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Leitfaden · DSGVO Art. 44–49

Stand: 4. Oktober 2026

Drittlandtransfer nach DSGVO: Angemessenheit, SCC, DPF und TIA

Cloud, Support aus Indien, KI-Modell in den USA: Sobald personenbezogene Daten den EWR verlassen – oder von dort abgerufen werden –, brauchen Sie eine Grundlage nach Kapitel V DSGVO. Hier finden Sie alle Übermittlungsinstrumente als Tabelle, die aktuelle Liste der Angemessenheitsbeschlüsse, die sechs Schritte des EDSA und einen Transfer-Check.

  • Alle Instrumente aus Art. 45–49
  • Liste der Angemessenheitsbeschlüsse
  • 6 Schritte nach EDSA inkl. TIA
  • Transfer-Check mit VVT-Text
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Drittlandtransfers

Demo Organisation GmbH · 4 Empfänger

A
  • KI-Modell-API · USADPF (zertifiziert) · TIA nicht erforderlich
  • Support-Dienstleister · IndienSCC (Modul 2) · TIA in Bearbeitung
  • Ticket-Tool · SchweizAngemessenheit · TIA nicht erforderlich
  • Analyse-Dienst · unbekanntungeklärt · TIA ausstehend

Beispieldaten · Fernzugriff zählt als Übermittlung

Kurz gesagt

Eine Übermittlung personenbezogener Daten in ein Land außerhalb des EWR ist nur zulässig, wenn ein Angemessenheitsbeschluss der Kommission vorliegt (Art. 45), geeignete Garantien wie Standardvertragsklauseln bestehen (Art. 46) oder eine Ausnahme für den Einzelfall greift (Art. 49). Bei Standardvertragsklauseln ist zusätzlich zu prüfen, ob sie im Zielland wirksam sind.

Grundlagen

Was ein Drittlandtransfer ist – und warum er eine eigene Grundlage braucht

Innerhalb der EU und des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR – EU plus Norwegen, Island, Liechtenstein) gilt die DSGVO überall gleich. Verlassen Daten diesen Raum, soll das Schutzniveau mitreisen. Deshalb verlangt Kapitel V der DSGVO für jede Übermittlung in ein Drittland oder an eine internationale Organisation eine eigene Grundlage – zusätzlich zur Rechtsgrundlage der Verarbeitung nach Art. 6 (Art. 44). Das gilt auch für Weiterübermittlungen aus dem Drittland in ein weiteres Land.

Eine Übermittlung liegt nicht erst vor, wenn Daten physisch kopiert werden. Nach den Empfehlungen 01/2020 des Europäischen Datenschutzausschusses (EDSA) gilt auch der Fernzugriff einer Stelle aus einem Drittland auf Daten im EWR als Übermittlung – etwa durch Support- oder Administrationsteams eines Anbieters. Bei Cloud- und KI-Diensten reicht der Blick auf den Serverstandort deshalb nicht.

Die DSGVO kennt drei Stufen. Erste Wahl ist ein Angemessenheitsbeschluss der EU-Kommission nach Art. 45: Für die anerkannten Länder werden Übermittlungen wie innerhalb der EU behandelt, eine besondere Genehmigung ist nicht nötig. Gibt es keinen, braucht es geeignete Garantien nach Art. 46 – in der Praxis meist die Standardvertragsklauseln (SCC) der Kommission aus dem Durchführungsbeschluss (EU) 2021/914 oder, im Konzern, verbindliche interne Datenschutzvorschriften (BCR) nach Art. 47. Erst wenn beides fehlt, kommen die Ausnahmen für bestimmte Fälle nach Art. 49 in Betracht.

Für die USA gilt seit dem 10. Juli 2023 der Angemessenheitsbeschluss zum EU-US Data Privacy Framework (Durchführungsbeschluss (EU) 2023/1795). Er deckt nur Unternehmen ab, die sich unter dem Framework zertifiziert haben. Ob ein Anbieter zertifiziert ist, lässt sich in der offiziellen Liste des US-Handelsministeriums prüfen. Ist er es nicht, brauchen Sie für die Übermittlung in die USA weiterhin Standardvertragsklauseln oder eine andere Grundlage.

