverarbeiter haftet für Schäden nach Art. 82 Abs. 2 DSGVO, wenn er seine speziell für Auftragsverarbeiter geltenden Pflichten verletzt oder gegen rechtmäßige Weisungen gehandelt hat. Für Unterauftragsverarbeiter haftet der erste Auftragsverarbeiter gegenüber dem Verantwortlichen (Art. 28 Abs. 4).

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Quellen und Stand

Zuletzt geprüft am · Redaktion SimpleAct

Diese Seite und die Checkliste dienen der Orientierung und ersetzen keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist der Wortlaut der DSGVO im Amtsblatt der EU. Prüfpunkte für KI-Anbieter, Vorgehen und Beispiele sind Empfehlungen.

Änderungen an dieser Seite

  • 4. Oktober 2026 – Neu aufgebaut: Pflichtinhalte nach Art. 28 Abs. 3 als Tabelle, Abgrenzung der Rollen, Prüfliste für KI-Anbieter, interaktive AVV-Checkliste mit Nachforderungstext, Drittland-Abschnitt.
  • 6. Juli 2026 – AVV und DPA in Titel und erster FAQ erklärt.
  • 14. Juni 2026 – Erste Fassung.

Auftrags­verarbeitung im Griff

SimpleAct führt Auftragsverarbeiter, Verträge und Nachweise an einem Ort und verknüpft sie mit Verarbeitungsverzeichnis und TOM – überfällige Prüfungen sind auf einen Blick markiert.