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Anhang III KI-VO · Art. 6

Stand: 7. Oktober 2026 · nach Digital Omnibus

Anhang III KI-Verordnung: alle Hochrisiko-Bereiche mit Beispielen

Anhang III listet acht Bereiche, in denen KI-Systeme als hochriskant gelten – von Biometrie über Personalauswahl bis Kredit-Scoring. Hier finden Sie jeden der 25 Anwendungsfälle mit typischem Beispiel und Gegenbeispiel, ein Prüfschema für die Ausnahme nach Art. 6 Abs. 3 und eine Dokumentationsvorlage zum Kopieren.

Noch 391 Tage, bis die Pflichten für Anhang III gelten (2.12.2027)

  • Alle 25 Unterpunkte mit Beispiel
  • Gegenbeispiel: wann kein Hochrisiko
  • Prüfschema Art. 6 Abs. 3
  • Pflichten und Fristen nach Omnibus
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Risiko-Einstufung

KI-Inventar · Personal

A
Bewerber-ScreeningBewertet und sortiert eingehende Bewerbungen
  • Anhang-III-BereichNr. 4 – Beschäftigung
  • Profiling natürlicher Personenja
  • Ausnahme Art. 6 Abs. 3nicht anwendbar

Ergebnis

HochrisikoAnhang III Nr. 4 a

Folgepflichten

Art. 26 BetreiberArt. 26 Abs. 7 Info BelegschaftDSFA Art. 35 DSGVOab 2.12.2027

Bewertung dokumentiert · 3. Okt. 2026

Kurz gesagt

Anhang III der KI-Verordnung nennt acht Bereiche mit 25 konkreten Anwendungsfällen: Biometrie, kritische Infrastruktur, Bildung, Beschäftigung, grundlegende Dienste, Strafverfolgung, Migration sowie Justiz und Wahlen. Ein System dort gilt als Hochrisiko-KI, außer es erfüllt nur eine Hilfsaufgabe nach Art. 6 Abs. 3 und betreibt kein Profiling. Die Pflichten gelten ab 2. Dezember 2027.

Einordnung

Zwei Wege zur Hochrisiko-KI

Art. 6 der KI-Verordnung kennt zwei voneinander unabhängige Wege. Anhang III ist der Weg über den Einsatzzweck – er betrifft die meisten Unternehmen, die KI im Personalwesen, im Finanzbereich oder im Kundenkontakt nutzen. Anhang I ist der Weg über regulierte Produkte.

Zwei Wege zur Hochrisiko-KI
MerkmalWeg 1: Anhang I (Art. 6 Abs. 1)Weg 2: Anhang III (Art. 6 Abs. 2)
AnknüpfungDas Produkt, in dem die KI stecktDer Zweck, für den die KI eingesetzt wird
Wann hochriskantKI ist Sicherheitsbauteil eines Produkts oder selbst ein Produkt nach den Harmonisierungsvorschriften in Anhang I – und das Produkt muss von Dritten geprüft werdenDie Zweckbestimmung fällt unter einen der 25 Anwendungsfälle in den acht Bereichen von Anhang III
Typische BeispieleKI in Medizinprodukten, Maschinen, Aufzügen, Spielzeug oder FunkanlagenBewerber-Screening, Kredit-Scoring, Online-Proctoring, Notruf-Priorisierung
Ausnahme möglichNein – Art. 6 Abs. 3 gilt nur für Anhang IIIJa, nach Art. 6 Abs. 3 – aber nie bei Profiling natürlicher Personen
KonformitätsbewertungIm Rahmen des Verfahrens nach dem jeweiligen ProduktrechtFür Nr. 2 bis 8 in der Regel interne Kontrolle durch den Anbieter; für Biometrie (Nr. 1) unter Umständen mit benannter Stelle
Pflichten gelten ab2. August 2028 (ursprünglich 2. August 2027)2. Dezember 2027 (ursprünglich 2. August 2026)

Vereinfachte Darstellung. Ein System kann auf beiden Wegen erfasst sein; dann gelten die Anforderungen nur einmal, aber aus beiden Blickwinkeln geprüft.

Die große Übersicht

Alle 8 Bereiche und 25 Anwendungs­fälle aus Anhang III

Für jeden Unterpunkt: was erfasst ist, ein typisches Beispiel aus der Praxis und eine Abgrenzung, wann ein ähnliches System voraussichtlich nicht hochriskant ist. Filtern Sie nach Bereich oder klappen Sie Bereiche auf und zu.

Alle 8 Bereiche und 25 Anwendungsfälle aus Anhang III

Biometrische Systeme sind nur erfasst, soweit ihr Einsatz nach Unionsrecht oder nationalem Recht überhaupt zulässig ist. Manche biometrischen Praktiken sind schon nach Art. 5 verboten – etwa Emotionserkennung am Arbeitsplatz und in Bildungseinrichtungen (außer aus medizinischen oder Sicherheitsgründen) oder eine Kategorisierung, die auf politische Meinung, Religion oder sexuelle Orientierung schließt.

1 aBiometrische Fernidentifizierung: Personen werden aus der Distanz und ohne ihr aktives Zutun mit einer Referenzdatenbank abgeglichen.Typisches BeispielKamerasystem, das Besucher eines Stadions oder Einkaufszentrums mit einer Liste gesperrter Personen abgleicht.Kein Hochrisiko, wenn …das System nur bestätigt, dass jemand die Person ist, die sie zu sein vorgibt – etwa Face-ID am Diensthandy oder der Gesichtsabgleich mit dem eigenen Ausweis am Zutrittsgate (reine Verifizierung).
1 bBiometrische Kategorisierung: Personen werden anhand biometrischer Daten nach abgeleiteten sensiblen oder geschützten Merkmalen eingeteilt.Typisches BeispielVideoanalyse im Handel, die Kundinnen und Kunden aus Gesichtsbildern nach geschätztem Alter und Geschlecht gruppiert.Kein Hochrisiko, wenn …die Einteilung an keine sensiblen oder geschützten Merkmale anknüpft oder nur eine technisch notwendige Nebenfunktion eines anderen Dienstes ist, etwa ein Foto-Filter, der Gesichtspartien erkennt.
1 cEmotionserkennung: Das System leitet aus Gesicht, Stimme oder Körpersprache Emotionen oder Absichten ab.Typisches BeispielAuswertung von Stimme und Tonfall in Kundengesprächen eines Callcenters, um die Stimmung der Anrufenden zu erkennen.Kein Hochrisiko, wenn …nur offensichtliche Ausdrücke wie ein Lächeln erfasst werden, ohne auf Gefühle zu schließen, oder es um körperliche Zustände wie Müdigkeit geht. Achtung: am Arbeitsplatz und in der Bildung ist Emotionserkennung grundsätzlich verboten.