Standardvertragsklauseln allein genügen nicht immer. In seinem Urteil vom 16. Juli 2020 (C-311/18, „Schrems II“) hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass die Garantien nach Art. 46 im Zielland auch tatsächlich ein im Wesentlichen gleichwertiges Schutzniveau gewährleisten müssen. Der EDSA hat dafür sechs Schritte beschrieben: Übermittlungen kennen, Instrument bestimmen, Wirksamkeit im Zielland prüfen, zusätzliche Maßnahmen ergreifen, Verfahrensschritte erledigen, regelmäßig neu bewerten. Die Prüfung im dritten Schritt wird in der Praxis oft Transfer Impact Assessment (TIA) genannt.

Die Ausnahmen des Art. 49 – etwa die ausdrückliche Einwilligung nach Information über die Risiken, die Erfüllung eines Vertrags mit der betroffenen Person oder die Geltendmachung von Rechtsansprüchen – sind für Einzelfälle gedacht. Für regelmäßige Übermittlungen, etwa den laufenden Betrieb eines Cloud-Dienstes, sind sie in der Regel keine tragfähige Grundlage. Wer sie nutzt, muss sie im Verarbeitungsverzeichnis dokumentieren.

Verstöße gegen die Art. 44–49 gehören zur höheren Bußgeldstufe: Art. 83 Abs. 5 lit. c sieht bis zu 20 Millionen Euro oder 4 % des weltweiten Jahresumsatzes vor, je nachdem, welcher Betrag höher ist. Hinzu kommen Informationspflichten: Datenschutzhinweise müssen eine beabsichtigte Übermittlung und die Garantien nennen (Art. 13 Abs. 1 lit. f), und das Verarbeitungsverzeichnis führt Drittländer gesondert auf (Art. 30 Abs. 1 lit. e).

Stufen: Angemessenheit (Art. 45), Garantien (Art. 46), Ausnahmen (Art. 49)
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Stufen: Angemessenheit (Art. 45), Garantien (Art. 46), Ausnahmen (Art. 49)
Schritte nach den EDSA-Empfehlungen 01/2020
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Schritte nach den EDSA-Empfehlungen 01/2020
oder 4 % Umsatz: Bußgeldrahmen bei Verstößen gegen Art. 44–49 (Art. 83 Abs. 5)
20 Mio. €
oder 4 % Umsatz: Bußgeldrahmen bei Verstößen gegen Art. 44–49 (Art. 83 Abs. 5)

Instrumente

Übermittlungs­instrumente nach Kapitel V DSGVO im Überblick

In dieser Reihenfolge prüfen: erst Angemessenheit, dann Garantien, zuletzt Ausnahmen. Die rechte Spalte zeigt, ob eine Prüfung im Zielland nach den EDSA-Empfehlungen nötig ist.

