Leitfaden · DSGVO Art. 12–22
Stand: 4. Oktober 2026
Betroffenenrechte nach DSGVO: Fristen, Ablauf und Fristenrechner
Auskunft, Löschung, Berichtigung, Widerspruch: Betroffenenanfragen kommen per E-Mail, Brief oder Kontaktformular – und ab dem Eingang läuft eine Frist von einem Monat. Hier finden Sie alle Rechte im Überblick, den Inhalt einer Auskunft nach Art. 15, die Regeln zur Fristberechnung und einen Fristenrechner mit Antwortfahrplan.
- Alle Rechte aus Art. 15–22 und 77
- Inhalt einer Auskunft nach Art. 15
- Fristenrechner nach EDSA-Leitlinien
- Betroffenenrechte bei KI-Systemen
Betroffenenanfragen
Demo Organisation GmbH · 4 offene Vorgänge
- Auskunft (Art. 15)Kundin · per E-Mail · Frist 04.11.2026In Bearbeitung
- Löschung (Art. 17)Bewerber · Formular · Frist 21.10.2026Erfüllt
- Widerspruch (Art. 21)Newsletter-Abonnent · Frist 16.10.2026Erfüllt
- Auskunft (Art. 15)Ehemaliger Mitarbeiter · Frist 09.10.2026Identität prüfen
Beispieldaten · nach Frist sortiert
Kurz gesagt
Betroffene haben nach Art. 15–22 DSGVO ein Recht auf Auskunft, Berichtigung, Löschung, Einschränkung, Datenübertragbarkeit und Widerspruch. Der Verantwortliche muss unverzüglich, spätestens innerhalb eines Monats nach Eingang reagieren (Art. 12 Abs. 3). In komplexen Fällen ist eine Verlängerung um zwei Monate möglich – mit Begründung innerhalb des ersten Monats.
Grundlagen
Was Betroffenenrechte sind – und was Unternehmen leisten müssen
Die DSGVO gibt jeder Person, deren Daten verarbeitet werden, eine Reihe von Rechten gegenüber dem Verantwortlichen. Kern sind die Art. 15 bis 22: Auskunft, Berichtigung, Löschung, Einschränkung der Verarbeitung, Mitteilung an Empfänger, Datenübertragbarkeit, Widerspruch und der Schutz vor ausschließlich automatisierten Entscheidungen. Dazu kommen die Informationspflichten nach Art. 13 und 14 und das Beschwerderecht bei einer Aufsichtsbehörde nach Art. 77.
Die Spielregeln für alle Anfragen stehen in Art. 12. Der Verantwortliche muss die Ausübung der Rechte erleichtern (Abs. 2), Informationen in präziser, transparenter, verständlicher und leicht zugänglicher Form übermitteln (Abs. 1) und grundsätzlich unentgeltlich handeln (Abs. 5). Stellt die Person ihren Antrag elektronisch, ist sie nach Möglichkeit auch elektronisch zu unterrichten (Abs. 3). An die Form des Antrags stellt die DSGVO keine Anforderungen, wie auch der Europäische Datenschutzausschuss betont – eine formlose E-Mail genügt.
Die wichtigste Zahl ist die Frist: Der Verantwortliche stellt Informationen über die ergriffenen Maßnahmen unverzüglich, in jedem Fall aber innerhalb eines Monats nach Eingang des Antrags zur Verfügung (Art. 12 Abs. 3). Wird er nicht tätig, muss er ebenfalls innerhalb eines Monats begründen, warum, und auf das Beschwerderecht und den Rechtsweg hinweisen (Abs. 4). Die Frist lässt sich um zwei weitere Monate verlängern, wenn Komplexität und Anzahl der Anträge das erfordern – die Person muss darüber aber innerhalb des ersten Monats mit Gründen informiert werden.
