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Leitfaden · DSGVO Art. 12–22

Stand: 4. Oktober 2026

Betroffenen­rechte nach DSGVO: Fristen, Ablauf und Fristenrechner

Auskunft, Löschung, Berichtigung, Widerspruch: Betroffenenanfragen kommen per E-Mail, Brief oder Kontaktformular – und ab dem Eingang läuft eine Frist von einem Monat. Hier finden Sie alle Rechte im Überblick, den Inhalt einer Auskunft nach Art. 15, die Regeln zur Fristberechnung und einen Fristenrechner mit Antwortfahrplan.

  • Alle Rechte aus Art. 15–22 und 77
  • Inhalt einer Auskunft nach Art. 15
  • Fristenrechner nach EDSA-Leitlinien
  • Betroffenenrechte bei KI-Systemen
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Betroffenenanfragen

Demo Organisation GmbH · 4 offene Vorgänge

A
  • Auskunft (Art. 15)Kundin · per E-Mail · Frist 04.11.2026In Bearbeitung
  • Löschung (Art. 17)Bewerber · Formular · Frist 21.10.2026Erfüllt
  • Widerspruch (Art. 21)Newsletter-Abonnent · Frist 16.10.2026Erfüllt
  • Auskunft (Art. 15)Ehemaliger Mitarbeiter · Frist 09.10.2026Identität prüfen

Beispieldaten · nach Frist sortiert

Kurz gesagt

Betroffene haben nach Art. 15–22 DSGVO ein Recht auf Auskunft, Berichtigung, Löschung, Einschränkung, Datenübertragbarkeit und Widerspruch. Der Verantwortliche muss unverzüglich, spätestens innerhalb eines Monats nach Eingang reagieren (Art. 12 Abs. 3). In komplexen Fällen ist eine Verlängerung um zwei Monate möglich – mit Begründung innerhalb des ersten Monats.

Grundlagen

Was Betroffenen­rechte sind – und was Unternehmen leisten müssen

Die DSGVO gibt jeder Person, deren Daten verarbeitet werden, eine Reihe von Rechten gegenüber dem Verantwortlichen. Kern sind die Art. 15 bis 22: Auskunft, Berichtigung, Löschung, Einschränkung der Verarbeitung, Mitteilung an Empfänger, Datenübertragbarkeit, Widerspruch und der Schutz vor ausschließlich automatisierten Entscheidungen. Dazu kommen die Informationspflichten nach Art. 13 und 14 und das Beschwerderecht bei einer Aufsichtsbehörde nach Art. 77.

Die Spielregeln für alle Anfragen stehen in Art. 12. Der Verantwortliche muss die Ausübung der Rechte erleichtern (Abs. 2), Informationen in präziser, transparenter, verständlicher und leicht zugänglicher Form übermitteln (Abs. 1) und grundsätzlich unentgeltlich handeln (Abs. 5). Stellt die Person ihren Antrag elektronisch, ist sie nach Möglichkeit auch elektronisch zu unterrichten (Abs. 3). An die Form des Antrags stellt die DSGVO keine Anforderungen, wie auch der Europäische Datenschutzausschuss betont – eine formlose E-Mail genügt.

Die wichtigste Zahl ist die Frist: Der Verantwortliche stellt Informationen über die ergriffenen Maßnahmen unverzüglich, in jedem Fall aber innerhalb eines Monats nach Eingang des Antrags zur Verfügung (Art. 12 Abs. 3). Wird er nicht tätig, muss er ebenfalls innerhalb eines Monats begründen, warum, und auf das Beschwerderecht und den Rechtsweg hinweisen (Abs. 4). Die Frist lässt sich um zwei weitere Monate verlängern, wenn Komplexität und Anzahl der Anträge das erfordern – die Person muss darüber aber innerhalb des ersten Monats mit Gründen informiert werden.

Wie die Monatsfrist berechnet wird, regelt die Fristenverordnung (EWG, Euratom) Nr. 1182/71, auf die der Europäische Datenschutzausschuss (EDSA) in seinen Leitlinien 01/2022 zum Auskunftsrecht verweist: Geht eine Anfrage am 5. März ein, endet die Frist am 5. April. Fehlt der entsprechende Tag – Eingang am 31. August –, endet sie am letzten Tag des Folgemonats, also am 30. September. Fällt das Fristende auf ein Wochenende oder einen Feiertag, haben Sie bis zum nächsten Arbeitstag Zeit. Der Fristenrechner weiter unten setzt genau das um.