Angemessenheitsbeschluss
Wann es passtZielland, Gebiet, Sektor oder Organisation ist von der Kommission anerkannt
Prüfung im Zielland (TIA)?Nein
HinweisKeine besondere Genehmigung nötig; Geltungsbereich des Beschlusses beachten
FundstelleArt. 45
EU-US Data Privacy Framework
Wann es passtUS-Empfänger ist unter dem DPF zertifiziert
Prüfung im Zielland (TIA)?Nein
HinweisZertifizierung in der offiziellen DPF-Liste prüfen und dokumentieren
FundstelleArt. 45; DB (EU) 2023/1795
Standardvertragsklauseln (SCC)
Wann es passtKein Angemessenheitsbeschluss; Vertrag mit dem Empfänger
Prüfung im Zielland (TIA)?Ja
HinweisPassendes Modul wählen; ggf. zusätzliche Maßnahmen
FundstelleArt. 46 Abs. 2 lit. c; DB (EU) 2021/914
Verbindliche interne Datenschutzvorschriften (BCR)
Wann es passtÜbermittlungen innerhalb einer Unternehmensgruppe
Prüfung im Zielland (TIA)?Ja
HinweisGenehmigung durch die Aufsichtsbehörde nötig
FundstelleArt. 46 Abs. 2 lit. b; Art. 47
Verhaltensregeln, Zertifizierung
Wann es passtGenehmigte Codes oder Zertifizierungen mit verbindlichen Verpflichtungen des Empfängers
Prüfung im Zielland (TIA)?Ja
HinweisIn der Praxis selten
FundstelleArt. 46 Abs. 2 lit. e, f
Individuelle Vertragsklauseln
Wann es passtEigene Klauseln statt SCC
Prüfung im Zielland (TIA)?Ja
HinweisGenehmigung durch die Aufsichtsbehörde nötig
FundstelleArt. 46 Abs. 3 lit. a
Ausdrückliche Einwilligung
Wann es passtEinzelfall, Person über Risiken informiert
Prüfung im Zielland (TIA)?Nicht anwendbar
HinweisKeine Dauerlösung; jederzeit widerrufbar
FundstelleArt. 49 Abs. 1 lit. a
Vertragserfüllung
Wann es passtÜbermittlung ist für einen Vertrag mit oder im Interesse der Person erforderlich
Prüfung im Zielland (TIA)?Nicht anwendbar
HinweisNur soweit erforderlich, z. B. Hotelbuchung im Ausland
FundstelleArt. 49 Abs. 1 lit. b, c
Rechtsansprüche, lebenswichtige Interessen
Wann es passtGeltendmachung oder Verteidigung von Ansprüchen; Schutz von Leben
Prüfung im Zielland (TIA)?Nicht anwendbar
HinweisEng auszulegen
FundstelleArt. 49 Abs. 1 lit. e, f
Zwingende berechtigte Interessen
Wann es passtNicht wiederholt, begrenzte Zahl Betroffener, nur als letzte Möglichkeit
Prüfung im Zielland (TIA)?Nicht anwendbar
HinweisAufsichtsbehörde und Betroffene informieren; im VVT dokumentieren (Art. 49 Abs. 6)
FundstelleArt. 49 Abs. 1 UAbs. 2

Urteile oder Behördenentscheidungen aus Drittländern, die eine Herausgabe verlangen, sind nur auf Grundlage einer internationalen Übereinkunft wie eines Rechtshilfeabkommens anzuerkennen (Art. 48).

Interaktiv

Transfer-Check: Welche Grundlage brauchen Sie?

Beantworten Sie bis zu vier Fragen zu einem Empfänger. Sie sehen, welche Grundlage nach Kapitel V in Betracht kommt, ob eine Prüfung im Zielland nötig ist, was zu tun ist – und einen Text für das Verarbeitungsverzeichnis (Art. 30 Abs. 1 lit. e). Es werden keine Daten gespeichert oder übertragen.

1 · Wo sitzt der Empfänger – oder von wo greift er zu?
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Ergebnis

–

A

Beantworten Sie die Fragen links, um die passende Grundlage zu sehen.

Arbeitshilfe zur Orientierung, keine Rechtsberatung. Die Prüfung im Zielland und die Wahl der Grundlage hängen vom Einzelfall ab.

Angemessenheit

Für welche Länder ein Angemessenheits­beschluss gilt

Die Kommission prüft vor einem Angemessenheitsbeschluss unter anderem Rechtsstaatlichkeit, Zugriffsrechte von Behörden, unabhängige Aufsicht und Rechtsbehelfe im Zielland (Art. 45 Abs. 2). Liegt ein Beschluss vor, dürfen Daten aus der EU – und aus Norwegen, Island und Liechtenstein – ohne weitere Garantien dorthin fließen.

Einige Beschlüsse gelten nur eingeschränkt: Für Kanada nur gegenüber kommerziellen Organisationen, für die USA nur gegenüber Unternehmen, die am Data Privacy Framework teilnehmen. Die Kommission überprüft die Beschlüsse regelmäßig; sie können geändert oder aufgehoben werden. Prüfen Sie den aktuellen Stand deshalb vor jeder neuen Übermittlung auf der Seite der Kommission.

