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EU AI Act · Art. 5, 6, 50 und Kapitel V

Stand: 7. Oktober 2026 · nach Digital Omnibus

Risikoklassen der KI-Verordnung: die Übersicht

Die KI-Verordnung ordnet KI-Systeme nach ihrem Risiko: verboten, hochriskant, mit Transparenzpflichten oder minimal. Für KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck gilt eine eigene Spur. Hier finden Sie alle Klassen in einer Tabelle – mit Beispielen, Pflichten, Fristen und einem Entscheidungsbaum für Ihr System.

  • 4 Risikoklassen + GPAI in einer Tabelle
  • Fristen nach dem Digital Omnibus
  • Entscheidungsbaum in höchstens 5 Fragen
  • 12 typische KI-Systeme eingeordnet
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Risiko-Einstufung

KI-Inventar · 5 Anwendungsfälle

A

Verteilung

  • Verboten
  • Hochrisiko
  • Art. 50
  • Minimal
  • GPAI
  • Bewerber-RankingPersonal · VorauswahlHochrisikoArt. 50
  • Service-ChatbotWebsite · KundenserviceArt. 50
  • StimmungsanalyseCallcenter · BeschäftigteVerboten
  • WartungsprognoseProduktion · MaschinenMinimal
  • Eigenes SprachmodellAPI für PartnerGPAI

5 von 5 eingestuft · Begründung dokumentiert

Kurzantwort

Der EU AI Act kennt vier Risikoklassen für KI-Systeme: verbotene Praktiken (Art. 5), Hochrisiko-KI (Art. 6 mit Anhang I und III), KI mit Transparenzpflichten (Art. 50, oft „begrenztes Risiko“ genannt) und minimales Risiko. Daneben gelten eigene Pflichten für KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck (GPAI), verschärft bei systemischem Risiko. Maßgeblich ist immer der konkrete Einsatzzweck.

Übersicht

Alle EU AI Act Risikoklassen in einer Tabelle

Die Tabelle fasst zusammen, welche Klasse auf welchen Artikeln beruht, welche Systeme typischerweise hineinfallen, was zu tun ist, ab wann es gilt und wie hoch Bußgelder ausfallen können. GPAI-Modelle stehen als eigene Spur darunter, weil ihre Pflichten am Modell hängen, nicht am Einsatzzweck.

Tabelle seitlich scrollen →

Alle EU AI Act Risikoklassen in einer Tabelle
KlasseArtikelTypische BeispielePflichtenGilt abBußgeld bis
KI-Systeme: Einstufung nach Einsatzzweck
Verbotene Praktikenunannehmbares RisikoArt. 5Social Scoring, Emotionserkennung am Arbeitsplatz, manipulative Techniken, ungezieltes Auslesen von GesichtsbildernVerbot: nicht in Verkehr bringen, nicht in Betrieb nehmen, nicht verwenden2.2.2025; zwei neue Verbote ab 2.12.202635 Mio. € oder 7 %
Hochrisiko-KIhohes RisikoArt. 6 mit Anhang I und III; Art. 9–27Bewerber-Ranking, Kreditscoring, Prüfungsbewertung, KI als Sicherheitsbauteil in Maschinen oder MedizinproduktenAnbieter: Risikomanagement, Daten-Governance, Dokumentation, Konformitätsbewertung, Registrierung. Betreiber: Einsatz nach Anleitung, menschliche Aufsicht, Logs, ggf. Grundrechte-FolgenabschätzungAnhang III: 2.12.2027; Anhang I: 2.8.202815 Mio. € oder 3 %
Transparenzpflichtenoft „begrenztes Risiko“Art. 50Chatbots, Bild-, Video- und Textgeneratoren, Deepfakes, Emotionserkennung außerhalb der VerboteKI-Interaktion erkennbar machen, synthetische Inhalte maschinenlesbar markieren, Deepfakes offenlegen, Betroffene informieren2.8.2026; Abs. 2 für Bestandssysteme 2.12.202615 Mio. € oder 3 %
Minimales Risikokeine spezifischen PflichtenArt. 4, Art. 95Spamfilter, Predictive Maintenance, interne Übersetzung, RechtschreibhilfeKI-Kompetenz nach Art. 4 (gilt für alle KI-Systeme), freiwillige VerhaltenskodizesArt. 4: 2.2.2025keine eigene Stufe im AI Act
Eigene Spur: KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck
GPAI-ModelleKapitel VArt. 53, 54Sprach-, Bild- und Multimodalmodelle, die Anbieter anderen zur Integration bereitstellenTechnische Dokumentation, Informationen für nachgelagerte Anbieter, Urheberrechts-Policy, Zusammenfassung der Trainingsdaten2.8.2025; Bestandsmodelle 2.8.2027Geldbußen durch die Kommission seit 2.8.2026
GPAI mit systemischem RisikoKapitel VArt. 51, 55die leistungsfähigsten BasismodelleZusätzlich: Modellbewertung, Bewertung und Minderung systemischer Risiken, Meldung schwerwiegender Vorfälle, Cybersicherheitwie GPAIwie GPAI

Vereinfachte Darstellung. Bußgeld: jeweils der höhere Betrag, Prozentangabe bezogen auf den weltweiten Jahresumsatz; für KMU und Start-ups gilt der niedrigere Betrag (Art. 99 Abs. 6), für kleine Midcaps seit dem Digital Omnibus nur bei Geldbußen nach Art. 99 Abs. 4 und 5 (Abs. 6a). Ein System kann mehreren Klassen zugleich angehören. Maßgeblich ist der Wortlaut der Verordnung.

