Assurance
Die vollständige Nachweisakte je KI-System – von der Klassifizierung bis zum Behördenpaket.
Assurance ist die tiefste Ebene der Systemdokumentation. Während Inventar und Risikobewertung die Frage „was ist das und wie riskant" beantworten, beantwortet Assurance die Frage „womit können Sie das belegen". Dafür gibt es je KI-System 16 Registerarten – drei davon existieren genau einmal pro System, die übrigen nehmen beliebig viele Einträge auf.
Auf einen Blick
- Enthalten ab
- Starter (Teil der Controls-Funktion)
- Wo in der App
- KI-System öffnen → Assurance
- Ergebnis
- Belegbare Nachweisakte je System inkl. Konformitäts- und Behördenstatus
- API
- /api/v1/assurance
Die drei Einzelakten
Diese drei gibt es pro KI-System genau einmal. Sie werden nicht angelegt, sondern gepflegt – und sind das Erste, was in einer Prüfung geöffnet wird.
Klassifizierungsprofil
Systemtyp, Akteursrollen (Anbieter, Betreiber, Importeur, Händler), Risikokategorie, Zweckbestimmung, Zielgruppe, Entscheidungswirkung und Einsatzkontext. Dazu drei Ja/Nein-Fragen mit unmittelbarer Rechtsfolge: Wird ein GPAI-Modell genutzt? Erfolgt der Einsatz im öffentlichen Sektor? Besteht eine Registrierungspflicht in der EU-Datenbank? Die Begründung der Einstufung ist ein eigenes Feld – sie ist der Teil, den Prüfer lesen.
Grundrechte-Folgenabschätzung (FRIA)
Betroffene Gruppen, berührte Grundrechtsbereiche, Missbrauchsszenarien, Abhilfemaßnahmen, verbleibende Auswirkung, Zusammenfassung und prüfende Person. Für Hochrisiko-Systeme bestimmter Betreiber ist sie vor dem ersten Einsatz Pflicht – und sie ist etwas anderes als die DSFA nach Art. 35 DSGVO, auch wenn sich Teile wiederverwenden lassen.
Behördenpaket
Der Konformitätsstatus in fünf Dimensionen: Konformitätsbewertung, Konformitätserklärung, CE-Kennzeichnung, EU-Datenbank-Registrierung und Behördenantwort. Dazu, ob eine benannte Stelle erforderlich ist, die Kontaktdaten der Behörde und die Liste der beigefügten Artefakte. Das ist die Seite, die Sie öffnen, wenn eine Marktüberwachungsbehörde anfragt.
Die Register
Diese Register nehmen beliebig viele Einträge je KI-System auf. Sie müssen nicht alle befüllt werden – welche relevant sind, hängt an Risikoklasse und Rolle.
| Register | Was darin steht |
|---|---|
| Gefährdungsbibliothek | Katalog möglicher Gefährdungen mit Code, Kategorie, Beschreibung und Standardmaßnahmen. Die Vorlage, aus der Einträge des Risikoregisters entstehen. |
| Risikoregister | Konkrete Risiken mit Eintrittswahrscheinlichkeit, Schwere, inhärentem und verbleibendem Risiko, Maßnahme, verantwortlicher Rolle, Überwachungsmetrik und Prüftermin. |
| Datensatzregister | Trainings- und Testdatensätze mit Version, Quelle, Rechtsgrundlage, Lizenz, Personenbezug, PII-Kategorien, repräsentierten Gruppen, Qualitätsprüfungen, Herkunftskette und Bias-Befunden. |
| Lieferantenregister (systembezogen) | Zulieferer für genau dieses System: Rolle, Kritikalität, Vertragsverantwortlicher, Status der Sicherheitsprüfung, AVV-Status und Exit-Plan. |
| KI-Kompetenznachweise | Schulungen je Zielgruppe mit Format, Abschlussquote, letztem Durchlauf, Auffrischungstermin und Nachweis-Link – die Art.-4-Belege für dieses System. |
| Regeln zur menschlichen Aufsicht | Aufsichtsmodus, ob automatische Entscheidungen zulässig sind, Konfidenzschwelle, Eskalationspfad und zuständige Rolle. |
| Validierungssuiten | Prüfart, Referenzdatensatz, Metrikschwellen, Auslöser für eine Neuvalidierung sowie die Kennzeichen, ob Red-Teaming und Shadow-Mode erforderlich sind. |
| Pipeline-Gates | Freigabepunkte in der Entwicklungspipeline: Stufe, erforderliche Prüfungen, freigebende Rolle, ob das Gate blockierend ist, und wann es zuletzt ausgewertet wurde. |
| Observability-Profile | Überwachungsart, Metrikkatalog, Alarmschwellen, Quellsystem, Dashboard-Link und Bereitschaftsrolle – die Betriebsseite von Post-Market-Monitoring. |
| Modellregister-Einträge | Modell-, Datensatz- und Prompt-Version, Registry-URI, Herkunftsverweis und Freigabestufe. Ergänzt die eigenständige Model Registry um den systembezogenen Nachweis. |
| Release-Orchestrierung | Verknüpft ein Release mit Modellregister-Eintrag, Validierungssuite und Pipeline-Gate: Zielumgebung, Deployment-Status, Rollback-Bereitschaft, Change-Referenz und Nachweis-Link. |
| QMS-Artefakte | Dokumente des Qualitätsmanagementsystems mit Typ, Inhalt, verantwortlicher Rolle, freigebender Person, Review-Zyklus in Tagen und nächstem Prüftermin. |
| Behördenvorgänge | Einzelne Vorgänge gegenüber Behörden: Art, Auslöser, externes Aktenzeichen, Schwere, Verantwortlicher, Einreichungsstatus, Frist und Lessons Learned. |
Status-Modell
Klassifizierung, FRIA, Datensatzregister und QMS-Artefakte durchlaufen denselben vierstufigen Reifegrad.
| Status | Bedeutung |
|---|---|
| DRAFT | In Arbeit, noch nicht zur Prüfung gegeben. |
| REVIEW | Zur fachlichen Prüfung eingereicht. |
| APPROVED | Fachlich freigegeben. |
| FINAL | Abgeschlossen und für die Nachweisführung eingefroren. Das Klassifizierungsprofil trägt zusätzlich eine Versionsnummer, die bei wesentlichen Änderungen hochgezählt wird. |
Integrationshinweise in der Antwort
Assurance-Einträge können Integrationshinweise mitführen – etwa wenn ein Release auf eine Validierungssuite verweist, die es nicht mehr gibt, oder wenn ein Pipeline-Gate ohne Auswertung bleibt. Diese Hinweise erscheinen in der Oberfläche und in der API-Antwort; sie blockieren nichts, machen aber sichtbar, wo die Akte innerlich nicht zusammenpasst.
Nicht jedes System braucht alles
Für ein KI-System mit minimalem Risiko sind Klassifizierungsprofil und ein knappes Risikoregister ausreichend. Der volle Umfang – FRIA, Validierungssuiten, Pipeline-Gates, Behördenpaket – ist für Hochrisiko-Systeme gedacht. Der Versuch, alle 16 Register für jedes System zu füllen, erzeugt Dokumentation, die niemand pflegt, und ist in einer Prüfung eher schädlich als hilfreich.