Ein Angemessenheitsbeschluss ersetzt die übrigen Pflichten nicht. Auch bei einer Übermittlung in ein anerkanntes Land brauchen Sie eine Rechtsgrundlage nach Art. 6, bei Dienstleistern einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28, und die Übermittlung gehört ins Verarbeitungsverzeichnis und in die Datenschutzhinweise. Gehen Daten vom anerkannten Land weiter in ein anderes Drittland, ist auch diese Weiterübermittlung abzusichern (Art. 44).

  • Andorra
  • Argentinien
  • Brasilien
  • Färöer
  • Guernsey
  • Insel Man
  • Israel
  • Japan
  • Jersey
  • Kanada (kommerzielle Organisationen)
  • Neuseeland
  • Republik Korea
  • Schweiz
  • Uruguay
  • Vereinigtes Königreich
  • USA (nur DPF-zertifizierte Unternehmen)
  • Europäische Patentorganisation
Laut Übersicht der EU-Kommission, abgerufen am 4. Oktober 2026

EDSA-Empfehlungen 01/2020

Die sechs Schritte für Übermittlungen mit SCC oder BCR

Nach Schrems II beschreibt der EDSA, wie Verantwortliche und Auftragsverarbeiter prüfen, ob ein Instrument nach Art. 46 im Zielland wirksam ist. Die rechte Spalte zeigt, was das bei einem KI-Dienst praktisch heißt – das ist unsere Empfehlung.

1. Übermittlungen kennen
Was zu tun istAlle Übermittlungen erfassen, auch Weiterübermittlungen und Fernzugriffe; Datenminimierung prüfen
Bei einem KI-DienstModellanbieter, Rechenzentren, Support- und Moderationsteams des Anbieters erfassen
2. Instrument bestimmen
Was zu tun istAngemessenheitsbeschluss? Sonst Instrument nach Art. 46; Ausnahmen nach Art. 49 nur im Einzelfall
Bei einem KI-DienstDPF-Zertifizierung prüfen; sonst SCC im AVV oder DPA des Anbieters
3. Wirksamkeit im Zielland prüfen
Was zu tun istRecht und Praxis des Ziellands bewerten, insbesondere Behördenzugriffe (oft „TIA“ genannt)
Bei einem KI-DienstWelche Gesetze erlauben Zugriff auf Eingaben und Protokolle? Gibt es Transparenzberichte?
4. Zusätzliche Maßnahmen
Was zu tun istTechnische, vertragliche und organisatorische Maßnahmen, wo das Instrument allein nicht reicht
Bei einem KI-DienstVerschlüsselung, Pseudonymisierung der Eingaben, EU-Datenregion, kein Training, kurze Speicherung
5. Verfahrensschritte
Was zu tun istFormale Schritte für das gewählte Instrument, z. B. SCC unverändert übernehmen
Bei einem KI-DienstModul der SCC korrekt wählen, Anhänge ausfüllen
6. Regelmäßig neu bewerten
Was zu tun istEntwicklungen im Zielland und beim Empfänger verfolgen
Bei einem KI-DienstNeue Unterauftragsverarbeiter, neue Regionen, Änderungen der Rechtslage

Quelle: EDSA, Empfehlungen 01/2020 zu Maßnahmen zur Ergänzung von Übermittlungstools, Version 2.0 vom 18. Juni 2021.

Praxis

Typische Konstellationen und ihre Einordnung

So lassen sich häufige Fälle im Mittelstand typischerweise einordnen. Die Einordnung ist eine Orientierung – maßgeblich sind Vertrag, tatsächliche Datenflüsse und der aktuelle Stand der Beschlüsse.