Risikopyramide

Die Risikopyramide des EU AI Act

Je höher das Risiko für Gesundheit, Sicherheit und Grundrechte, desto strenger die Regeln. Die Pyramide ist eine gängige Vereinfachung dieses risikobasierten Ansatzes – GPAI-Modelle liegen als eigene Spur daneben. Klicken Sie auf eine Stufe, um zur Erklärung zu springen.

Die Klassen im Detail

Was jede Risikoklasse bedeutet

Für jede Klasse: worauf sie beruht, welche Systeme typischerweise hineinfallen, was Anbieter und Betreiber tun müssen, ab wann das gilt und welche Bußgeldstufe droht.

Verboten

Verbotene KI-Praktiken (Art. 5): unannehmbares Risiko

An der Spitze der Pyramide stehen Praktiken, die der Gesetzgeber für so gefährlich hält, dass keine noch so strenge Pflicht sie ausgleichen könnte. Art. 5 verbietet sie seit dem 2. Februar 2025 vollständig: Sie dürfen weder in Verkehr gebracht noch in Betrieb genommen oder verwendet werden. Das Verbot trifft Anbieter und Betreiber gleichermaßen; eine Übergangsfrist oder einen Bestandsschutz gibt es nicht.

Entscheidend ist der Einsatz, nicht die Technik. Gesichtserkennung ist nicht per se verboten, wohl aber das ungezielte Auslesen von Gesichtsbildern aus dem Internet oder aus Videoüberwachung, um Datenbanken aufzubauen. Emotionserkennung ist nicht generell untersagt, wohl aber am Arbeitsplatz und in Bildungseinrichtungen – mit Ausnahmen für medizinische und Sicherheitsgründe. Außerhalb dieser Bereiche fällt sie unter die Transparenzpflichten.

Der Digital Omnibus (VO (EU) 2026/1744) ergänzt den Katalog: Ab dem 2. Dezember 2026 ist auch KI verboten, die intime Darstellungen identifizierbarer Personen ohne deren Einwilligung erzeugt oder manipuliert, sowie KI zur Erzeugung von Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs. Für Anbieter generativer Bild- und Videowerkzeuge heißt das: Schutzmechanismen müssen bis dahin stehen.

Für die meisten Unternehmen ist das Verbot nicht das Kernproblem, aber ein Pflichtprüfpunkt. Wer etwa eine Software zur Stimmungsanalyse von Beschäftigten im Callcenter einsetzt, muss diese Funktion abschalten – auch wenn sie nur ein Nebenfeature eines größeren Tools ist. Prüfen Sie deshalb jedes System zuerst gegen Art. 5, bevor Sie über die anderen Klassen nachdenken.

Typische Beispiele

  • Unterschwellige, manipulative oder täuschende Techniken, die Verhalten wesentlich verzerren und erheblichen Schaden verursachen können
  • Ausnutzung von Schwächen aufgrund von Alter, Behinderung oder sozialer oder wirtschaftlicher Lage
  • Social Scoring: Bewertung von Personen nach Sozialverhalten oder Persönlichkeitsmerkmalen mit nachteiliger Behandlung
  • Risikobewertung, ob jemand eine Straftat begehen wird, allein auf Grundlage von Profiling oder Persönlichkeitsmerkmalen
  • Ungezieltes Auslesen von Gesichtsbildern aus Internet oder Videoüberwachung für Gesichtserkennungsdatenbanken
  • Emotionserkennung am Arbeitsplatz und in Bildungseinrichtungen (Ausnahmen: medizinische oder Sicherheitsgründe)
  • Biometrische Kategorisierung nach sensiblen Merkmalen wie politischer Meinung oder sexueller Orientierung
  • Biometrische Echtzeit-Fernidentifizierung im öffentlichen Raum zu Strafverfolgungszwecken (enge Ausnahmen)
  • Neu ab 2.12.2026: nicht einvernehmliche intime Darstellungen identifizierbarer Personen und Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs
Hochrisiko

Hochrisiko-KI (Art. 6): erlaubt, aber streng reguliert

Hochrisiko-KI ist die Klasse mit den meisten Pflichten. Art. 6 kennt zwei Wege hinein. Erstens Anhang I: Das KI-System ist selbst ein Produkt oder das Sicherheitsbauteil eines Produkts, das unter EU-Harmonisierungsvorschriften fällt – etwa Maschinen, Spielzeug, Aufzüge oder Medizinprodukte – und für das eine Konformitätsbewertung durch Dritte vorgeschrieben ist. Diese Pflichten gelten nach dem Digital Omnibus ab dem 2. August 2028.

Zweitens Anhang III: KI-Systeme, die in einem von acht sensiblen Bereichen eingesetzt werden – Biometrie, kritische Infrastruktur, allgemeine und berufliche Bildung, Beschäftigung und Personalmanagement, Zugang zu wesentlichen privaten und öffentlichen Diensten (darunter Kreditwürdigkeitsprüfung sowie Risikobewertung und Preisbildung in der Lebens- und Krankenversicherung), Strafverfolgung, Migration und Grenzkontrolle sowie Justiz und demokratische Prozesse. Für diese Systeme gelten die Pflichten ab dem 2. Dezember 2027.