Hier zählt allein die Rolle als Sicherheitsbauteil: eine Komponente, deren Ausfall oder Fehlfunktion die Infrastruktur physisch gefährden oder Gesundheit und Sicherheit von Menschen bedrohen kann. Komponenten, die ausschließlich der Cybersicherheit dienen, sehen die Erwägungsgründe nicht als Sicherheitsbauteile in diesem Sinn.

2Sicherheitsbauteile in Verwaltung und Betrieb kritischer digitaler Infrastruktur, des Straßenverkehrs sowie der Wasser-, Gas-, Wärme- und Stromversorgung.Typisches BeispielKI, die in einem Verteilnetz Lastflüsse regelt und bei drohender Überlast selbstständig Netzabschnitte abschaltet; KI-gesteuerte Ampelschaltung.Kein Hochrisiko, wenn …das System kein Sicherheitsbauteil ist, also ein Fehler weder Menschen noch die Versorgung gefährdet – etwa KI für Abrechnung, Kundenservice oder die Auswertung von Verbrauchsdaten für Berichte.

Erfasst sind Bildungseinrichtungen aller Ebenen, von der Schule über Hochschulen bis zur beruflichen Weiterbildung. Entscheidend ist, ob die KI über Zugang, Bewertung oder Einstufung von Lernenden mitentscheidet – denn das prägt Bildungs- und Berufswege.

3 aZugang, Zulassung oder Zuweisung zu Bildungseinrichtungen bestimmen.Typisches BeispielSoftware, die Studienbewerbungen vorsortiert und eine Rangliste für die Zulassung erstellt.Kein Hochrisiko, wenn …das System nur Unterlagen auf Vollständigkeit prüft oder Termine für Auswahlgespräche vergibt – eine eng gefasste Verfahrensaufgabe.
3 bLernergebnisse bewerten, auch wenn damit der Lernprozess gesteuert wird.Typisches BeispielAutomatische Korrektur von Klausuren; Lernplattform, die aus Testergebnissen festlegt, welche Module jemand als Nächstes bearbeiten muss.Kein Hochrisiko, wenn …die KI nur die Sprache eines Feedbacks glättet, das die Lehrkraft bereits verfasst hat, oder Übungsaufgaben ohne Bewertung bereitstellt.
3 cBewerten, welches Bildungsniveau eine Person erhalten soll oder erreichen kann.Typisches BeispielEinstufungstest, der automatisch über das Niveau in einem Sprachkurs oder den Zugang zu einem Förderprogramm entscheidet.Kein Hochrisiko, wenn …das Ergebnis eine unverbindliche Selbsteinschätzung bleibt, die keinen Einfluss auf Zugang oder Einstufung hat.
3 dVerbotenes Verhalten von Prüflingen während Prüfungen überwachen und erkennen.Typisches BeispielOnline-Proctoring, das per Webcam Blickbewegungen auswertet und mögliche Täuschungsversuche meldet.Kein Hochrisiko, wenn …das System nur die Prüfungsumgebung technisch absichert (etwa Browser-Sperre) und kein Verhalten der Prüflinge bewertet.

Der praktisch wichtigste Bereich für Unternehmen. Er reicht vom Recruiting bis zur Kündigung und schließt Plattformarbeit ein. Viele HR-Tools enthalten heute KI-Funktionen – entscheidend ist, ob sie Menschen bewerten, auswählen oder steuern, oder nur Verwaltungsarbeit erleichtern.

4 aEinstellung und Auswahl: gezielte Stellenanzeigen schalten, Bewerbungen analysieren und filtern, Bewerberinnen und Bewerber bewerten.Typisches BeispielBewerbermanagement-Software, die Lebensläufe nach Passung bewertet und eine Rangliste fürs Recruiting erstellt; Video-Interview-Analyse.Kein Hochrisiko, wenn …die KI nur Stellenbeschreibungen aus Vorgaben des Teams formuliert – laut Leitlinien-Entwurf eine eng gefasste Verfahrensaufgabe – oder Interviewtermine koordiniert.
4 bEntscheidungen über Arbeitsbedingungen, Beförderung und Kündigung, Aufgabenzuweisung nach Verhalten oder persönlichen Merkmalen, Überwachung und Bewertung von Leistung und Verhalten.Typisches BeispielSystem, das Lager- oder Lieferkräften Aufträge nach individueller Leistung zuteilt und Kennzahlen für Mitarbeitergespräche auswertet.Kein Hochrisiko, wenn …Schichten allein nach Verfügbarkeit und formaler Qualifikation geplant werden, ohne Verhalten oder Persönlichkeit zu bewerten, oder die KI nur Arbeitsverträge übersetzt.

Hier geht es um Leistungen, auf die Menschen für ein selbstbestimmtes Leben angewiesen sind: Sozialleistungen, Kredit, Lebens- und Krankenversicherung und Hilfe im Notfall. Für Banken, Versicherer und Fintechs ist dieser Bereich zentral.