Wie die Monatsfrist berechnet wird, regelt die Fristenverordnung (EWG, Euratom) Nr. 1182/71, auf die der Europäische Datenschutzausschuss (EDSA) in seinen Leitlinien 01/2022 zum Auskunftsrecht verweist: Geht eine Anfrage am 5. März ein, endet die Frist am 5. April. Fehlt der entsprechende Tag – Eingang am 31. August –, endet sie am letzten Tag des Folgemonats, also am 30. September. Fällt das Fristende auf ein Wochenende oder einen Feiertag, haben Sie bis zum nächsten Arbeitstag Zeit. Der Fristenrechner weiter unten setzt genau das um.
Die Frist beginnt mit dem Eingang über einen offiziellen Kanal des Unternehmens – nicht erst, wenn die zuständige Person die Nachricht liest. Deshalb landen Anfragen, die in einem persönlichen Postfach oder beim Vertrieb eingehen, so häufig zu spät beim Datenschutz. Hat der Verantwortliche begründete Zweifel an der Identität, darf er zusätzliche Informationen anfordern (Art. 12 Abs. 6). Nach den EDSA-Leitlinien ruht die Frist dann, bis die nötigen Angaben vorliegen – sofern die Rückfrage unverzüglich gestellt wurde.
Unentgeltlich heißt: Für die erste Kopie und jede reguläre Maßnahme darf kein Geld verlangt werden. Nur bei offenkundig unbegründeten oder – insbesondere bei häufiger Wiederholung – exzessiven Anträgen darf der Verantwortliche ein angemessenes Entgelt verlangen oder sich weigern; den Nachweis dafür trägt er selbst (Art. 12 Abs. 5). Für weitere Kopien nach Art. 15 Abs. 3 ist ein Entgelt auf Basis der Verwaltungskosten zulässig.
Verstöße gegen die Betroffenenrechte gehören zur höheren Bußgeldstufe: Art. 83 Abs. 5 lit. b DSGVO sieht bis zu 20 Millionen Euro oder 4 % des weltweiten Jahresumsatzes vor, je nachdem, welcher Betrag höher ist. In der Praxis wichtiger: Eine verpasste oder unvollständige Auskunft führt häufig zu Beschwerden bei der Aufsichtsbehörde und zu Schadensersatzforderungen nach Art. 82. Ein sauberer, fristgesteuerter Prozess ist deshalb die beste Vorsorge.
- Antwortfrist ab Eingang (Art. 12 Abs. 3)
- 1 Monat
- Antwortfrist ab Eingang (Art. 12 Abs. 3)
- Monate Verlängerung bei Komplexität – mit Begründung im ersten Monat
- + 2
- Monate Verlängerung bei Komplexität – mit Begründung im ersten Monat
- oder 4 % Umsatz: Bußgeldrahmen bei Verstößen gegen Art. 12–22 (Art. 83 Abs. 5)
- 20 Mio. €
- oder 4 % Umsatz: Bußgeldrahmen bei Verstößen gegen Art. 12–22 (Art. 83 Abs. 5)
Überblick
Alle Betroffenenrechte der DSGVO auf einen Blick
Was jede betroffene Person verlangen kann, unter welchen Voraussetzungen und was Sie als Verantwortlicher tun müssen. Die Ausnahmen sind verkürzt – maßgeblich ist der Gesetzestext.