Nicht jedes System in einem Anhang-III-Bereich ist automatisch hochriskant. Art. 6 Abs. 3 nimmt Systeme aus, die kein erhebliches Risiko bergen, weil sie nur eine eng gefasste Verfahrensaufgabe erfüllen, das Ergebnis einer bereits abgeschlossenen menschlichen Tätigkeit verbessern, Entscheidungsmuster erkennen, ohne die menschliche Bewertung zu ersetzen, oder eine vorbereitende Aufgabe übernehmen. Führt das System ein Profiling natürlicher Personen durch, ist es immer hochriskant. Wer sich auf die Ausnahme beruft, muss die Bewertung dokumentieren (Art. 6 Abs. 4) und das System in der EU-Datenbank registrieren (Art. 49 Abs. 2). Der Digital Omnibus hat die dafür nötigen Angaben verschlankt: Die Begründung der Nicht-Einstufung und die Liste der Mitgliedstaaten müssen nicht mehr eingetragen werden (Anhang VIII Abschnitt B, Nr. 7 und 9 gestrichen durch Art. 1 Nr. 42 VO (EU) 2026/1744; ErwG 22). Die Dokumentationspflicht bleibt.

Leitlinien der Kommission: Nach Art. 6 Abs. 5 muss die Kommission Leitlinien mit praktischen Beispielen für hochriskante und nicht hochriskante Systeme bereitstellen. Am 19. Mai 2026 hat sie dazu einen Entwurf veröffentlicht. Die gezielte Konsultation wurde bis zum 23. Juli 2026 verlängert, die finale Fassung will die Kommission bis Ende 2026 annehmen. Stand 7. Oktober 2026 gibt es keine finale Fassung. Der Entwurf ist eine Orientierungshilfe, aber nicht verbindlich (Rn. 6).

Kernaussagen des Entwurfs: Menschliche Beteiligung ändert nichts an der Einstufung nach Art. 6 Abs. 2 (Rn. 70–71). Die Ausnahmen nach Art. 6 Abs. 3 sind abschließend und eng auszulegen, Profiling schließt sie immer aus (Rn. 88–89). Wer eine Software breit anpreist und Hochrisiko-Einsätze nur in den Nutzungsbedingungen ausschließt, bleibt im Hochrisiko-Bereich (Rn. 12). Mehrere Bausteine, die zusammen eine Einzelentscheidung prägen, werden als ein System bewertet, auch agentische Systeme (Rn. 75).

Die Pflichten verteilen sich nach Rollen. Anbieter tragen die Hauptlast: Risikomanagement (Art. 9), Daten-Governance (Art. 10), technische Dokumentation (Art. 11), Aufzeichnung (Art. 12), Transparenz und Betriebsanleitung (Art. 13), menschliche Aufsicht (Art. 14), Genauigkeit, Robustheit und Cybersicherheit (Art. 15), Qualitätsmanagement (Art. 17), Konformitätsbewertung (Art. 43) und Registrierung in der EU-Datenbank (Art. 49). Betreiber müssen das System nach der Betriebsanleitung einsetzen, die menschliche Aufsicht kompetenten Personen übertragen, Eingabedaten und Protokolle im Blick behalten und Betroffene informieren (Art. 26). Öffentliche Stellen und bestimmte private Betreiber, etwa bei Kreditwürdigkeit oder Versicherungstarifen, führen zusätzlich eine Grundrechte-Folgenabschätzung durch (Art. 27).

Diese Übersicht hält Hochrisiko bewusst kompakt. Alle acht Anhang-III-Bereiche mit Beispielen, Grenzfällen und der Ausnahmeprüfung Schritt für Schritt finden Sie in unserem Leitfaden zu Anhang III.

Typische Beispiele

  • Bewerber-Screening, Ranking und Auswahl von Kandidaten (Anhang III Nr. 4)
  • Leistungsbewertung, Beförderungs- oder Kündigungsentscheidungen mit KI (Nr. 4)
  • Kreditwürdigkeitsprüfung und Scoring natürlicher Personen (Nr. 5)
  • Risikobewertung und Preisbildung in Lebens- und Krankenversicherung (Nr. 5)
  • Zulassung, Bewertung von Lernergebnissen und Prüfungsaufsicht (Nr. 3)
  • Sicherheitsbauteile in kritischer Infrastruktur (Nr. 2)
  • KI in Medizinprodukten oder Maschinen mit Drittprüfung (Anhang I)
Art. 50

Transparenz­pflichten (Art. 50): das „begrenzte Risiko“

Die dritte Klasse heißt in vielen Übersichten „begrenztes Risiko“. Der Begriff steht so nicht in der Verordnung, hat sich aber als Kurzform für die Transparenzpflichten nach Art. 50 durchgesetzt. Gemeint sind KI-Systeme, bei denen das Hauptrisiko darin liegt, dass Menschen nicht erkennen, dass sie mit einer Maschine sprechen oder künstlich erzeugte Inhalte vor sich haben.

Art. 50 regelt vier Fälle. Anbieter müssen Systeme, die direkt mit Menschen interagieren, so gestalten, dass diese davon erfahren (Abs. 1), und synthetische Audio-, Bild-, Video- und Textinhalte maschinenlesbar markieren (Abs. 2). Betreiber müssen Betroffene informieren, wenn sie Emotionserkennung oder biometrische Kategorisierung einsetzen (Abs. 3), und offenlegen, dass Deepfakes oder KI-Texte zu Angelegenheiten von öffentlichem Interesse künstlich erzeugt wurden (Abs. 4). Absatz 5 legt fest, dass die Hinweise klar, rechtzeitig und barrierefrei sein müssen.