5 aBehörden prüfen den Anspruch auf öffentliche Unterstützungsleistungen und Dienste, einschließlich Gesundheitsdiensten, und gewähren, kürzen, widerrufen oder fordern sie zurück.Typisches BeispielSystem einer Sozialbehörde, das Leistungsanträge bewertet und Kürzungen oder Rückforderungen vorschlägt.Kein Hochrisiko, wenn …die KI nur eingehende Post der zuständigen Stelle zuordnet oder Anträge auf fehlende Angaben prüft.
5 bKreditwürdigkeit natürlicher Personen bewerten oder ihre Kreditpunkte ermitteln – ausgenommen Systeme zur Aufdeckung von Finanzbetrug.Typisches BeispielScoring-Modell einer Bank oder eines Ratenkauf-Anbieters, das über Kreditlimits für Privatkunden entscheidet.Kein Hochrisiko, wenn …das System nur Betrugsmuster in Transaktionen erkennt (ausdrücklich ausgenommen) oder die Bonität von Unternehmen statt natürlicher Personen bewertet.
5 cRisikobewertung und Preisbildung für natürliche Personen bei Lebens- und Krankenversicherungen.Typisches BeispielTarifmodell, das Prämien einer privaten Krankenversicherung individuell aus Gesundheits- und Lebensstildaten berechnet.Kein Hochrisiko, wenn …es um Kfz-, Hausrat- oder andere Sachversicherungen geht oder die KI nur eingehende Schadenmeldungen sortiert.
5 dNotrufe bewerten und einordnen, Einsatzkräfte wie Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst disponieren oder priorisieren, Patiententriage in der Notfallversorgung.Typisches BeispielLeitstellen-Software, die Notrufe nach Dringlichkeit einstuft und die Reihenfolge der Rettungswagen vorschlägt; Ersteinschätzung in der Notaufnahme.Kein Hochrisiko, wenn …das System Anrufe nur transkribiert oder Einsatzorte auf der Karte anzeigt, ohne die Priorisierung zu beeinflussen.

Erfasst sind Systeme, die von oder im Auftrag von Strafverfolgungsbehörden eingesetzt werden – und nur, soweit das nach Unions- oder nationalem Recht zulässig ist. Für Unternehmen ist der Bereich vor allem als Anbieter solcher Lösungen relevant. Einige Praktiken, etwa Kriminalitätsprognosen allein aufgrund von Profiling, sind nach Art. 5 verboten.

6 aDas Risiko einschätzen, dass eine Person Opfer einer Straftat wird.Typisches BeispielAnalysewerkzeug, das abschätzt, welche Personen besonders gefährdet sind, Opfer häuslicher Gewalt zu werden.Kein Hochrisiko, wenn …nur anonyme Lagebilder ohne Bezug zu einzelnen Personen erstellt werden.
6 bLügendetektoren und ähnliche Instrumente.Typisches BeispielSoftware, die aus Stimme oder Mimik in Vernehmungen auf die Glaubwürdigkeit von Aussagen schließen soll.Kein Hochrisiko, wenn …kaum Spielraum: Solche Werkzeuge zielen direkt auf die Bewertung von Menschen.
6 cDie Verlässlichkeit von Beweismitteln bewerten.Typisches BeispielKI, die in einem Ermittlungsverfahren die Echtheit von Fotos, Videos oder Dokumenten bewertet.Kein Hochrisiko, wenn …die KI Beweisdateien nur indexiert, durchsuchbar macht oder Dubletten entfernt.
6 dDas Risiko einer Straftat oder eines Rückfalls einschätzen, nicht allein auf Profiling gestützt, oder Persönlichkeitsmerkmale und früheres kriminelles Verhalten bewerten.Typisches BeispielRückfallprognose, die Bewährungshelferinnen eine Risikostufe auf Basis objektiver Fakten vorschlägt.Kein Hochrisiko, wenn …nichts davon zutrifft. Achtung: Prognosen allein auf Basis von Profiling oder Persönlichkeitsmerkmalen sind nach Art. 5 Abs. 1 Buchst. d verboten.
6 eProfiling natürlicher Personen bei der Aufdeckung, Ermittlung oder Verfolgung von Straftaten.Typisches BeispielAuswertung von Kommunikations- und Bewegungsdaten, um mögliche Tatverdächtige herauszufiltern.Kein Hochrisiko, wenn …keine Ausnahme: Profiling ist nach Art. 6 Abs. 3 immer hochriskant.

Erfasst sind Systeme, die von oder im Auftrag zuständiger Behörden sowie von Organen der Union eingesetzt werden, soweit das rechtlich zulässig ist. Betroffen sind Menschen in einer besonders verletzlichen Lage – deshalb ist die Liste hier vergleichsweise weit.

7 aLügendetektoren und ähnliche Instrumente.Typisches BeispielBefragungs-Tool an der Grenze, das Antworten automatisiert auf Glaubwürdigkeit auswertet.Kein Hochrisiko, wenn …kaum Spielraum: Solche Werkzeuge zielen direkt auf die Bewertung von Menschen.
7 bRisiken bewerten, die von einer Person ausgehen sollen, die einreisen will oder eingereist ist – etwa für Sicherheit, irreguläre Migration oder Gesundheit.Typisches BeispielSystem, das Reisende vor der Einreise automatisch einer Risikostufe zuordnet.Kein Hochrisiko, wenn …nur aggregierte Reisedaten für die Personalplanung an Grenzübergängen ausgewertet werden.
7 cBehörden bei der Prüfung von Asyl-, Visa- und Aufenthaltsanträgen und zugehörigen Beschwerden unterstützen, auch bei der Bewertung von Beweismitteln.Typisches BeispielKI, die Visumanträge vorab bewertet und auf mögliche Ablehnungsgründe hinweist.Kein Hochrisiko, wenn …die KI nur Dokumente übersetzt oder Anträge den zuständigen Stellen zuordnet – vorbereitende Aufgaben, die dokumentiert werden müssen.
7 dPersonen im Zusammenhang mit Migration, Asyl und Grenzkontrolle aufspüren, erkennen oder identifizieren – außer bei der Prüfung von Reisedokumenten.Typisches BeispielKamera- oder Drohnenanalyse, die Personen im Grenzgebiet erkennt und identifiziert.Kein Hochrisiko, wenn …nur die Echtheit eines Reisedokuments geprüft wird – das ist ausdrücklich ausgenommen.