Die Frist beginnt mit dem Eingang über einen offiziellen Kanal des Unternehmens – nicht erst, wenn die zuständige Person die Nachricht liest. Deshalb landen Anfragen, die in einem persönlichen Postfach oder beim Vertrieb eingehen, so häufig zu spät beim Datenschutz. Hat der Verantwortliche begründete Zweifel an der Identität, darf er zusätzliche Informationen anfordern (Art. 12 Abs. 6). Nach den EDSA-Leitlinien ruht die Frist dann, bis die nötigen Angaben vorliegen – sofern die Rückfrage unverzüglich gestellt wurde.

Unentgeltlich heißt: Für die erste Kopie und jede reguläre Maßnahme darf kein Geld verlangt werden. Nur bei offenkundig unbegründeten oder – insbesondere bei häufiger Wiederholung – exzessiven Anträgen darf der Verantwortliche ein angemessenes Entgelt verlangen oder sich weigern; den Nachweis dafür trägt er selbst (Art. 12 Abs. 5). Für weitere Kopien nach Art. 15 Abs. 3 ist ein Entgelt auf Basis der Verwaltungskosten zulässig.

Verstöße gegen die Betroffenenrechte gehören zur höheren Bußgeldstufe: Art. 83 Abs. 5 lit. b DSGVO sieht bis zu 20 Millionen Euro oder 4 % des weltweiten Jahresumsatzes vor, je nachdem, welcher Betrag höher ist. In der Praxis wichtiger: Eine verpasste oder unvollständige Auskunft führt häufig zu Beschwerden bei der Aufsichtsbehörde und zu Schadensersatzforderungen nach Art. 82. Ein sauberer, fristgesteuerter Prozess ist deshalb die beste Vorsorge.

Antwortfrist ab Eingang (Art. 12 Abs. 3)
1 Monat
Antwortfrist ab Eingang (Art. 12 Abs. 3)
Monate Verlängerung bei Komplexität – mit Begründung im ersten Monat
+ 2
Monate Verlängerung bei Komplexität – mit Begründung im ersten Monat
oder 4 % Umsatz: Bußgeldrahmen bei Verstößen gegen Art. 12–22 (Art. 83 Abs. 5)
20 Mio. €
oder 4 % Umsatz: Bußgeldrahmen bei Verstößen gegen Art. 12–22 (Art. 83 Abs. 5)

Überblick

Alle Betroffenen­rechte der DSGVO auf einen Blick

Was jede betroffene Person verlangen kann, unter welchen Voraussetzungen und was Sie als Verantwortlicher tun müssen. Die Ausnahmen sind verkürzt – maßgeblich ist der Gesetzestext.