Die Pflichten gelten seit dem 2. August 2026. Für die maschinenlesbare Markierung von Systemen, die schon vorher in Verkehr gebracht wurden, hat der Digital Omnibus eine Übergangsfrist bis zum 2. Dezember 2026 eingeführt. Für Hinweise bei Chatbots, Emotionserkennung und Deepfakes gibt es keine Übergangsfrist.

Wichtig: Art. 50 ist keine Alternative zu Hochrisiko, sondern eine zusätzliche Schicht. Ein Chatbot, der Bewerber vorauswählt, ist hochriskant und muss sich zugleich als KI zu erkennen geben. Umgekehrt hilft ein Hinweis nicht weiter, wo ein Verbot greift: Emotionserkennung am Arbeitsplatz bleibt verboten, auch wenn die Beschäftigten informiert werden.

Typische Beispiele

  • Kundenservice-Chatbots und Sprachassistenten
  • KI-Agenten, die im Namen eines Unternehmens mit Menschen kommunizieren
  • Bild-, Video-, Audio- und Textgeneratoren (Anbieter)
  • Deepfakes in Marketing, Kommunikation und Schulungsvideos (Betreiber)
  • KI-Texte zu Angelegenheiten öffentlichen Interesses ohne redaktionelle Kontrolle
  • Emotionserkennung und biometrische Kategorisierung, soweit nicht verboten
Minimal

Minimales Risiko: keine spezifischen Pflichten, aber nicht pflichtfrei

Die breite Basis der Pyramide bilden KI-Systeme mit minimalem Risiko: Spamfilter, Produktempfehlungen im Onlineshop, Predictive Maintenance in der Produktion, Rechtschreibkorrektur oder die Optimierung von Lagerbeständen. Für sie sieht die KI-Verordnung keine spezifischen Pflichten vor. In der Praxis landen hier viele der KI-Anwendungen, die Unternehmen nutzen.

„Keine spezifischen Pflichten“ heißt aber nicht „nichts zu tun“. Art. 4 verpflichtet seit dem 2. Februar 2025 Anbieter und Betreiber aller KI-Systeme – also unabhängig von der Klasse – zur KI-Kompetenz. Der Digital Omnibus hat die Vorschrift neu gefasst: Unternehmen ergreifen Maßnahmen, um die KI-Kompetenz der Menschen zu unterstützen, die KI in ihrem Auftrag nutzen. Ein bestimmtes Kompetenzniveau müssen sie nicht garantieren.

Darüber hinaus können sich Anbieter und Betreiber freiwilligen Verhaltenskodizes nach Art. 95 anschließen, etwa um Anforderungen für Hochrisiko-Systeme freiwillig anzuwenden. Und weil fast jede KI personenbezogene Daten verarbeitet, bleibt die DSGVO voll anwendbar – unabhängig davon, wie die KI-Verordnung das System einstuft.

Wichtig ist die Begründung: Eine Einstufung als minimal sollte dokumentiert sein, mit Einsatzzweck und Hinweis, warum weder Art. 5 noch Anhang I oder III noch Art. 50 greifen. Ändert sich der Zweck, ist die Einstufung neu zu prüfen. Genau diese Dokumentation fehlt bei Prüfungen am häufigsten.

Typische Beispiele

  • Spamfilter und Malware-Erkennung
  • Predictive Maintenance und Qualitätskontrolle in der Fertigung
  • Produktempfehlungen und Suchranking im Shop
  • Interne Übersetzung, Zusammenfassung und Rechtschreibhilfe
  • Bedarfsprognose und Lageroptimierung
  • KI in Videospielen
GPAI

KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck (GPAI): die eigene Spur

Große Sprach-, Bild- und Multimodalmodelle passen nicht in die Pyramide, weil sie keinen festen Einsatzzweck haben. Die KI-Verordnung regelt sie deshalb in einem eigenen Kapitel V. Die Pflichten treffen den Anbieter des Modells – also das Unternehmen, das ein solches Modell entwickelt und in Verkehr bringt – und gelten seit dem 2. August 2025.

Jeder GPAI-Anbieter muss eine technische Dokumentation führen, nachgelagerten Anbietern, die das Modell in eigene KI-Systeme einbauen, die nötigen Informationen bereitstellen, eine Strategie zur Einhaltung des Urheberrechts umsetzen und eine Zusammenfassung der für das Training verwendeten Inhalte veröffentlichen. Für Modelle mit systemischem Risiko – die leistungsfähigsten Modelle, bestimmt nach den Kriterien in Art. 51 – kommen Modellbewertung, Bewertung und Minderung systemischer Risiken, Meldung schwerwiegender Vorfälle und angemessene Cybersicherheit hinzu.

Für Modelle, die vor dem 2. August 2025 in Verkehr gebracht wurden, gilt eine Übergangsfrist bis zum 2. August 2027. Seit dem 2. August 2026 kann die Kommission Geldbußen gegen GPAI-Anbieter verhängen; anders als bei KI-Systemen liegt die Aufsicht hier bei der EU-Ebene.

Für die meisten Unternehmen ist GPAI eine Frage der Lieferkette, nicht der eigenen Pflichten: Wer ChatGPT oder ein vergleichbares Modell über eine Schnittstelle nutzt, ist in der Regel nicht Anbieter des Modells. Die Risikoklasse des eigenen Systems richtet sich dann nach dessen Einsatzzweck. Wer ein Modell jedoch erheblich verändert und unter eigenem Namen anbietet, sollte prüfen, ob er selbst Pflichten nach Kapitel V übernimmt.