Rechtsprechung und Wahlen sind Kern des Rechtsstaats. Erfasst ist KI, die Gerichte inhaltlich unterstützt oder Wahlen beeinflussen soll – nicht aber rein organisatorische Hilfe, etwa beim Anonymisieren von Urteilen oder bei der Logistik eines Wahlkampfs.

8 aJustizbehörden dabei unterstützen, Sachverhalte und Rechtsvorschriften zu ermitteln, auszulegen und auf einen konkreten Fall anzuwenden; ebenso bei der alternativen Streitbeilegung.Typisches BeispielSystem, das einem Gericht oder einer Schlichtungsstelle auf Basis der Akte Entscheidungsvorschläge macht.Kein Hochrisiko, wenn …die KI rein administrative Hilfsarbeit erledigt, etwa Urteile anonymisiert, Termine plant oder interne Kommunikation unterstützt.
8 bDas Ergebnis von Wahlen oder Abstimmungen oder das Wahlverhalten von Menschen beeinflussen.Typisches BeispielSystem, das Wählergruppen mit personalisierten politischen Botschaften anspricht, um ihr Stimmverhalten zu verändern.Kein Hochrisiko, wenn …Kampagnen nur organisatorisch oder logistisch unterstützt werden und niemand den Ausgaben direkt ausgesetzt ist – etwa die Routenplanung für Infostände.

Sinngemäße Zusammenfassung von Anhang III, kein Wortlaut. Die rechte Spalte zeigt typische Abgrenzungen und ersetzt keine Prüfung im Einzelfall – maßgeblich ist die Zweckbestimmung, die der Anbieter festlegt, und die Ausnahme nach Art. 6 Abs. 3 muss dokumentiert werden.

Art. 6 Abs. 3

Die Ausnahme: wann ein Anhang-III-System nicht hochriskant ist

Nicht jedes System, das einen Anhang-III-Bereich berührt, ist automatisch Hochrisiko-KI. Art. 6 Abs. 3 nimmt Systeme aus, die kein erhebliches Risiko für Gesundheit, Sicherheit oder Grundrechte darstellen – insbesondere weil sie das Ergebnis einer Entscheidung nicht wesentlich beeinflussen.

Die Ausnahme greift, wenn mindestens eine von vier Bedingungen erfüllt ist. Sie beschreiben Systeme, die eine Entscheidung über Menschen nur am Rand berühren: Sie erledigen Hilfsarbeit, verfeinern ein fertiges menschliches Ergebnis oder bereiten etwas vor, das ein Mensch dann selbst bewertet.

Die Bewertung trifft der Anbieter, also wer das System entwickelt und unter eigenem Namen in Verkehr bringt. Er muss sie vor dem Inverkehrbringen dokumentieren (Art. 6 Abs. 4) und das System trotzdem in der EU-Datenbank registrieren. Betreiber können sich auf diese Einstufung stützen, sollten sie aber plausibilisieren – und wer ein System für einen anderen als den vorgesehenen Zweck einsetzt, kann nach Art. 25 selbst zum Anbieter werden.

Wichtig ist der Blick auf die Praxis: Eine Funktion, die auf dem Papier nur „vorschlägt“, im Alltag aber fast immer übernommen wird, beeinflusst die Entscheidung sehr wohl. Die Ausnahme ist deshalb eng auszulegen und sollte mit konkreten Prüfschritten belegt werden.

  1. Buchst. a

    Eng gefasste Verfahrensaufgabe

    Das System erledigt einen klar umrissenen, technischen Arbeitsschritt – etwa unstrukturierte Daten in eine Struktur bringen, Dokumente nach Typ sortieren oder Dubletten finden.

    Beispiel: Laut Leitlinien-Entwurf: KI, die Stellenbeschreibungen aus menschlich vorgegebenen Eingaben erzeugt.

  2. Buchst. b

    Verbesserung einer abgeschlossenen menschlichen Tätigkeit

    Die KI setzt auf einem Ergebnis auf, das ein Mensch bereits fertig erarbeitet hat, und verbessert es, ohne den Inhalt der Bewertung zu verändern.

    Beispiel: Sprachliche Überarbeitung eines bereits verfassten Gutachtens oder Arbeitszeugnisses.

  3. Buchst. c

    Muster oder Abweichungen erkennen

    Das System erkennt Entscheidungsmuster oder Abweichungen davon, soll eine zuvor abgeschlossene menschliche Bewertung aber nicht ohne angemessene menschliche Überprüfung ersetzen oder beeinflussen.

    Beispiel: Nachträglicher Hinweis, dass die Notenvergabe einer Lehrkraft von ihrem bisherigen Muster abweicht – die Lehrkraft prüft selbst.

  4. Buchst. d

    Vorbereitende Aufgabe

    Die KI bereitet eine Bewertung vor, die für einen Anhang-III-Fall relevant ist, trifft sie aber nicht selbst – etwa Indexierung, Suche, Übersetzung oder Dateiverarbeitung.

    Beispiel: Übersetzung fremdsprachiger Bewerbungsunterlagen, bevor eine Recruiterin sie selbst liest und bewertet.

Rückausnahme: Profiling ist immer hochriskant

Nimmt ein Anhang-III-System Profiling natürlicher Personen vor – bewertet oder prognostiziert es also automatisiert persönliche Aspekte wie Arbeitsleistung, wirtschaftliche Lage, Gesundheit, Interessen, Zuverlässigkeit oder Verhalten (Art. 4 Nr. 4 DSGVO) –, gilt es immer als hochriskant. Dann hilft keine der vier Bedingungen.