US-Cloud-Anbieter mit DPF-Zertifizierung
Typische GrundlageAngemessenheitsbeschluss (EU) 2023/1795
Was Sie prüfen solltenZertifizierung in der DPF-Liste, Umfang der Zertifizierung, Unterauftragsverarbeiter außerhalb der USA
US-Anbieter ohne DPF-Zertifizierung
Typische GrundlageStandardvertragsklauseln (Art. 46 Abs. 2 lit. c)
Was Sie prüfen solltenPassendes SCC-Modul im DPA, Prüfung im Zielland, zusätzliche Maßnahmen wie Verschlüsselung
Anbieter mit Rechenzentrum in der EU, Support aus einem Drittland
Typische GrundlageJe nach Supportland: Angemessenheit oder SCC
Was Sie prüfen solltenWer greift von wo zu? Fernzugriff ist eine Übermittlung (EDSA)
Konzerngesellschaft außerhalb der EU
Typische GrundlageBCR oder SCC; ggf. Angemessenheit des Landes
Was Sie prüfen solltenKonzerninterne Vereinbarung, Rollen (Verantwortlicher oder Auftragsverarbeiter), Weiterübermittlungen
Dienstleister im Vereinigten Königreich oder in der Schweiz
Typische GrundlageAngemessenheitsbeschluss
Was Sie prüfen solltenAktuellen Stand des Beschlusses auf der Seite der Kommission prüfen
KI-Modell-API über einen EU-Reseller
Typische GrundlageAbhängig von der Kette: Reseller in der EU, Modellanbieter ggf. im Drittland
Was Sie prüfen solltenUnterauftragsverarbeiter-Liste des Resellers, Datenregion, Grundlage für die Weiterübermittlung
Einzelne E-Mail an einen Geschäftspartner im Drittland
Typische GrundlageJe nach Inhalt: Vertragserfüllung (Art. 49 Abs. 1 lit. b, c) oder keine personenbezogenen Daten
Was Sie prüfen solltenOb personenbezogene Daten enthalten sind und ob es wirklich ein Einzelfall ist
Hotelbuchung für Beschäftigte im Ausland
Typische GrundlageArt. 49 Abs. 1 lit. b oder c (Vertragserfüllung)
Was Sie prüfen solltenNur die für die Buchung nötigen Daten übermitteln

Bei jeder Konstellation gilt: Ergebnis und Grundlage im VVT dokumentieren und in den Datenschutzhinweisen nennen.

Drittland und KI

KI-Dienste und Drittlandtransfer: worauf Sie achten sollten

Viele große Modellanbieter betreiben ihre Dienste ganz oder teilweise außerhalb der EU. Diese Punkte sind unsere Prüfempfehlung für KI-Dienste.

01

Nicht nur der Serverstandort

Auch ein EU-Rechenzentrum schließt Übermittlungen nicht aus: Support-, Sicherheits- oder Moderationsteams im Drittland mit Zugriff auf Eingaben sind nach dem EDSA eine Übermittlung.

02

Ganze Kette betrachten

Hinter einem KI-Tool stehen oft ein Modellanbieter und ein Cloud-Rechenzentrum. Jede Weiterübermittlung braucht eine Grundlage (Art. 44 S. 1).

03

DPF-Zertifizierung prüfen

Bei US-Anbietern zuerst die DPF-Liste prüfen – mit Datum dokumentieren. Ohne Zertifizierung bleiben SCC und die Prüfung im Zielland.

04

Datenregion als Einstellung

Viele Anbieter bieten eine EU-Datenregion. Dokumentieren Sie die Einstellung als Teil Ihrer Weisung im AVV – und prüfen Sie, was sie tatsächlich abdeckt.

05

Daten minimieren

Was nicht übermittelt wird, braucht keine Grundlage. Pseudonymisierte oder gekürzte Eingaben senken das Risiko und erleichtern die Prüfung im Zielland.

06

Im VVT sichtbar machen

Drittland und Grundlage gehören in den VVT-Eintrag der Verarbeitung, die das KI-Tool nutzt (Art. 30 Abs. 1 lit. e), und in die Datenschutzhinweise (Art. 13 Abs. 1 lit. f).

Die KI-Verordnung ändert Kapitel V DSGVO nicht. Sie verpflichtet Anbieter mit Sitz außerhalb der EU unter Umständen zu einem Bevollmächtigten in der EU – das ersetzt keine Übermittlungsgrundlage.

Vorgehen

Drittlandtransfers in den Griff bekommen in 6 Schritten

So bringen Sie Ordnung in Ihre Übermittlungen. Die Reihenfolge ist eine Empfehlung aus der Praxis und folgt den EDSA-Schritten.