Typische Beispiele

  • Große Sprachmodelle hinter Chat-Assistenten und Agenten
  • Bild-, Audio- und Videomodelle, die per Schnittstelle angeboten werden
  • Open-Source-Basismodelle (mit teilweisen Erleichterungen, außer bei systemischem Risiko)

Achtung

Klassen sind keine Schubladen

Die Pyramide suggeriert, dass jedes System genau in ein Fach gehört. In der Praxis ist es komplizierter. Sechs Regeln verhindern die häufigsten Denkfehler bei der Einstufung.

01

Klassen addieren sich

Ein KI-System kann gleichzeitig hochriskant sein und unter Art. 50 fallen – etwa ein Chatbot, der Bewerber vorauswählt. Dann gelten beide Pflichtenkreise nebeneinander. Prüfen Sie Art. 50 deshalb immer, auch wenn Sie schon bei Hochrisiko gelandet sind.

02

Einstufung je Einsatzzweck, nicht je Tool

Dasselbe Sprachmodell ist als Formulierungshilfe minimal, als Kundenchat transparenzpflichtig und als Werkzeug zur Bewerberauswahl hochriskant. Erfassen Sie deshalb Anwendungsfälle, nicht Produktnamen.

03

Die Rolle bestimmt die Pflichten

Die Klasse sagt, wie streng reguliert wird; die Rolle sagt, wer was tun muss. Anbieter und Betreiber haben in jeder Klasse andere Pflichten. Wer ein Hochrisiko-System unter eigenem Namen anbietet oder wesentlich verändert, kann selbst zum Anbieter werden.

04

Modell und System sind zwei Ebenen

GPAI-Pflichten hängen am Modell, die Risikoklasse am System. Ein Hochrisiko-System kann auf einem GPAI-Modell beruhen; dann hat der Modellanbieter Pflichten nach Kapitel V und der Systemanbieter Pflichten nach Art. 9–17.

05

Art. 4 gilt immer

KI-Kompetenz ist keine Pflicht einer bestimmten Klasse, sondern gilt für jedes KI-System. Auch wer nur minimal riskante Werkzeuge einsetzt, muss Maßnahmen ergreifen.

06

Einstufungen altern

Neuer Zweck, neue Zielgruppe, neue Funktion: Jede wesentliche Änderung kann die Klasse verschieben. Die Kommission kann Anhang III zudem anpassen. Legen Sie Prüftermine fest und halten Sie die Begründung aktuell.

Interaktiv

Welche Risikoklasse hat mein KI-System?

Höchstens fünf Fragen zu einem konkreten Einsatzzweck. Am Ende sehen Sie die wahrscheinliche Klasse, die Rechtsgrundlage, die Frist und die nächsten Schritte. Spielen Sie den Baum für jeden Anwendungsfall einzeln durch.

Frage 1
Was möchten Sie einstufen?

Die Risikoklassen gelten für KI-Systeme mit einem bestimmten Zweck. Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck haben eine eigene Spur.

app.simpleact.de

Ergebnis

Risikoklasse nach KI-VO

A

Beantworten Sie die Fragen links – hier erscheint die wahrscheinliche Risikoklasse.

Vereinfachte Orientierung, keine Rechtsberatung. Grenzfälle erfordern eine Prüfung im Einzelfall.

Beispiele

12 typische KI-Systeme und ihre wahrscheinliche Risikoklasse

So werden häufige Anwendungsfälle in Unternehmen typischerweise eingeordnet. Die Begründung zeigt, woran die Einstufung hängt – und wann sie kippen kann.

Tabelle seitlich scrollen →

12 typische KI-Systeme und ihre wahrscheinliche Risikoklasse
KI-SystemWahrscheinliche KlasseWarum
Spamfilter im E-Mail-PostfachMinimalKein Anhang-III-Bereich, keine Interaktion oder Inhaltserzeugung im Sinne von Art. 50.
Predictive Maintenance in der FertigungMinimalHäufig minimal. Anders, wenn das System Sicherheitsbauteil eines Produkts nach Anhang I ist.
Kundenservice-Chatbot auf der WebsiteArt. 50Direkte Interaktion mit Menschen: Hinweis nach Art. 50 Abs. 1. Hochrisiko nur, wenn er etwa über den Zugang zu wesentlichen Leistungen mitentscheidet.
Bildgenerator für MarketingmotiveArt. 50Der Anbieter markiert maschinenlesbar (Abs. 2); Ihr Unternehmen legt Deepfakes offen (Abs. 4). Je nach Motiv – Illustrationen sind meist keine Deepfakes.
CV-Screening und Bewerber-RankingHochrisikoAnhang III Nr. 4 (Beschäftigung). Ein Ranking von Personen ist in aller Regel Profiling, die Ausnahme nach Art. 6 Abs. 3 scheidet dann aus.
Kreditscoring für PrivatkundenHochrisikoAnhang III Nr. 5: Kreditwürdigkeitsprüfung natürlicher Personen. Betreiber führen zusätzlich eine Grundrechte-Folgenabschätzung durch.
Tarifierung in der Lebens- oder KrankenversicherungHochrisikoAnhang III Nr. 5: Risikobewertung und Preisbildung für natürliche Personen.
Stimmungsanalyse von Callcenter-BeschäftigtenVerbotenEmotionserkennung am Arbeitsplatz ist nach Art. 5 verboten, außer aus medizinischen oder Sicherheitsgründen. Die Analyse von Kundenanrufen fällt dagegen häufig unter Art. 50 Abs. 3.
Automatische Bewertung von PrüfungenHochrisikoAnhang III Nr. 3 (Bildung): Bewertung von Lernergebnissen.
Diagnose-Software als MedizinproduktHochrisikoAnhang I, wenn eine Konformitätsbewertung durch Dritte nötig ist. Pflichten nach dem Digital Omnibus ab 2.8.2028.
ChatGPT oder Copilot im BüroalltagMinimalArt. 50Je nach Einsatz: als Schreibhilfe meist minimal, bei veröffentlichten Deepfakes Art. 50, bei Personalentscheidungen hochriskant. GPAI-Pflichten trägt der Modellanbieter.
Betrugserkennung im ZahlungsverkehrMinimalHäufig nicht hochriskant: Anhang III nimmt die Aufdeckung von Finanzbetrug ausdrücklich aus. Die DSGVO bleibt relevant.