Interaktiv

Prüfschema: Greift die Ausnahme nach Art. 6 Abs. 3?

Beantworten Sie bis zu vier Fragen zu einem konkreten System. Am Ende sehen Sie eine erste Einschätzung, was zu dokumentieren ist und was für die Registrierung gilt.

Frage 1
Fällt der Zweck des Systems unter einen Anwendungsfall aus Anhang III?

Nutzen Sie die Tabelle oben. Maßgeblich ist die Zweckbestimmung des Anbieters, nicht die eingesetzte Technik.

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Einschätzung

Art. 6 Abs. 3 KI-VO

A

Fällt der Zweck des Systems unter einen Anwendungsfall aus Anhang III?

Erste Orientierung, keine Rechtsberatung. Die Einstufung verantwortet der Anbieter und muss sie dokumentieren.

Vorlage

Dokumentations­vorlage für die Ausnahme nach Art. 6 Abs. 3

Wer ein Anhang-III-System als nicht hochriskant einstuft, muss die Bewertung vor dem Inverkehrbringen dokumentieren und auf Verlangen vorlegen. Dieses Textgerüst deckt die Punkte ab, nach denen eine Behörde fragen dürfte. Kopieren, in Ihr Dokument einfügen, ausfüllen.

Gerüst, kein Muster mit Rechtswirkung. Die Begründung muss den konkreten Einsatz beschreiben – Formeln wie „nur unterstützend“ reichen nicht.

Bewertung-Art-6-Abs-3.txt
Dokumentation der Bewertung nach Art. 6 Abs. 3 und 4 KI-VO
(Vorlage von SimpleAct – an Ihren Fall anpassen, keine Rechtsberatung)

1. Angaben zum KI-System
- Bezeichnung und Version:
- Anbieter (Name, Anschrift):
- Zweckbestimmung (wortgleich mit der Betriebsanleitung):
- Datum der Bewertung, verantwortliche Person:

2. Berührter Anwendungsfall nach Anhang III
- Nummer und Buchstabe (z. B. Nr. 4 Buchst. a):
- Warum der Anwendungsfall grundsätzlich berührt ist:

3. Profiling
- Bewertet oder prognostiziert das System persönliche Aspekte natürlicher Personen (Profiling im Sinne von Art. 4 Nr. 4 DSGVO)? ja / nein
- Begründung (bei „ja“ ist die Ausnahme ausgeschlossen):

4. Herangezogene Bedingung nach Art. 6 Abs. 3
[ ] a) eng gefasste Verfahrensaufgabe
[ ] b) Verbesserung des Ergebnisses einer zuvor abgeschlossenen menschlichen Tätigkeit
[ ] c) Erkennen von Entscheidungsmustern oder Abweichungen, ohne die menschliche Bewertung ohne angemessene Überprüfung zu ersetzen oder zu beeinflussen
[ ] d) vorbereitende Aufgabe für eine Bewertung
- Wie das System die Bedingung konkret erfüllt:

5. Kein erhebliches Risiko für Gesundheit, Sicherheit oder Grundrechte
- Einfluss des Outputs auf das Ergebnis der Entscheidung:
- Betroffene Personengruppen und berührte Grundrechte:
- Rolle des Menschen, Prüfschritte vor der Entscheidung:
- Folgen eines Systemfehlers für Betroffene:

6. Grenzen und Auslöser für eine Neubewertung
- Funktionen, die bewusst nicht enthalten sind:
- Änderungen, die eine neue Bewertung auslösen (neue Funktion, neuer Zweck, neue Datenquellen, neue Nutzergruppe):

7. Registrierung und Vorlage
- Registriert in der EU-Datenbank nach Art. 49 Abs. 2 am / Kennung:
- Ablage dieser Dokumentation, auf Verlangen der zuständigen Behörde vorzulegen (Art. 6 Abs. 4):

Freigabe: Name, Funktion, Datum

So wird die Dokumentation belastbar

  1. 01Zweckbestimmung wortgleich aus der Betriebsanleitung übernehmen – die Einstufung hängt daran.
  2. 02Den echten Ablauf beschreiben: Wer sieht den Output, was passiert danach, wer entscheidet?
  3. 03Nur eine Bedingung wählen, die wirklich passt, und sie mit einem Beispiel aus dem Betrieb belegen.
  4. 04Profiling ausdrücklich prüfen und begründen, warum keines vorliegt.
  5. 05Auslöser für eine Neubewertung festlegen und die Dokumentation versionieren.
  6. 06Registrierung in der EU-Datenbank mit Datum und Kennung nachtragen.

Pflichten

Pflichten bei Hochrisiko-KI: Anbieter und Betreiber

Ist ein System nach Anhang III hochriskant, verteilt die KI-Verordnung die Pflichten nach Rolle. Den Großteil trägt der Anbieter. Wer ein eingekauftes System nur einsetzt, ist Betreiber – mit eigenem, kleinerem, aber verbindlichem Pflichtenkatalog.