- Information
- VoraussetzungBei jeder Erhebung – ohne Antrag
- Was Sie tun müssenDatenschutzhinweise mit Zwecken, Rechtsgrundlage, Empfängern, Speicherdauer, Rechten
- Wichtige GrenzenArt. 13 Abs. 4, Art. 14 Abs. 5
- FundstelleArt. 13, 14
- Auskunft
- VoraussetzungAntrag der Person
- Was Sie tun müssenBestätigung, ob Daten verarbeitet werden; Auskunft über die Daten und die Angaben nach Abs. 1 lit. a–h; Kopie der Daten
- Wichtige GrenzenRechte anderer (Abs. 4); nationale Einschränkungen, z. B. § 34 BDSG
- FundstelleArt. 15
- Berichtigung
- VoraussetzungDaten sind unrichtig oder unvollständig
- Was Sie tun müssenUnverzüglich berichtigen oder vervollständigen, auch per ergänzender Erklärung
- Wichtige Grenzen–
- FundstelleArt. 16
- Löschung
- VoraussetzungEiner der Gründe aus Abs. 1, z. B. Zweck entfallen, Einwilligung widerrufen, Widerspruch, unrechtmäßige Verarbeitung
- Was Sie tun müssenUnverzüglich löschen; bei veröffentlichten Daten andere Verantwortliche informieren (Abs. 2)
- Wichtige GrenzenAbs. 3, z. B. gesetzliche Aufbewahrungspflicht, Rechtsansprüche
- FundstelleArt. 17
- Einschränkung
- VoraussetzungRichtigkeit bestritten, unrechtmäßige Verarbeitung ohne Löschwunsch, Daten für Rechtsansprüche nötig, Widerspruch in Prüfung
- Was Sie tun müssenDaten nur noch speichern; Nutzung nur mit Einwilligung oder in den Fällen von Abs. 2; vor Aufhebung informieren
- Wichtige Grenzen–
- FundstelleArt. 18
- Mitteilung an Empfänger
- VoraussetzungBerichtigung, Löschung oder Einschränkung erfolgt
- Was Sie tun müssenAlle Empfänger informieren; der Person auf Verlangen die Empfänger nennen
- Wichtige GrenzenUnmöglich oder unverhältnismäßiger Aufwand
- FundstelleArt. 19
- Datenübertragbarkeit
- VoraussetzungVerarbeitung beruht auf Einwilligung oder Vertrag und erfolgt automatisiert
- Was Sie tun müssenBereitgestellte Daten in strukturiertem, gängigem, maschinenlesbarem Format; auf Wunsch direkt an anderen Verantwortlichen, soweit technisch machbar
- Wichtige GrenzenRechte anderer (Abs. 4); öffentliche Aufgaben
- FundstelleArt. 20
- Widerspruch
- VoraussetzungVerarbeitung auf Grundlage von Art. 6 Abs. 1 lit. e oder f; bei Direktwerbung immer
- Was Sie tun müssenVerarbeitung beenden, außer zwingende schutzwürdige Gründe oder Rechtsansprüche; bei Direktwerbung ohne Abwägung beenden
- Wichtige GrenzenHinweis auf das Recht spätestens bei erster Kommunikation (Abs. 4)
- FundstelleArt. 21
- Keine rein automatisierte Entscheidung
- VoraussetzungEntscheidung ausschließlich automatisiert, mit Rechtswirkung oder ähnlich erheblicher Beeinträchtigung
- Was Sie tun müssenNur in den Fällen von Abs. 2; dann Recht auf menschliches Eingreifen, Darlegung des Standpunkts und Anfechtung
- Wichtige GrenzenAbs. 2 lit. a–c
- FundstelleArt. 22
- Beschwerde
- VoraussetzungPerson hält die Verarbeitung für rechtswidrig
- Was Sie tun müssenBei Ablehnung oder Untätigkeit auf das Beschwerderecht hinweisen (Art. 12 Abs. 4)
- Wichtige Grenzen–
- FundstelleArt. 77
Die Rechte aus Art. 15–22 sind grundsätzlich unentgeltlich (Art. 12 Abs. 5). Zweifel an der Identität berechtigen zu Rückfragen (Art. 12 Abs. 6), nicht zur Ablehnung.
Auskunft nach Art. 15
Was eine vollständige Auskunft enthalten muss
Das Auskunftsrecht ist das mit Abstand häufigste Betroffenenrecht – und das aufwendigste. Diese Angaben gehören in jede Antwort, wenn Daten verarbeitet werden. Die rechte Spalte zeigt, woher Sie sie bekommen.
- Bestätigung
- InhaltOb personenbezogene Daten der Person verarbeitet werden – auch eine Negativauskunft ist eine Antwort.