Typische Einordnungen, keine verbindliche Bewertung. Maßgeblich ist der konkrete Einsatz – dasselbe Werkzeug kann in einem anderen Kontext anders eingestuft werden.

Fehleinstufungen

Sieben typische Fehler bei der Risiko­einstufung

Diese Muster sehen wir in KI-Inventaren immer wieder. Jedes führt dazu, dass Pflichten übersehen oder unnötig Aufwand betrieben wird.

  1. Fehler: „Wir nutzen nur ChatGPT, also minimales Risiko.“

    Richtig: Das Werkzeug sagt nichts über die Klasse. Entscheidend ist, wofür es eingesetzt wird – bei Bewerberauswahl oder Kreditentscheidungen kann es hochriskant werden.

  2. Fehler: „Ein Chatbot ist Hochrisiko-KI.“

    Richtig: Ein Chatbot fällt typischerweise unter die Transparenzpflichten nach Art. 50. Hochriskant wird er erst durch einen Anhang-III-Zweck.

  3. Fehler: „Die Ausnahme nach Art. 6 Abs. 3 greift, damit ist alles erledigt.“

    Richtig: Die Bewertung muss dokumentiert und das System registriert werden. Bei Profiling greift die Ausnahme nie.

  4. Fehler: „Minimal heißt: keine Pflichten.“

    Richtig: Art. 4 zur KI-Kompetenz gilt für alle KI-Systeme. Die DSGVO bleibt anwendbar.

  5. Fehler: „Hochrisiko schließt Art. 50 aus.“

    Richtig: Die Pflichten addieren sich. Ein Hochrisiko-System mit Chat-Oberfläche braucht auch den KI-Hinweis.

  6. Fehler: „Als Betreiber muss ich nicht einstufen, das macht der Anbieter.“

    Richtig: Betreiber bestimmen den tatsächlichen Einsatz. Ihre eigenen Pflichten nach Art. 26 hängen an der Klasse – Sie müssen sie also kennen.

  7. Fehler: „Unklare Fälle tragen wir erst einmal als minimal ein.“

    Richtig: Besser „in Prüfung“ mit Prüftermin. Ehrlich offen ist besser als falsch abgeschlossen.

Fristen

Fristen je Risikoklasse nach dem Digital Omnibus

Der Digital Omnibus (VO (EU) 2026/1744, in Kraft seit 27. Juli 2026) hat mehrere Termine verschoben und Verbote ergänzt. So sieht der Zeitplan je Klasse aus.

Fristen je Risikoklasse nach dem Digital Omnibus
DatumWas giltKlasse
Verbotene Praktiken (Art. 5) und KI-Kompetenz (Art. 4) für alle KI-SystemeVerbotenMinimal
Pflichten für neu in Verkehr gebrachte GPAI-Modelle (Kapitel V)GPAI
Transparenzpflichten (Art. 50); Kommission kann Geldbußen gegen GPAI-Anbieter verhängenArt. 50GPAI
Markierungspflicht (Art. 50 Abs. 2) auch für Bestandssysteme; neue Verbote zu intimen Darstellungen und MissbrauchsdarstellungenArt. 50Verboten
GPAI-Modelle, die vor dem 2.8.2025 in Verkehr gebracht wurdenGPAI
Hochrisiko-KI nach Anhang IIIHochrisiko
Hochrisiko-KI nach Anhang I (Produkte mit Drittprüfung)Hochrisiko
Alle Fristen mit Kalender-Download

DSGVO

Risikoklasse und Datenschutz: zwei Prüfungen, eine Dokumentation

Die KI-Verordnung ersetzt die DSGVO nicht. Wer KI mit personenbezogenen Daten einsetzt, prüft beides – und kann viele Informationen doppelt nutzen.

Hochrisiko heißt oft DSFA

Systeme aus Anhang III verarbeiten meist personenbezogene Daten mit hohem Risiko für Betroffene. Eine Datenschutz-Folgenabschätzung nach Art. 35 DSGVO ist dann in der Regel nötig; Betreiber können dafür die Informationen des Anbieters nutzen.

Datenschutz-Folgenabschätzung

Automatisierte Entscheidungen

Trifft ein System Entscheidungen mit rechtlicher oder ähnlich erheblicher Wirkung ohne menschliche Beteiligung, greift zusätzlich Art. 22 DSGVO – unabhängig von der Risikoklasse nach der KI-Verordnung.