Information
VoraussetzungBei jeder Erhebung – ohne Antrag
Was Sie tun müssenDatenschutzhinweise mit Zwecken, Rechtsgrundlage, Empfängern, Speicherdauer, Rechten
Wichtige GrenzenArt. 13 Abs. 4, Art. 14 Abs. 5
FundstelleArt. 13, 14
Auskunft
VoraussetzungAntrag der Person
Was Sie tun müssenBestätigung, ob Daten verarbeitet werden; Auskunft über die Daten und die Angaben nach Abs. 1 lit. a–h; Kopie der Daten
Wichtige GrenzenRechte anderer (Abs. 4); nationale Einschränkungen, z. B. § 34 BDSG
FundstelleArt. 15
Berichtigung
VoraussetzungDaten sind unrichtig oder unvollständig
Was Sie tun müssenUnverzüglich berichtigen oder vervollständigen, auch per ergänzender Erklärung
Wichtige Grenzen–
FundstelleArt. 16
Löschung
VoraussetzungEiner der Gründe aus Abs. 1, z. B. Zweck entfallen, Einwilligung widerrufen, Widerspruch, unrechtmäßige Verarbeitung
Was Sie tun müssenUnverzüglich löschen; bei veröffentlichten Daten andere Verantwortliche informieren (Abs. 2)
Wichtige GrenzenAbs. 3, z. B. gesetzliche Aufbewahrungspflicht, Rechtsansprüche
FundstelleArt. 17
Einschränkung
VoraussetzungRichtigkeit bestritten, unrechtmäßige Verarbeitung ohne Löschwunsch, Daten für Rechtsansprüche nötig, Widerspruch in Prüfung
Was Sie tun müssenDaten nur noch speichern; Nutzung nur mit Einwilligung oder in den Fällen von Abs. 2; vor Aufhebung informieren
Wichtige Grenzen–
FundstelleArt. 18
Mitteilung an Empfänger
VoraussetzungBerichtigung, Löschung oder Einschränkung erfolgt
Was Sie tun müssenAlle Empfänger informieren; der Person auf Verlangen die Empfänger nennen
Wichtige GrenzenUnmöglich oder unverhältnismäßiger Aufwand
FundstelleArt. 19
Datenübertragbarkeit
VoraussetzungVerarbeitung beruht auf Einwilligung oder Vertrag und erfolgt automatisiert
Was Sie tun müssenBereitgestellte Daten in strukturiertem, gängigem, maschinenlesbarem Format; auf Wunsch direkt an anderen Verantwortlichen, soweit technisch machbar
Wichtige GrenzenRechte anderer (Abs. 4); öffentliche Aufgaben
FundstelleArt. 20
Widerspruch
VoraussetzungVerarbeitung auf Grundlage von Art. 6 Abs. 1 lit. e oder f; bei Direktwerbung immer
Was Sie tun müssenVerarbeitung beenden, außer zwingende schutzwürdige Gründe oder Rechtsansprüche; bei Direktwerbung ohne Abwägung beenden
Wichtige GrenzenHinweis auf das Recht spätestens bei erster Kommunikation (Abs. 4)
FundstelleArt. 21
Keine rein automatisierte Entscheidung
VoraussetzungEntscheidung ausschließlich automatisiert, mit Rechtswirkung oder ähnlich erheblicher Beeinträchtigung
Was Sie tun müssenNur in den Fällen von Abs. 2; dann Recht auf menschliches Eingreifen, Darlegung des Standpunkts und Anfechtung
Wichtige GrenzenAbs. 2 lit. a–c
FundstelleArt. 22
Beschwerde
VoraussetzungPerson hält die Verarbeitung für rechtswidrig
Was Sie tun müssenBei Ablehnung oder Untätigkeit auf das Beschwerderecht hinweisen (Art. 12 Abs. 4)
Wichtige Grenzen–
FundstelleArt. 77

Die Rechte aus Art. 15–22 sind grundsätzlich unentgeltlich (Art. 12 Abs. 5). Zweifel an der Identität berechtigen zu Rückfragen (Art. 12 Abs. 6), nicht zur Ablehnung.

Auskunft nach Art. 15

Was eine vollständige Auskunft enthalten muss

Das Auskunftsrecht ist das mit Abstand häufigste Betroffenenrecht – und das aufwendigste. Diese Angaben gehören in jede Antwort, wenn Daten verarbeitet werden. Die rechte Spalte zeigt, woher Sie sie bekommen.

Bestätigung
InhaltOb personenbezogene Daten der Person verarbeitet werden – auch eine Negativauskunft ist eine Antwort.
Woher die Information kommtSuche in allen Systemen
FundstelleAbs. 1 Hs. 1
Die Daten selbst
InhaltAuskunft über die Daten und eine Kopie der Daten, die Gegenstand der Verarbeitung sind.
Woher die Information kommtFachsysteme, E-Mail, Ablagen, Dienstleister
FundstelleAbs. 1, Abs. 3
Verarbeitungszwecke
InhaltWofür die Daten verarbeitet werden.
Woher die Information kommtVerarbeitungsverzeichnis
Fundstellelit. a
Datenkategorien
InhaltWelche Arten von Daten verarbeitet werden.
Woher die Information kommtVerarbeitungsverzeichnis
Fundstellelit. b
Empfänger
InhaltEmpfänger oder Kategorien, insbesondere in Drittländern.
Woher die Information kommtVVT, Liste der Auftragsverarbeiter
Fundstellelit. c
Speicherdauer
InhaltGeplante Dauer oder die Kriterien dafür.
Woher die Information kommtLöschkonzept
Fundstellelit. d
Rechte
InhaltBerichtigung, Löschung, Einschränkung, Widerspruch; Beschwerderecht bei einer Aufsichtsbehörde.
Woher die Information kommtTextbaustein
Fundstellelit. e, f
Herkunft
InhaltAlle verfügbaren Informationen über die Herkunft, wenn nicht bei der Person erhoben.
Woher die Information kommtVVT (Datenquelle), CRM
Fundstellelit. g
Automatisierte Entscheidungen
InhaltOb Art. 22 greift; dann aussagekräftige Informationen über Logik, Tragweite und Auswirkungen.
Woher die Information kommtKI-Inventar, Systemdokumentation
Fundstellelit. h
Garantien bei Drittland
InhaltUnterrichtung über geeignete Garantien nach Art. 46 bei Übermittlungen.
Woher die Information kommtAVV, Standardvertragsklauseln
FundstelleAbs. 2
Form
InhaltBei elektronischem Antrag in einem gängigen elektronischen Format, sofern nichts anderes gewünscht.
Woher die Information kommtExport, PDF
FundstelleAbs. 3
Rechte Dritter
InhaltDie Kopie darf Rechte und Freiheiten anderer Personen nicht beeinträchtigen – ggf. schwärzen.
Woher die Information kommtPrüfung vor Versand
FundstelleAbs. 4