- Woher die Information kommtSuche in allen Systemen
- FundstelleAbs. 1 Hs. 1
- Die Daten selbst
- InhaltAuskunft über die Daten und eine Kopie der Daten, die Gegenstand der Verarbeitung sind.
- Woher die Information kommtFachsysteme, E-Mail, Ablagen, Dienstleister
- FundstelleAbs. 1, Abs. 3
- Verarbeitungszwecke
- InhaltWofür die Daten verarbeitet werden.
- Woher die Information kommtVerarbeitungsverzeichnis
- Fundstellelit. a
- Datenkategorien
- InhaltWelche Arten von Daten verarbeitet werden.
- Woher die Information kommtVerarbeitungsverzeichnis
- Fundstellelit. b
- Empfänger
- InhaltEmpfänger oder Kategorien, insbesondere in Drittländern.
- Woher die Information kommtVVT, Liste der Auftragsverarbeiter
- Fundstellelit. c
- Speicherdauer
- InhaltGeplante Dauer oder die Kriterien dafür.
- Woher die Information kommtLöschkonzept
- Fundstellelit. d
- Rechte
- InhaltBerichtigung, Löschung, Einschränkung, Widerspruch; Beschwerderecht bei einer Aufsichtsbehörde.
- Woher die Information kommtTextbaustein
- Fundstellelit. e, f
- Herkunft
- InhaltAlle verfügbaren Informationen über die Herkunft, wenn nicht bei der Person erhoben.
- Woher die Information kommtVVT (Datenquelle), CRM
- Fundstellelit. g
- Automatisierte Entscheidungen
- InhaltOb Art. 22 greift; dann aussagekräftige Informationen über Logik, Tragweite und Auswirkungen.
- Woher die Information kommtKI-Inventar, Systemdokumentation
- Fundstellelit. h
- Garantien bei Drittland
- InhaltUnterrichtung über geeignete Garantien nach Art. 46 bei Übermittlungen.
- Woher die Information kommtAVV, Standardvertragsklauseln
- FundstelleAbs. 2
- Form
- InhaltBei elektronischem Antrag in einem gängigen elektronischen Format, sofern nichts anderes gewünscht.
- Woher die Information kommtExport, PDF
- FundstelleAbs. 3
- Rechte Dritter
- InhaltDie Kopie darf Rechte und Freiheiten anderer Personen nicht beeinträchtigen – ggf. schwärzen.
- Woher die Information kommtPrüfung vor Versand
- FundstelleAbs. 4
Ein Verarbeitungsverzeichnis mit Datenquelle und Systemen beantwortet lit. a–g fast vollständig. Aufwendig bleibt das Zusammentragen der Daten selbst.
Fristen
Fristen bei Betroffenenanfragen: was wann zu tun ist
Alle Fristen laufen ab Eingang des Antrags. Die Beispiele folgen der Fristenverordnung 1182/71 und den EDSA-Leitlinien 01/2022.
- Antwort mit den ergriffenen Maßnahmen
- FristUnverzüglich, spätestens 1 Monat nach Eingang
- FundstelleArt. 12 Abs. 3 S. 1
- Verlängerung wegen Komplexität oder Anzahl der Anträge
- FristUm 2 weitere Monate
- FundstelleArt. 12 Abs. 3 S. 2
- Mitteilung über die Verlängerung mit Gründen
- FristInnerhalb 1 Monats nach Eingang
- FundstelleArt. 12 Abs. 3 S. 3
- Ablehnung oder Untätigkeit begründen, Hinweis auf Beschwerde und Rechtsweg
- FristOhne Verzögerung, spätestens 1 Monat nach Eingang
- FundstelleArt. 12 Abs. 4
- Rückfrage bei Zweifeln an der Identität
- FristUnverzüglich stellen; Frist ruht bis zur Antwort
- FundstelleArt. 12 Abs. 6; EDSA-Leitlinien 01/2022
- Beispiel: Eingang 5. März
- FristFristende 5. April
- FundstelleVO 1182/71 Art. 3 Abs. 2 lit. c
- Beispiel: Eingang 31. August
- FristFristende 30. September (Monatsletzter)
- FundstelleVO 1182/71 Art. 3 Abs. 2 lit. c
- Fristende an Samstag, Sonntag oder Feiertag
- FristNächster Arbeitstag
- FundstelleVO 1182/71 Art. 3 Abs. 4
- Berichtigung, Löschung
- FristUnverzüglich
- FundstelleArt. 16, Art. 17 Abs. 1
Nach den EDSA-Leitlinien ist die Verlängerung eine Ausnahme und sollte nicht zur Regel werden. Wer häufig verlängert, sollte seinen Prozess verbessern.