Biometrie ist besonders sensibel

Emotionserkennung und biometrische Kategorisierung berühren oft besondere Kategorien personenbezogener Daten nach Art. 9 DSGVO. Auch wenn Art. 50 nur einen Hinweis verlangt, brauchen Sie eine tragfähige Rechtsgrundlage.

Minimal heißt nicht datenschutzfrei

Auch ein minimal riskantes Werkzeug kann Daten an Dritte übermitteln. Auftragsverarbeitung, Drittlandtransfer und Löschfristen bleiben zu prüfen.

Auftragsverarbeitung

Ein Register für beides

Führen Sie Risikoklasse und Verarbeitungstätigkeit verknüpft: KI-Register und Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten greifen auf dieselben Systemdaten zurück.

Verarbeitungsverzeichnis

In SimpleAct

So läuft die Einstufung in der Software

SimpleAct führt pro KI-System durch einen regelbasierten Fragebogen, hält die Begründung fest und verknüpft das Ergebnis mit Rolle, Pflichten, Fristen und Ihrer DSGVO-Dokumentation.

app.simpleact.de

Risiko-Einstufung

KI-basierte Bewerbungsanalyse

A
System wählen
Fragen beantworten
Ergebnis

Abschnitt A: Hochrisiko-Merkmale

18/21 beantwortet
2

Trifft oder beeinflusst das System Entscheidungen über natürliche Personen?

JaNein
3

Entfaltet das Ergebnis rechtliche oder ähnlich erhebliche Wirkung?

JaNein
4

Werden besondere Kategorien personenbezogener Daten verarbeitet?

JaNein

Risikostufe

Hoch

Annex III · Beschäftigung & Personalmanagement

Anforderungen

  • RisikomanagementsystemArt. 9 EU AI ActErfüllt
  • Daten-GovernanceArt. 10 EU AI ActTeilweise
  • Menschliche AufsichtArt. 14 EU AI ActOffen
  1. 01

    Fragen beantwortenAbschnitt für Abschnitt mit Ja oder Nein, statt Gesetzestext selbst auszulegen.

  2. 02

    Regel greiftAus den Antworten ergibt sich die Risikoklasse, inklusive der zutreffenden Anhang-III-Kategorie.

  3. 03

    Anforderungen ableitenZur Klasse erscheinen die Pflichten je Artikel – jede mit Status erfüllt, teilweise oder offen.