Tabelle seitlich scrollen →

Pflichten bei Hochrisiko-KI: Anbieter und Betreiber
PflichtAnbieterBetreiberArtikel
RisikomanagementSystem einrichten, dokumentieren und über den gesamten Lebenszyklus fortführen–Art. 9
Daten und Daten-GovernanceTrainings-, Validierungs- und Testdaten nach QualitätskriterienEingabedaten, soweit unter eigener Kontrolle, müssen zum Zweck passen und repräsentativ seinArt. 10, 26 Abs. 4
Technische DokumentationNach Anhang IV vor dem Inverkehrbringen erstellen und aktuell halten–Art. 11
ProtokollierungAutomatische Aufzeichnung technisch ermöglichenLogs, soweit unter eigener Kontrolle, mindestens sechs Monate aufbewahrenArt. 12, 26 Abs. 6
Transparenz und BetriebsanleitungBetriebsanleitung mit Zweck, Leistungsgrenzen und AufsichtsmaßnahmenSystem entsprechend der Betriebsanleitung verwendenArt. 13, 26 Abs. 1
Menschliche AufsichtSystem so gestalten, dass Menschen es wirksam beaufsichtigen könnenKompetente Personen mit Befugnis und Unterstützung benennenArt. 14, 26 Abs. 2
Genauigkeit, Robustheit, CybersicherheitAngemessenes Niveau erreichen und angeben–Art. 15
QualitätsmanagementDokumentiertes Qualitätsmanagementsystem–Art. 17
Konformitätsbewertung und CEVor dem Inverkehrbringen; für Nr. 2–8 interne Kontrolle (Anhang VI), für Nr. 1 (Biometrie) ggf. mit benannter Stelle (Anhang VII); dann Konformitätserklärung und CE-Kennzeichnung–Art. 43, 47, 48
RegistrierungSystem in der EU-Datenbank registrieren – auch bei Ausnahme nach Art. 6 Abs. 3Behörden und Einrichtungen der Union registrieren ihre NutzungArt. 49
Grundrechte-Folgenabschätzung–Öffentliche Stellen, Private mit öffentlichen Diensten sowie Betreiber von Systemen nach Nr. 5 b und c – vor der ersten NutzungArt. 27
Information von Beschäftigten und Betroffenen–Belegschaft und Arbeitnehmervertretung vor dem Einsatz am Arbeitsplatz informieren; Betroffene informieren, wenn das System über sie entscheidet oder dabei hilftArt. 26 Abs. 7 und 11
Beobachtung im BetriebSystem zur Beobachtung nach dem Inverkehrbringen mit PlanBetrieb überwachen, bei Risiken Anbieter informieren und Nutzung aussetzenArt. 72, 26 Abs. 5
Schwerwiegende VorfälleDer Marktüberwachungsbehörde meldenUnverzüglich den Anbieter und die Behörde informierenArt. 73, 26 Abs. 5

Vereinfachte Darstellung. Wer ein Hochrisiko-System unter eigenem Namen vertreibt, es wesentlich verändert oder seinen Zweck so ändert, dass es hochriskant wird, gilt nach Art. 25 selbst als Anbieter.

In der Praxis sind die meisten Unternehmen Betreiber: Sie kaufen ein HR-Tool, eine Scoring-Lösung oder eine Leitstellen-Software ein und setzen sie in eigener Verantwortung ein. Ihre Pflichten sind überschaubar, aber organisatorisch anspruchsvoll – vor allem die menschliche Aufsicht durch geschulte Personen, die Information der Belegschaft und das Aufbewahren der Logs.

Anbieter tragen die Last der Produktentwicklung: Risikomanagement, Datenqualität, technische Dokumentation, Qualitätsmanagement und die Konformitätsbewertung. Für Software-Häuser, die KI-Funktionen in HR-, Finanz- oder Bildungsprodukte einbauen, ist die Einstufung nach Anhang III deshalb eine Produktentscheidung, die früh fallen sollte.

15 Mio. €
oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes – Höchstrahmen bei Verstößen gegen Hochrisiko-Pflichten (Art. 99 Abs. 4)
KMU
Für KMU einschließlich Start-ups gilt jeweils der niedrigere der beiden Beträge (Art. 99 Abs. 6), seit dem Digital Omnibus auch für kleine Midcap-Unternehmen (Art. 99 Abs. 6a)
6 Monate
Mindestaufbewahrung der Logs beim Betreiber, soweit unter seiner Kontrolle

Fristen

Ab wann gelten die Pflichten? Fristen nach dem Omnibus

Der Digital Omnibus, Verordnung (EU) 2026/1744, in Kraft seit 27. Juli 2026, hat die Geltung der Hochrisiko-Pflichten verschoben. Für Anhang III bleibt mehr Zeit, aber kein Grund zum Warten: Einstufung, Dokumentation und Vertragsfragen brauchen Vorlauf.

  1. 2. Dezember 2027

    Anhang III

    Pflichten für Hochrisiko-KI nach Anhang III gelten.

    ursprünglich 2. August 2026

  2. 2. August 2028

    Anhang I

    Pflichten für KI in regulierten Produkten nach Anhang I gelten.

    ursprünglich 2. August 2027

  3. Bestandssysteme

    Vor dem Stichtag in Verkehr

    Pflichten greifen grundsätzlich erst, wenn das System danach erheblich verändert wird.

  4. 2. August 2030

    Systeme für Behörden

    Hochrisiko-KI, die zur Nutzung durch Behörden bestimmt ist, muss bis dahin konform sein.

Die Systematik ist unverändert: Art. 6 mit Anhang III legt fest, was hochriskant ist; Art. 6 Abs. 3 erlaubt die Ausnahme. Auch die Registrierung bei einer Ausnahme bleibt Pflicht – der Omnibus sieht dafür ein vereinfachtes Verfahren vor.

Die Regel zu Bestandssystemen klingt großzügig, hat aber eine Falle: Was als erhebliche Änderung gilt, ist bei laufend weiterentwickelter Software schnell erreicht. Wer heute ein System mit Anhang-III-Bezug einführt, sollte die Anforderungen deshalb schon in Ausschreibung und Vertrag berücksichtigen.

Leitlinien

Leitlinien der Kommission zur Einstufung (Entwurf)

Art. 6 Abs. 5 verpflichtet die Kommission, Leitlinien mit praktischen Beispielen für die Einstufung von Hochrisiko-KI bereitzustellen – eigentlich bis zum 2. Februar 2026. Stand 7. Oktober 2026 liegt nur ein Entwurf vom 19. Mai 2026 vor; eine finale Fassung hat die Kommission nicht veröffentlicht. Der Entwurf ist nicht verbindlich, zeigt aber, wie die Kommission Art. 6 lesen will.

  1. 19.05.2026

    Entwurf der Leitlinien veröffentlicht

  2. 23.07.2026

    Ende der gezielten Konsultation (verlängert vom 23.06.)