Ein Verarbeitungsverzeichnis mit Datenquelle und Systemen beantwortet lit. a–g fast vollständig. Aufwendig bleibt das Zusammentragen der Daten selbst.

Fristen

Fristen bei Betroffenen­anfragen: was wann zu tun ist

Alle Fristen laufen ab Eingang des Antrags. Die Beispiele folgen der Fristenverordnung 1182/71 und den EDSA-Leitlinien 01/2022.

Antwort mit den ergriffenen Maßnahmen
FristUnverzüglich, spätestens 1 Monat nach Eingang
FundstelleArt. 12 Abs. 3 S. 1
Verlängerung wegen Komplexität oder Anzahl der Anträge
FristUm 2 weitere Monate
FundstelleArt. 12 Abs. 3 S. 2
Mitteilung über die Verlängerung mit Gründen
FristInnerhalb 1 Monats nach Eingang
FundstelleArt. 12 Abs. 3 S. 3
Ablehnung oder Untätigkeit begründen, Hinweis auf Beschwerde und Rechtsweg
FristOhne Verzögerung, spätestens 1 Monat nach Eingang
FundstelleArt. 12 Abs. 4
Rückfrage bei Zweifeln an der Identität
FristUnverzüglich stellen; Frist ruht bis zur Antwort
FundstelleArt. 12 Abs. 6; EDSA-Leitlinien 01/2022
Beispiel: Eingang 5. März
FristFristende 5. April
FundstelleVO 1182/71 Art. 3 Abs. 2 lit. c
Beispiel: Eingang 31. August
FristFristende 30. September (Monatsletzter)
FundstelleVO 1182/71 Art. 3 Abs. 2 lit. c
Fristende an Samstag, Sonntag oder Feiertag
FristNächster Arbeitstag
FundstelleVO 1182/71 Art. 3 Abs. 4
Berichtigung, Löschung
FristUnverzüglich
FundstelleArt. 16, Art. 17 Abs. 1

Nach den EDSA-Leitlinien ist die Verlängerung eine Ausnahme und sollte nicht zur Regel werden. Wer häufig verlängert, sollte seinen Prozess verbessern.

Interaktiv

Fristenrechner und Antwortfahrplan

Geben Sie das Eingangsdatum ein und wählen Sie die Art der Anfrage. Sie sehen das Fristende, das Ende einer möglichen Verlängerung und die Schritte, die Sie bis dahin erledigen sollten. Es werden keine Daten gespeichert oder übertragen.

Art der Anfrage

Feiertage sind nicht berücksichtigt – fällt das Fristende auf einen Feiertag in Ihrem Bundesland, gilt der nächste Arbeitstag.

app.simpleact.de

Fristen und Fahrplan

Auskunft · Art. 15

A

Wählen Sie ein Eingangsdatum.

Antwortfahrplan

  1. 1Eingang dokumentieren, Frist notieren
  2. 2Identität prüfen – bei begründeten Zweifeln sofort nachfragen
  3. 3Alle Systeme durchsuchen, auch E-Mail, Ablagen und Dienstleister
  4. 4Angaben nach Art. 15 Abs. 1 lit. a–h aus dem VVT zusammenstellen
  5. 5Kopie erstellen, Daten Dritter schwärzen (Abs. 4)
  6. 6Antwort im gängigen elektronischen Format versenden, Versand dokumentieren

Arbeitshilfe, keine Rechtsberatung. Die Berechnung folgt VO 1182/71 und den EDSA-Leitlinien 01/2022; im Zweifel früher antworten.