FAQ

Häufige Fragen zu den Risikoklassen

Üblich ist die Einteilung in vier Risikoklassen für KI-Systeme: verbotene Praktiken (Art. 5), Hochrisiko-KI (Art. 6), KI mit Transparenzpflichten (Art. 50) und minimales Risiko. Die Verordnung selbst nummeriert keine Klassen; die Vierteilung ist eine gängige Zusammenfassung ihres risikobasierten Ansatzes. Hinzu kommt eine eigene Spur für KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck (GPAI), mit zusätzlichen Pflichten bei systemischem Risiko.
ChatGPT als solches ist kein Hochrisiko-System. Das zugrunde liegende Modell ist ein GPAI-Modell, dessen Pflichten der Anbieter trägt. Für Ihr Unternehmen zählt der Einsatzzweck: Als Schreibhilfe ist die Nutzung meist minimal riskant, als öffentlich zugänglicher Chatbot transparenzpflichtig. Nutzen Sie ChatGPT, um Bewerber zu bewerten oder Kreditentscheidungen vorzubereiten, kann der Einsatz unter Anhang III fallen und hochriskant sein.
Der Begriff steht so nicht in der KI-Verordnung, ist aber die übliche Bezeichnung für KI-Systeme mit Transparenzpflichten nach Art. 50. Dazu gehören Chatbots, Generatoren synthetischer Inhalte, Deepfakes, KI-Texte zu Themen öffentlichen Interesses sowie Emotionserkennung und biometrische Kategorisierung, soweit sie nicht verboten sind. Die Pflicht ist vor allem Offenheit: Menschen sollen erkennen, dass KI im Spiel ist.
Zuerst der Anbieter: Er muss vor dem Inverkehrbringen bewerten, ob sein System hochriskant ist, und eine Berufung auf die Ausnahme in Art. 6 Abs. 3 dokumentieren. Betreiber sollten die Einstufung aber nicht ungeprüft übernehmen. Sie bestimmen den tatsächlichen Einsatzzweck, und ein anderer Zweck kann eine andere Klasse bedeuten. In der Praxis stuft jedes Unternehmen seine Anwendungsfälle selbst ein und hält das im KI-Register fest.
Die Folgen hängen davon ab, welche Pflichten dadurch verfehlt werden. Wer ein Hochrisiko-System als minimal behandelt, erfüllt die Hochrisiko-Pflichten nicht – dafür drohen Bußgelder bis 15 Mio. € oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes, bei verbotenen Praktiken bis 35 Mio. € oder 7 %. Marktüberwachungsbehörden können Systeme, die ein Anbieter als nicht hochriskant eingestuft hat, überprüfen und Nachbesserungen verlangen. Eine nachvollziehbare, dokumentierte Begründung ist deshalb Ihr wichtigster Schutz.
Verbote und KI-Kompetenz gelten seit dem 2. Februar 2025, GPAI-Pflichten seit dem 2. August 2025, die Transparenzpflichten nach Art. 50 seit dem 2. August 2026. Nach dem Digital Omnibus folgen Hochrisiko-Systeme nach Anhang III am 2. Dezember 2027 und nach Anhang I am 2. August 2028. Am 2. Dezember 2026 kommen zwei neue Verbote hinzu, und die Übergangsfrist für die Markierung nach Art. 50 Abs. 2 endet.
Ja. Die Transparenzpflichten nach Art. 50 gelten zusätzlich zu den Hochrisiko-Pflichten. Ein Chatbot, der Bewerber vorauswählt, ist hochriskant und muss sich als KI zu erkennen geben. Art. 4 zur KI-Kompetenz gilt ohnehin für jedes System. Nur ein Verbot schließt alles andere aus, weil das System dann gar nicht eingesetzt werden darf.
Nicht automatisch. Anhang III Nr. 4 erfasst unter anderem Einstellung und Auswahl, die Filterung und Bewertung von Bewerbungen, Entscheidungen über Beförderung und Kündigung, die Zuweisung von Aufgaben nach Verhalten sowie die Überwachung und Bewertung von Leistung. Ein Werkzeug, das nur Gesprächstermine koordiniert oder Texte korrigiert, fällt in der Regel nicht darunter. Entscheidend ist, ob das System Entscheidungen über Menschen beeinflusst.
Ein System in einem Anhang-III-Bereich ist nicht hochriskant, wenn es kein erhebliches Risiko birgt – etwa weil es nur eine eng gefasste Verfahrensaufgabe erfüllt, eine abgeschlossene menschliche Tätigkeit verbessert, Entscheidungsmuster erkennt, ohne die menschliche Bewertung zu ersetzen, oder eine vorbereitende Aufgabe übernimmt. Profiling ist immer hochriskant. Die Bewertung muss dokumentiert und das System registriert werden; der Leitlinien-Entwurf der Kommission vom 19. Mai 2026 liefert Beispiele.
Nein, Stand 7. Oktober 2026 nicht. Die Kommission hat am 19. Mai 2026 einen Entwurf nach Art. 6 Abs. 5 veröffentlicht, die Konsultation lief bis 23. Juli 2026, die finale Fassung will sie bis Ende 2026 annehmen. Bis dahin ist der Entwurf eine Auslegungshilfe, aber nicht verbindlich.
Keine spezifischen Pflichten der KI-Verordnung, aber zwei Dinge bleiben: Art. 4 verlangt Maßnahmen zur KI-Kompetenz für alle KI-Systeme, und die DSGVO gilt, sobald personenbezogene Daten verarbeitet werden. Freiwillig können Sie sich Verhaltenskodizes nach Art. 95 anschließen. Dokumentieren Sie außerdem, warum Sie das System als minimal einstufen.
Immer dann, wenn sich Zweck, Nutzergruppe, Funktionen oder der Anbieter wesentlich ändern, und zusätzlich in festen Abständen, etwa jährlich. Achten Sie außerdem auf Rechtsänderungen: Die finalen Leitlinien zur Hochrisiko-Einstufung werden bis Ende 2026 erwartet, und die Kommission kann Anhang III anpassen.
Ja. Die Einstufung hängt am KI-System und seinem Einsatz, nicht daran, wer es entwickelt hat. Als Betreiber eines eingekauften Hochrisiko-Systems haben Sie eigene Pflichten nach Art. 26, bei Generatoren (Deepfakes, KI-Texte zu Themen öffentlichen Interesses) können Sie Pflichten nach Art. 50 Abs. 4 treffen, bei Emotionserkennung und biometrischer Kategorisierung nach Abs. 3. Fragen Sie Anbieter nach ihrer Einstufung und Dokumentation, und prüfen Sie, ob Ihr Einsatz davon abweicht.

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Open-Source Framework

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Open-Source Risikoeinstufungs-Framework nach EU AI Act: Entscheidungsbaum, Annex-III-Mapping und Verbots-Prüfung für KI-Systeme.

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Quellen und Stand

Zuletzt geprüft am · Redaktion SimpleAct

Diese Seite dient der Orientierung und ist keine Rechtsberatung. Die Einordnungen sind typisierend; maßgeblich sind der im Amtsblatt der EU veröffentlichte Wortlaut und Ihr konkreter Einsatz. Die Leitlinien zur Hochrisiko-Einstufung lagen am 7. Oktober 2026 nur als Entwurf vor.

Änderungen an dieser Seite

  • 10. Oktober 2026 – Art. 4 im Omnibus-Wortlaut, Art. 50 Abs. 3 und 4 richtig zugeordnet.
  • 7. Oktober 2026 – Leitlinien der Kommission: Stand geprüft (weiter nur Entwurf), Kernaussagen mit Randnummern und FAQ ergänzt. Ausnahme nach Art. 6 Abs. 3 korrigiert (Omnibus verschlankt nur die Registrierungsangaben), Bußgeld-Hinweis um kleine Midcaps (Art. 99 Abs. 6a) ergänzt.
  • 3. Oktober 2026 – Komplett überarbeitet: Übersichtstabelle mit GPAI-Spur, Risikopyramide, Fristen nach Digital Omnibus inkl. neuer Verbote, Entscheidungsbaum, 12 Beispiele, typische Fehleinstufungen, DSGVO-Bezug, Leitlinien-Entwurf.
  • 23. Mai 2026 – Erste Fassung der Seite zur KI-Risikoeinstufung.

Jedes KI-System eingestuft, jede Begründung dokumentiert

SimpleAct führt Sie pro Anwendungsfall durch die Einstufung, verknüpft Risikoklasse, Rolle, Pflichten und Fristen und hält die Begründung nachvollziehbar im KI-Register fest.