  3. Ende 2026

    Annahme der finalen Fassung laut Kommission geplant

  4. 02.12.2027

    Pflichten für Anhang III gelten

Der Entwurf geht die Bereiche von Anhang III durch und ordnet Beispiele zu. Ein Beispiel ist für Personalabteilungen besonders relevant: KI, die Stellenbeschreibungen auf Basis menschlich vorgegebener Eingaben erzeugt, wird als eng gefasste Verfahrensaufgabe nach Art. 6 Abs. 3 eingeordnet – also nicht als hochriskant, obwohl sie im Bereich Recruiting arbeitet.

Daraus folgt kein Freibrief für HR-Tools insgesamt. Sobald dasselbe Tool Bewerbungen bewertet, sortiert oder filtert, landet es wieder bei Anhang III Nr. 4 a. Die Leitlinien helfen bei der Abgrenzung, ersetzen aber nicht die Prüfung der konkreten Funktionen.

Bis zur finalen Fassung empfehlen wir, Einstufungen auf den Verordnungstext zu stützen, den Entwurf als Auslegungshilfe zu zitieren und die Bewertung nach Veröffentlichung der Endfassung zu überprüfen.

Kernaussagen des Entwurfs (Randnummern)

  • Die Leitlinien sind nicht verbindlich. Verbindlich auslegen kann die KI-Verordnung letztlich nur der EuGH. (Rn. 6)
  • Eine weit gefasste Zweckbestimmung ohne konsequenten Ausschluss von Hochrisiko-Einsätzen macht das System hochriskant. Ein bloßer Ausschluss in den Nutzungsbedingungen genügt nicht, wenn Marketing oder Beispiele solche Einsätze nahelegen. (Rn. 12)
  • Menschliche Beteiligung ändert nichts an der Einstufung nach Art. 6 Abs. 2. Wer nur einen Menschen „in die Schleife“ setzt, macht ein Anhang-III-System nicht zu einem System mit geringem Risiko. (Rn. 70–71)
  • Die Ausnahmen nach Art. 6 Abs. 3 sind abschließend und eng auszulegen; über sie entscheidet der Anbieter in einer Selbstbewertung. Führt das System ein Profiling durch, bleibt es immer hochriskant. (Rn. 88–89, 113)
  • Mehrere KI-Bausteine, die gemeinsam eine Einzelentscheidung wesentlich beeinflussen, werden als ein System bewertet – auch agentische Systeme. Das Aufteilen in Module umgeht die Einstufung nicht. (Rn. 75, 90)

Was Sie jetzt schon tun können

  • KI-Systeme mit Bezug zu einem Anhang-III-Bereich im KI-Register markieren
  • Für Grenzfälle eine dokumentierte Bewertung nach Art. 6 Abs. 3 anlegen
  • Wiedervorlage für die finale Fassung der Leitlinien setzen
  • Anbieter nach ihrer eigenen Einstufung und Registrierung fragen
Entwurf der Leitlinien (Kommission)

DSGVO

Hochrisiko-KI und Datenschutz: DSFA, Profiling, Einzelentscheidungen

Die meisten Anhang-III-Systeme verarbeiten personenbezogene Daten. Die KI-Verordnung ersetzt die DSGVO nicht, sondern tritt daneben. Gut verzahnt sparen Sie doppelte Arbeit.

Datenschutz-Folgen­abschätzung (Art. 35 DSGVO)

Systeme aus Anhang III bewerten oft Menschen systematisch und in großem Umfang – ein typischer Auslöser für eine DSFA. Betreiber sollen dafür die Informationen aus der Betriebsanleitung des Anbieters nutzen (Art. 26 Abs. 9 KI-VO).

Leitfaden zur DSFA

Grundrechte-Folgen­abschätzung (Art. 27 KI-VO)

Wo eine Grundrechte-Folgenabschätzung nötig ist, ergänzt sie eine bereits durchgeführte DSFA. Beide lassen sich in einem Dokument führen, wenn die zusätzlichen Grundrechte-Aspekte sauber abgedeckt sind.

Profiling: ein Begriff, zwei Gesetze

Art. 6 Abs. 3 verweist für Profiling direkt auf die Definition der DSGVO. Wer Profiling im Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten bereits erfasst hat, hat einen wichtigen Hinweis für die Einstufung.

Automatisierte Einzelentscheidungen (Art. 22 DSGVO)

Entscheidet ein System ohne menschliches Zutun mit rechtlicher oder ähnlich erheblicher Wirkung – etwa über einen Kredit –, gelten zusätzlich die Grenzen von Art. 22 DSGVO. Menschliche Aufsicht nach der KI-Verordnung hilft, ersetzt die Prüfung aber nicht.