Interaktiv
Fristenrechner und Antwortfahrplan
Geben Sie das Eingangsdatum ein und wählen Sie die Art der Anfrage. Sie sehen das Fristende, das Ende einer möglichen Verlängerung und die Schritte, die Sie bis dahin erledigen sollten. Es werden keine Daten gespeichert oder übertragen.
Feiertage sind nicht berücksichtigt – fällt das Fristende auf einen Feiertag in Ihrem Bundesland, gilt der nächste Arbeitstag.
Fristen und Fahrplan
Auskunft · Art. 15
Wählen Sie ein Eingangsdatum.
Antwortfahrplan
- 1Eingang dokumentieren, Frist notieren
- 2Identität prüfen – bei begründeten Zweifeln sofort nachfragen
- 3Alle Systeme durchsuchen, auch E-Mail, Ablagen und Dienstleister
- 4Angaben nach Art. 15 Abs. 1 lit. a–h aus dem VVT zusammenstellen
- 5Kopie erstellen, Daten Dritter schwärzen (Abs. 4)
- 6Antwort im gängigen elektronischen Format versenden, Versand dokumentieren
Arbeitshilfe, keine Rechtsberatung. Die Berechnung folgt VO 1182/71 und den EDSA-Leitlinien 01/2022; im Zweifel früher antworten.
Betroffenenrechte und KI
Betroffenenrechte bei KI-Systemen: Was zusätzlich zu beachten ist
Die DSGVO-Rechte gelten auch für Daten, die durch KI-Systeme laufen. Einige Fragen stellen sich dort schärfer. Diese Punkte sind unsere Empfehlung.
Auskunft umfasst Prompts und Protokolle
Speichert ein KI-Tool Eingaben, Verläufe oder Ausgaben mit Personenbezug, gehören sie zur Auskunft. Klären Sie mit dem Anbieter, wie sich Daten einer Person finden und exportieren lassen – am besten schon im AVV (Art. 28 Abs. 3 lit. e).
Logik bei automatisierten Entscheidungen
Trifft ein System Entscheidungen nach Art. 22 Abs. 1, gehören aussagekräftige Informationen über die involvierte Logik, Tragweite und Auswirkungen zur Auskunft (Art. 15 Abs. 1 lit. h).
Löschung und trainierte Modelle
Wurden Daten zum Training genutzt, lässt sich eine Löschung im Modell oft nicht einfach umsetzen. Umso wichtiger ist es, vorher festzulegen, ob personenbezogene Daten überhaupt ins Training fließen dürfen.
Berichtigung falscher Ausgaben
Erzeugt ein System unrichtige Angaben über eine Person, die gespeichert oder weiterverwendet werden, greift Art. 16. Prozesse zur Korrektur und Kennzeichnung sollten vorher stehen.
Widerspruch gegen Profiling
Profiling auf Grundlage von Art. 6 Abs. 1 lit. e oder f ist vom Widerspruchsrecht erfasst; bei Direktwerbung ohne Abwägung (Art. 21 Abs. 1, 2).