Betroffenenrechte und KI

Betroffenen­rechte bei KI-Systemen: Was zusätzlich zu beachten ist

Die DSGVO-Rechte gelten auch für Daten, die durch KI-Systeme laufen. Einige Fragen stellen sich dort schärfer. Diese Punkte sind unsere Empfehlung.

01

Auskunft umfasst Prompts und Protokolle

Speichert ein KI-Tool Eingaben, Verläufe oder Ausgaben mit Personenbezug, gehören sie zur Auskunft. Klären Sie mit dem Anbieter, wie sich Daten einer Person finden und exportieren lassen – am besten schon im AVV (Art. 28 Abs. 3 lit. e).

02

Logik bei automatisierten Entscheidungen

Trifft ein System Entscheidungen nach Art. 22 Abs. 1, gehören aussagekräftige Informationen über die involvierte Logik, Tragweite und Auswirkungen zur Auskunft (Art. 15 Abs. 1 lit. h).

03

Löschung und trainierte Modelle

Wurden Daten zum Training genutzt, lässt sich eine Löschung im Modell oft nicht einfach umsetzen. Umso wichtiger ist es, vorher festzulegen, ob personenbezogene Daten überhaupt ins Training fließen dürfen.

04

Berichtigung falscher Ausgaben

Erzeugt ein System unrichtige Angaben über eine Person, die gespeichert oder weiterverwendet werden, greift Art. 16. Prozesse zur Korrektur und Kennzeichnung sollten vorher stehen.

05

Widerspruch gegen Profiling

Profiling auf Grundlage von Art. 6 Abs. 1 lit. e oder f ist vom Widerspruchsrecht erfasst; bei Direktwerbung ohne Abwägung (Art. 21 Abs. 1, 2).

06

Erläuterung nach der KI-Verordnung

Für Entscheidungen auf Grundlage von Hochrisiko-KI nach Anhang III gibt Art. 86 KI-VO ein Recht auf Erläuterung; Betreiber informieren Betroffene über den Einsatz (Art. 26 Abs. 11). Diese Informationspflicht gilt für Anhang-III-Systeme nach dem Digital Omnibus ab 2. Dezember 2027. Art. 86 selbst wurde nicht verschoben; weil die Hochrisiko-Einstufung nach Anhang III aber erst ab diesem Tag gilt, wird das Recht auf Erläuterung praktisch ebenfalls erst dann relevant.

Die Rechte der KI-Verordnung ergänzen die DSGVO-Rechte, sie ersetzen sie nicht.

Vorgehen

Betroffenen­anfragen bearbeiten in 7 Schritten

So wird aus einer E-Mail im falschen Postfach ein fristgerechter Vorgang. Der Ablauf ist eine Empfehlung aus der Praxis.

  1. 1

    Eingangskanäle festlegen

    Benennen Sie eine Adresse oder ein Formular und schulen Sie Vertrieb, Support und Empfang: Jede Anfrage geht am selben Tag an den Datenschutz. Die Frist läuft ab Eingang, nicht ab Weiterleitung.

  2. 2

    Erfassen und Frist setzen

    Eingangsdatum, Art der Anfrage, Kontaktweg. Fristende und mögliches Verlängerungsende sofort berechnen und zuweisen.

  3. 3

    Identität prüfen

    Nur so viel wie nötig: Abgleich mit vorhandenen Daten genügt oft. Bei begründeten Zweifeln sofort nachfragen (Art. 12 Abs. 6) – keine Ausweiskopie auf Vorrat.

  4. 4

    Daten finden

    Mit dem Verarbeitungsverzeichnis als Landkarte alle Systeme durchsuchen, auch E-Mail, Ablagen und Auftragsverarbeiter.

  5. 5

    Prüfen und entscheiden

    Voraussetzungen und Ausnahmen prüfen, Rechte Dritter beachten, Entscheidung dokumentieren.

  6. 6

    Antworten

    Klar und verständlich, bei elektronischem Antrag elektronisch. Bei Ablehnung Gründe sowie Beschwerderecht und Rechtsweg nennen.

  7. 7

    Dokumentieren

    Vorgang, Prüfung, Antwort und Versand festhalten. Die Dokumentation ist Ihr Nachweis nach Art. 5 Abs. 2 – und die Grundlage, den Prozess zu verbessern.