FAQ

Häufige Fragen zu Anhang III

Nein, Stand 7. Oktober 2026 nicht. Die Kommission hat am 19. Mai 2026 einen Entwurf nach Art. 6 Abs. 5 KI-Verordnung veröffentlicht. Die gezielte Konsultation dazu lief bis 23. Juli 2026, die finale Fassung will die Kommission bis Ende 2026 annehmen. Bis dahin taugt der Entwurf als Auslegungshilfe, ist aber nicht verbindlich.
Anhang III der KI-Verordnung (VO (EU) 2024/1689) listet die Einsatzbereiche, in denen KI-Systeme als hochriskant gelten: Biometrie, kritische Infrastruktur, Bildung, Beschäftigung, grundlegende private und öffentliche Dienste, Strafverfolgung, Migration und Grenzkontrolle sowie Rechtspflege und demokratische Prozesse. Über Art. 6 Abs. 2 werden Systeme in diesen Bereichen zu Hochrisiko-KI, sofern keine Ausnahme nach Art. 6 Abs. 3 greift.
Anhang III enthält acht Bereiche. Darunter stehen nach unserer Zählung 25 einzelne Anwendungsfälle – von der biometrischen Fernidentifizierung (Nr. 1 a) bis zur Beeinflussung von Wahlen (Nr. 8 b). Die Kommission kann die Liste nach Art. 7 per delegiertem Rechtsakt ändern und erweitern.
Nein. Hochriskant sind nach Anhang III Nr. 4 Systeme, die Bewerbungen analysieren, filtern oder bewerten, gezielt Stellenanzeigen ausspielen oder über Beförderung, Kündigung, Aufgabenzuweisung und Leistungsbewertung mitentscheiden. Eine KI, die nur Stellenbeschreibungen aus Vorgaben formuliert oder Termine koordiniert, fällt laut Leitlinien-Entwurf unter die Ausnahme nach Art. 6 Abs. 3 – muss aber dokumentiert und registriert werden.
Seit dem Digital Omnibus (VO (EU) 2026/1744, in Kraft seit 27. Juli 2026) gelten die Pflichten für Hochrisiko-KI nach Anhang III ab 2. Dezember 2027, statt wie ursprünglich ab 2. August 2026. Für KI in Produkten nach Anhang I gilt der 2. August 2028.
Ein Anhang-III-System ist nicht hochriskant, wenn es kein erhebliches Risiko für Gesundheit, Sicherheit oder Grundrechte darstellt, weil es eine eng gefasste Verfahrensaufgabe erfüllt, ein abgeschlossenes menschliches Ergebnis verbessert, Muster oder Abweichungen erkennt, ohne die menschliche Bewertung ohne Überprüfung zu ersetzen, oder eine vorbereitende Aufgabe übernimmt. Betreibt das System Profiling natürlicher Personen, ist es immer hochriskant.
Ja. Der Anbieter muss die Bewertung vor dem Inverkehrbringen dokumentieren (Art. 6 Abs. 4) und das System nach Art. 49 Abs. 2 in der EU-Datenbank registrieren. Der Digital Omnibus hat daran festgehalten und ein vereinfachtes Verfahren vorgesehen. Die Dokumentation ist der Behörde auf Verlangen vorzulegen.
Die Einstufung und die Bewertung nach Art. 6 Abs. 3 verantwortet der Anbieter. Betreiber sollten die Einstufung trotzdem nachvollziehen, denn ihre Pflichten nach Art. 26 hängen davon ab. Wer ein System für einen Zweck einsetzt, für den es nicht vorgesehen ist, und es dadurch hochriskant macht, kann nach Art. 25 selbst zum Anbieter werden.
Anhang I knüpft an Produkte an: KI ist hochriskant, wenn sie Sicherheitsbauteil eines Produkts nach EU-Harmonisierungsrecht ist (etwa Medizinprodukte oder Maschinen) und eine Drittprüfung nötig ist. Anhang III knüpft an den Einsatzzweck an. Die Ausnahme nach Art. 6 Abs. 3 gibt es nur für Anhang III. Die Pflichten gelten für Anhang III ab 2. Dezember 2027, für Anhang I ab 2. August 2028.
Nicht als solches. Für KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck gelten eigene Regeln. Entscheidend für Anhang III ist der konkrete Einsatz: Nutzt ein Unternehmen ein Sprachmodell, um Bewerbungen zu bewerten oder Kreditanträge einzustufen, kann daraus ein Hochrisiko-System entstehen – und das Unternehmen kann je nach Gestaltung zum Anbieter werden.
Anhang III Nr. 5 b erfasst die Kreditwürdigkeitsprüfung natürlicher Personen. Die Bonitätsbewertung von Unternehmen fällt nicht unter diesen Unterpunkt. Bei Einzelunternehmern und Selbstständigen ist Vorsicht geboten, weil dort die Bewertung oft an die Person anknüpft. Systeme zur Aufdeckung von Finanzbetrug sind ausdrücklich ausgenommen.
Hochrisiko-KI, die vor dem Stichtag in Verkehr gebracht oder in Betrieb genommen wurde, muss die Anforderungen grundsätzlich erst erfüllen, wenn sie danach erheblich verändert wird. Systeme, die zur Nutzung durch Behörden bestimmt sind, müssen spätestens bis 2. August 2030 konform sein.
Verstöße gegen die Pflichten für Hochrisiko-KI können nach Art. 99 Abs. 4 mit bis zu 15 Millionen Euro oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden, je nachdem, welcher Betrag höher ist. Für KMU einschließlich Start-ups gilt der niedrigere der beiden Beträge (Art. 99 Abs. 6). Seit dem Digital Omnibus gilt das auch für kleine Midcap-Unternehmen (Art. 3 Nr. 14b, Art. 99 Abs. 6a).
Häufig ja. Systeme aus Anhang III bewerten oft Menschen systematisch und verarbeiten personenbezogene Daten in großem Umfang – das sind typische Auslöser einer Datenschutz-Folgenabschätzung nach Art. 35 DSGVO. Betreiber sollen dafür die Angaben aus der Betriebsanleitung nutzen (Art. 26 Abs. 9 KI-VO).

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Quellen und Stand

Stand: · Redaktion SimpleAct

Diese Seite fasst Anhang III sinngemäß zusammen und gibt eine erste Orientierung. Sie ist keine Rechtsberatung und ersetzt keine Prüfung im Einzelfall. Die Leitlinien der Kommission lagen zum Stand (7. Oktober 2026) nur als Entwurf vom 19. Mai 2026 vor.

Änderungen

  • 2026-10-07 – Leitlinien-Abschnitt: Stand an der Kommissionsseite geprüft (weiter nur Entwurf), Kernaussagen mit Randnummern und FAQ ergänzt.
  • 2026-10-03 – Komplett überarbeitet: alle 25 Anwendungsfälle mit Beispiel und Gegenbeispiel, Prüfschema und Vorlage zu Art. 6 Abs. 3, Pflichten-Tabelle, Leitlinien-Entwurf.
  • 2026-07-30 – Fristen nach Digital Omnibus aktualisiert.
  • 2026-03-01 – Erstveröffentlichung.

Einstufung nach Anhang III dokumentieren statt raten

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