  1. 1

    Empfänger erfassen

    Aus VVT, Dienstleisterliste und AVV alle Empfänger mit Sitz oder Zugriff außerhalb des EWR ermitteln – inklusive Unterauftragsverarbeiter.

  2. 2

    Grundlage zuordnen

    Je Übermittlung: Angemessenheit, DPF, SCC, BCR oder Ausnahme. „Unbekannt“ ist ein Arbeitsauftrag, kein Ergebnis.

  3. 3

    Zielland prüfen

    Bei SCC und BCR die Prüfung nach EDSA-Schritt 3 durchführen und dokumentieren.

  4. 4

    Maßnahmen festlegen

    Wo nötig, zusätzliche technische und organisatorische Maßnahmen vereinbaren – oder den Anbieter wechseln.

  5. 5

    Dokumentieren und informieren

    VVT (Art. 30 Abs. 1 lit. e) und Datenschutzhinweise (Art. 13 Abs. 1 lit. f) aktualisieren.

  6. 6

    Neu bewerten

    Bei neuen Unterauftragsverarbeitern, Regionen oder Rechtsänderungen erneut prüfen. Wir empfehlen zusätzlich eine jährliche Durchsicht.

Häufige Fehler

Sechs Fehler bei Drittlandtransfers

„Server in der EU“ als Freifahrtschein

Fernzugriffe aus Drittländern sind ebenfalls Übermittlungen. Fragen Sie nach Support- und Admin-Standorten.

DPF angenommen, nicht geprüft

Das DPF gilt nur für zertifizierte Unternehmen. Ohne Blick in die Liste ist die Annahme eine Vermutung.

SCC ohne Prüfung im Zielland

Seit Schrems II reicht die Unterschrift unter SCC allein nicht. Die Prüfung nach EDSA-Schritt 3 gehört dazu.

Art. 49 als Dauerlösung

Einwilligung oder Vertragserfüllung tragen keine laufenden, systematischen Übermittlungen eines Cloud-Dienstes.

Weiterübermittlung vergessen

Der direkte Anbieter sitzt in der EU, sein Unterauftragsverarbeiter nicht? Auch das ist eine Übermittlung.

Nicht im VVT und in den Hinweisen

Drittländer und Garantien gehören ins Verarbeitungsverzeichnis und in die Datenschutzhinweise.

Mit SimpleAct

Drittlandtransfers in SimpleAct

Im DSGVO-Modul (ab Professional) kennzeichnet das Verarbeitungsverzeichnis Drittlandtransfers samt Garantien. Das Transferregister mit Prüfstatus gehört zum Enterprise-Paket.

  • VVT-Eintrag mit Kennzeichen für Drittlandtransfer und Garantien
  • Auftragsverarbeiter aus dem Vendor Register verknüpft
  • Transferregister (Enterprise): Empfänger, Zielland, Grundlage
  • SCC-Version und Status der Prüfung im Zielland mit Datum
  • Verknüpfung mit Anbieter und VVT-Eintrag

Und SimpleAct selbst?

Die Plattformdaten liegen in Deutschland (Hetzner, Nürnberg; Backups in Falkenstein). Unterauftragsverarbeiter sind Hetzner, Stripe (Zahlungen), Brevo (E-Mail) und Anthropic (KI-Assistent, nur wenn eingeschaltet; die dafür eingereichten Texte werden auch in den USA verarbeitet) – Details stehen in unserem AVV.