Grenzen

Wann Sie eine Anfrage einschränken oder ablehnen dürfen

Die DSGVO kennt nur wenige Gründe, eine Anfrage abzulehnen. Offenkundig unbegründete oder – insbesondere bei häufiger Wiederholung – exzessive Anträge darf der Verantwortliche ablehnen oder ein angemessenes Entgelt verlangen; er muss den Charakter des Antrags aber nachweisen (Art. 12 Abs. 5). Kann er die Person nicht identifizieren und macht das glaubhaft, darf er sich ebenfalls weigern (Art. 12 Abs. 2 i. V. m. Art. 11 Abs. 2).

Daneben gibt es rechtsspezifische Grenzen: Die Löschung entfällt etwa, soweit eine gesetzliche Aufbewahrungspflicht besteht oder die Daten für Rechtsansprüche gebraucht werden (Art. 17 Abs. 3). Die Kopie nach Art. 15 und die Datenübertragbarkeit dürfen die Rechte und Freiheiten anderer Personen nicht beeinträchtigen. In Deutschland schränkt § 34 BDSG das Auskunftsrecht unter weiteren Voraussetzungen ein, etwa für Daten, die nur wegen gesetzlicher Aufbewahrungsvorschriften gespeichert sind.

Auch eine Ablehnung ist eine Antwort mit Frist: Innerhalb eines Monats sind die Gründe zu nennen und auf das Beschwerderecht bei einer Aufsichtsbehörde und den Rechtsweg hinzuweisen (Art. 12 Abs. 4). Eine Ablehnung ohne dokumentierte Begründung ist bei einer Beschwerde kaum zu halten.

  • Offenkundig unbegründet oder exzessiv – mit Nachweis
  • Person nicht identifizierbar (Art. 11 Abs. 2)
  • Ausnahmen des jeweiligen Rechts, z. B. Art. 17 Abs. 3
  • Rechte Dritter (Art. 15 Abs. 4, Art. 20 Abs. 4)
  • Nationale Einschränkungen, z. B. § 34 BDSG

Häufige Fehler

Sechs Fehler bei Betroffenen­anfragen

Frist ab Weiterleitung gerechnet

Die Frist läuft ab Eingang beim Unternehmen. Eine Anfrage, die zwei Wochen im Vertriebspostfach lag, hat nur noch zwei Wochen.

Formular oder Ausweis verlangt

Eine formlose Anfrage genügt. Eine Ausweiskopie nur bei begründeten Zweifeln; ist die Person bereits authentifiziert, hält der EDSA sie für unverhältnismäßig.

Nur die Stammdaten beauskunftet

Zur Auskunft gehören auch E-Mails, Notizen, Protokolle und Daten bei Auftragsverarbeitern – und die Angaben nach lit. a–h.

Verlängerung ohne Mitteilung

Die Verlängerung ist nur wirksam, wenn die Person innerhalb des ersten Monats mit Gründen informiert wird.

Löschung trotz Aufbewahrungspflicht

Wo Handels- oder Steuerrecht Aufbewahrung verlangt, wird gesperrt statt gelöscht – und die Person darüber informiert.

Auskunft an die falsche Person

Wer ohne Prüfung an eine fremde Adresse schickt, verursacht selbst eine Datenschutzverletzung.

Mit SimpleAct

Betroffenen­anfragen in SimpleAct

Das DSGVO-Modul (ab Professional) macht aus jeder Anfrage einen Vorgang mit berechneter Frist, Status und einem Antwortpaket.

  • Anfragearten nach Art. 15, 16, 17, 18, 20 und 21
  • Frist wird aus dem Eingangsdatum berechnet
  • Liste nach Frist sortiert, überfällige Vorgänge markiert
  • Status von „eingegangen“ bis „erfüllt“ oder „abgelehnt“
  • Interne Erfassung oder öffentliches Formular mit E-Mail-Bestätigung
  • Antwortpaket als ZIP mit VVT-Auszug, Datenschutzhinweisen und Auftragsverarbeitern

Das Antwortpaket ist ein Entwurf

Es enthält die strukturellen Angaben Ihrer Organisation, nicht die konkreten Daten der Person aus Ihren Fachsystemen. Identität und Inhalt prüfen Sie vor dem Versand selbst.