Erläuterung nach der KI-Verordnung
Für Entscheidungen auf Grundlage von Hochrisiko-KI nach Anhang III gibt Art. 86 KI-VO ein Recht auf Erläuterung; Betreiber informieren Betroffene über den Einsatz (Art. 26 Abs. 11). Diese Informationspflicht gilt für Anhang-III-Systeme nach dem Digital Omnibus ab 2. Dezember 2027. Art. 86 selbst wurde nicht verschoben; weil die Hochrisiko-Einstufung nach Anhang III aber erst ab diesem Tag gilt, wird das Recht auf Erläuterung praktisch ebenfalls erst dann relevant.
Die Rechte der KI-Verordnung ergänzen die DSGVO-Rechte, sie ersetzen sie nicht.
Vorgehen
Betroffenenanfragen bearbeiten in 7 Schritten
So wird aus einer E-Mail im falschen Postfach ein fristgerechter Vorgang. Der Ablauf ist eine Empfehlung aus der Praxis.
- 1
Eingangskanäle festlegen
Benennen Sie eine Adresse oder ein Formular und schulen Sie Vertrieb, Support und Empfang: Jede Anfrage geht am selben Tag an den Datenschutz. Die Frist läuft ab Eingang, nicht ab Weiterleitung.
- 2
Erfassen und Frist setzen
Eingangsdatum, Art der Anfrage, Kontaktweg. Fristende und mögliches Verlängerungsende sofort berechnen und zuweisen.
- 3
Identität prüfen
Nur so viel wie nötig: Abgleich mit vorhandenen Daten genügt oft. Bei begründeten Zweifeln sofort nachfragen (Art. 12 Abs. 6) – keine Ausweiskopie auf Vorrat.
- 4
Daten finden
Mit dem Verarbeitungsverzeichnis als Landkarte alle Systeme durchsuchen, auch E-Mail, Ablagen und Auftragsverarbeiter.
- 5
Prüfen und entscheiden
Voraussetzungen und Ausnahmen prüfen, Rechte Dritter beachten, Entscheidung dokumentieren.
- 6
Antworten
Klar und verständlich, bei elektronischem Antrag elektronisch. Bei Ablehnung Gründe sowie Beschwerderecht und Rechtsweg nennen.
- 7
Dokumentieren
Vorgang, Prüfung, Antwort und Versand festhalten. Die Dokumentation ist Ihr Nachweis nach Art. 5 Abs. 2 – und die Grundlage, den Prozess zu verbessern.
Grenzen
Wann Sie eine Anfrage einschränken oder ablehnen dürfen
Die DSGVO kennt nur wenige Gründe, eine Anfrage abzulehnen. Offenkundig unbegründete oder – insbesondere bei häufiger Wiederholung – exzessive Anträge darf der Verantwortliche ablehnen oder ein angemessenes Entgelt verlangen; er muss den Charakter des Antrags aber nachweisen (Art. 12 Abs. 5). Kann er die Person nicht identifizieren und macht das glaubhaft, darf er sich ebenfalls weigern (Art. 12 Abs. 2 i. V. m. Art. 11 Abs. 2).
Daneben gibt es rechtsspezifische Grenzen: Die Löschung entfällt etwa, soweit eine gesetzliche Aufbewahrungspflicht besteht oder die Daten für Rechtsansprüche gebraucht werden (Art. 17 Abs. 3). Die Kopie nach Art. 15 und die Datenübertragbarkeit dürfen die Rechte und Freiheiten anderer Personen nicht beeinträchtigen. In Deutschland schränkt § 34 BDSG das Auskunftsrecht unter weiteren Voraussetzungen ein, etwa für Daten, die nur wegen gesetzlicher Aufbewahrungsvorschriften gespeichert sind.
Auch eine Ablehnung ist eine Antwort mit Frist: Innerhalb eines Monats sind die Gründe zu nennen und auf das Beschwerderecht bei einer Aufsichtsbehörde und den Rechtsweg hinzuweisen (Art. 12 Abs. 4). Eine Ablehnung ohne dokumentierte Begründung ist bei einer Beschwerde kaum zu halten.