AVV von SimpleAct ansehen

FAQ

Häufige Fragen zum Drittlandtransfer

Jedes Land außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums, also außerhalb der EU sowie Norwegens, Islands und Liechtensteins. Für Übermittlungen dorthin gilt Kapitel V der DSGVO (Art. 44–49).
Ja. Nach den EDSA-Empfehlungen 01/2020 gilt auch der Fernzugriff einer Stelle aus einem Drittland auf Daten im EWR als Übermittlung – etwa durch Support- oder Administrationsteams eines Dienstleisters.
Laut Übersicht der EU-Kommission (Stand 4. Oktober 2026) für Andorra, Argentinien, Brasilien, Kanada (kommerzielle Organisationen), die Färöer, Guernsey, Israel, die Insel Man, Japan, Jersey, Neuseeland, die Republik Korea, die Schweiz, das Vereinigte Königreich, die USA (nur DPF-zertifizierte Unternehmen), Uruguay und die Europäische Patentorganisation.
Ja, mit Grundlage. An Unternehmen, die unter dem EU-US Data Privacy Framework zertifiziert sind, gilt der Angemessenheitsbeschluss (EU) 2023/1795 vom 10. Juli 2023. Bei nicht zertifizierten Empfängern brauchen Sie Standardvertragsklauseln samt Prüfung im Zielland oder eine andere Grundlage.
Von der Kommission erlassene Vertragsklauseln nach Art. 46 Abs. 2 lit. c DSGVO, aktuell aus dem Durchführungsbeschluss (EU) 2021/914. Sie werden mit dem Empfänger vereinbart und haben Module für die verschiedenen Rollen von Exporteur und Importeur. Sie dürfen inhaltlich nicht verändert werden.
Die Prüfung, ob ein Instrument nach Art. 46 – etwa SCC – im Zielland tatsächlich ein im Wesentlichen gleichwertiges Schutzniveau sichert. Sie folgt aus dem Schrems-II-Urteil des EuGH (C-311/18) und entspricht Schritt 3 der EDSA-Empfehlungen 01/2020. Das Ergebnis ist zu dokumentieren.
Nur im Einzelfall: Die Person muss ausdrücklich einwilligen, nachdem sie über die Risiken einer Übermittlung ohne Angemessenheitsbeschluss und ohne Garantien informiert wurde (Art. 49 Abs. 1 lit. a). Für laufende, systematische Übermittlungen ist das in der Regel keine tragfähige Grundlage.
Ja. Art. 30 Abs. 1 lit. e verlangt die Angabe von Übermittlungen in Drittländer mit dem jeweiligen Land und, bei Übermittlungen nach Art. 49 Abs. 1 UAbs. 2, die Dokumentation der Garantien. Auch die Datenschutzhinweise müssen die Übermittlung nennen (Art. 13 Abs. 1 lit. f).
Verstöße gegen die Art. 44–49 können nach Art. 83 Abs. 5 lit. c DSGVO mit bis zu 20 Millionen Euro oder 4 % des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden. Zudem kann die Aufsichtsbehörde die Aussetzung der Übermittlungen anordnen.
Große Anbieter binden die SCC meist in ihren DPA oder ihre Nutzungsbedingungen ein; mit dessen Annahme werden sie vereinbart. Prüfen Sie, welches Modul gilt und ob die Anhänge – Datenkategorien, Zwecke, Sicherheitsmaßnahmen – zu Ihrer Nutzung passen.
Nein. Die Kommission überprüft die Beschlüsse regelmäßig und kann sie ändern oder aufheben; auch der Europäische Gerichtshof kann sie für ungültig erklären, wie bei den Vorgängern des Data Privacy Framework geschehen. Prüfen Sie den Stand deshalb regelmäßig und halten Sie für wichtige Übermittlungen eine Alternative bereit.
Nichts an den Regeln der DSGVO. Für KI-Dienste gelten die Art. 44–49 wie für jeden anderen Dienst. Weil viele Modellanbieter außerhalb der EU sitzen oder Zugriffe von dort haben, ist die Prüfung bei KI-Tools besonders häufig nötig.

Noch Fragen? Wir helfen gerne weiter. E-Mail schreiben · 7 Tage testen (Kreditkarte nötig)

Quellen und Stand

Stand: · Redaktion SimpleAct

Dieser Leitfaden dient der allgemeinen Information und ist keine Rechtsberatung. Angemessenheitsbeschlüsse können sich ändern; maßgeblich ist der aktuelle Stand der Kommission.

Änderungen

  • 2026-10-04 – Seite neu aufgebaut: Instrumente-Tabelle, Liste der Angemessenheitsbeschlüsse, sechs EDSA-Schritte, Transfer-Check mit VVT-Text, KI-Abschnitt.
  • 2026-06-13 – Erste Fassung.

Jeden Drittlandtransfer mit Grundlage und Prüfstatus

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