DSGVO-Modul ansehen

FAQ

Häufige Fragen zu Betroffenen­rechten

Unverzüglich, spätestens innerhalb eines Monats nach Eingang des Antrags (Art. 12 Abs. 3 DSGVO). In komplexen Fällen oder bei vielen Anträgen kann die Frist um zwei Monate verlängert werden; die Person muss darüber innerhalb des ersten Monats mit Gründen informiert werden.
Nach der Fristenverordnung (EWG, Euratom) Nr. 1182/71, auf die der EDSA verweist: Eingang am 5. März, Fristende am 5. April. Gibt es den Tag im Folgemonat nicht, endet die Frist am Monatsletzten (31. August → 30. September). Fällt das Ende auf ein Wochenende oder einen Feiertag, gilt der nächste Arbeitstag.
Nein. Die DSGVO schreibt keine Form vor. Eine E-Mail, ein Brief oder ein Anruf genügt. Der Verantwortliche muss die Ausübung der Rechte erleichtern (Art. 12 Abs. 2); ein Formular kann er anbieten, aber nicht zur Bedingung machen, wenn die Anfrage auf anderem Weg eingeht.
Nur bei begründeten Zweifeln an der Identität und nur, soweit es zur Bestätigung erforderlich ist (Art. 12 Abs. 6). Oft genügt ein Abgleich mit vorhandenen Daten, etwa Kundennummer oder hinterlegte E-Mail-Adresse.
Nein, Auskunft und Maßnahmen nach Art. 15–22 sind unentgeltlich (Art. 12 Abs. 5). Ein angemessenes Entgelt ist nur bei offenkundig unbegründeten oder exzessiven Anträgen und für weitere Kopien nach Art. 15 Abs. 3 zulässig.
Die Bestätigung, ob Daten verarbeitet werden, die Daten selbst als Kopie und die Angaben nach Abs. 1 lit. a–h: Zwecke, Datenkategorien, Empfänger, Speicherdauer, Rechte, Beschwerderecht, Herkunft und gegebenenfalls Informationen zu automatisierten Entscheidungen. Bei Drittlandübermittlungen kommen die Garantien nach Art. 46 dazu.
Wenn eine Ausnahme nach Art. 17 Abs. 3 greift – etwa eine gesetzliche Aufbewahrungspflicht nach Handels- oder Steuerrecht oder wenn die Daten zur Geltendmachung, Ausübung oder Verteidigung von Rechtsansprüchen erforderlich sind. Dann wird die Verarbeitung eingeschränkt statt gelöscht.
Gegen Direktwerbung immer und ohne Abwägung (Art. 21 Abs. 2, 3). Gegen Verarbeitungen auf Grundlage von Art. 6 Abs. 1 lit. e oder f, wenn sich Gründe aus der besonderen Situation der Person ergeben; der Verantwortliche darf dann nur weiterverarbeiten, wenn er zwingende schutzwürdige Gründe nachweist oder Rechtsansprüche verfolgt.
Die Person kann sich bei der Aufsichtsbehörde beschweren (Art. 77) und Schadensersatz verlangen (Art. 82). Verstöße gegen die Art. 12–22 können nach Art. 83 Abs. 5 lit. b mit bis zu 20 Millionen Euro oder 4 % des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden.
Ja. Speichert ein KI-Tool Eingaben, Verläufe oder Ausgaben mit Personenbezug, sind sie von Auskunft, Berichtigung und Löschung umfasst. Bei automatisierten Entscheidungen nach Art. 22 gehören Informationen über die Logik zur Auskunft. Für Hochrisiko-KI nach Anhang III kommt das Recht auf Erläuterung nach Art. 86 KI-VO hinzu – praktisch relevant ab 2. Dezember 2027, wenn die Hochrisiko-Regeln für Anhang III gelten.

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Quellen und Stand

Stand: · Redaktion SimpleAct

Dieser Leitfaden dient der allgemeinen Information und ist keine Rechtsberatung. Ausnahmen sind verkürzt dargestellt; maßgeblich ist der Gesetzestext.

Änderungen

  • 2026-10-04 – Seite neu aufgebaut: Rechte-Übersicht, Inhalt der Auskunft, Fristentabelle, Fristenrechner mit Fahrplan, KI-Abschnitt, Grenzen.
  • 2026-06-13 – Erste Fassung.

Keine Betroffenenanfrage mehr im falschen Postfach

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