- Offenkundig unbegründet oder exzessiv – mit Nachweis
- Person nicht identifizierbar (Art. 11 Abs. 2)
- Ausnahmen des jeweiligen Rechts, z. B. Art. 17 Abs. 3
- Rechte Dritter (Art. 15 Abs. 4, Art. 20 Abs. 4)
- Nationale Einschränkungen, z. B. § 34 BDSG
Häufige Fehler
Sechs Fehler bei Betroffenenanfragen
Frist ab Weiterleitung gerechnet
Die Frist läuft ab Eingang beim Unternehmen. Eine Anfrage, die zwei Wochen im Vertriebspostfach lag, hat nur noch zwei Wochen.
Formular oder Ausweis verlangt
Eine formlose Anfrage genügt. Eine Ausweiskopie nur bei begründeten Zweifeln; ist die Person bereits authentifiziert, hält der EDSA sie für unverhältnismäßig.
Nur die Stammdaten beauskunftet
Zur Auskunft gehören auch E-Mails, Notizen, Protokolle und Daten bei Auftragsverarbeitern – und die Angaben nach lit. a–h.
Verlängerung ohne Mitteilung
Die Verlängerung ist nur wirksam, wenn die Person innerhalb des ersten Monats mit Gründen informiert wird.
Löschung trotz Aufbewahrungspflicht
Wo Handels- oder Steuerrecht Aufbewahrung verlangt, wird gesperrt statt gelöscht – und die Person darüber informiert.
Auskunft an die falsche Person
Wer ohne Prüfung an eine fremde Adresse schickt, verursacht selbst eine Datenschutzverletzung.
Mit SimpleAct
Betroffenenanfragen in SimpleAct
Das DSGVO-Modul (ab Professional) macht aus jeder Anfrage einen Vorgang mit berechneter Frist, Status und einem Antwortpaket.
- Anfragearten nach Art. 15, 16, 17, 18, 20 und 21
- Frist wird aus dem Eingangsdatum berechnet
- Liste nach Frist sortiert, überfällige Vorgänge markiert
- Status von „eingegangen“ bis „erfüllt“ oder „abgelehnt“
- Interne Erfassung oder öffentliches Formular mit E-Mail-Bestätigung
- Antwortpaket als ZIP mit VVT-Auszug, Datenschutzhinweisen und Auftragsverarbeitern
Das Antwortpaket ist ein Entwurf
Es enthält die strukturellen Angaben Ihrer Organisation, nicht die konkreten Daten der Person aus Ihren Fachsystemen. Identität und Inhalt prüfen Sie vor dem Versand selbst.
DSGVO-Modul ansehenFAQ
Häufige Fragen zu Betroffenenrechten
Noch Fragen? Wir helfen gerne weiter. E-Mail schreiben · 7 Tage testen (Kreditkarte nötig)
Quellen und Stand
Stand: · Redaktion SimpleAct
- Art. 12 DSGVO – Transparente Information und Modalitäten
- Art. 15 DSGVO – Auskunftsrecht
- Art. 17 DSGVO – Recht auf Löschung
- Art. 21 DSGVO – Widerspruchsrecht
- § 34 BDSG – Auskunftsrecht der betroffenen Person
- Verordnung (EWG, Euratom) Nr. 1182/71 (Fristen) auf EUR-Lex
- EDSA-Leitlinien 01/2022 zum Auskunftsrecht
- Art. 86 KI-VO – Recht auf Erläuterung
- Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO) auf EUR-Lex
Dieser Leitfaden dient der allgemeinen Information und ist keine Rechtsberatung. Ausnahmen sind verkürzt dargestellt; maßgeblich ist der Gesetzestext.
Änderungen
- 2026-10-04 – Seite neu aufgebaut: Rechte-Übersicht, Inhalt der Auskunft, Fristentabelle, Fristenrechner mit Fahrplan, KI-Abschnitt, Grenzen.
- 2026-06-13 – Erste Fassung.
Keine Betroffenenanfrage mehr im falschen Postfach
SimpleAct berechnet Fristen, sortiert Vorgänge und erzeugt Antwortpakete aus Ihrem Verarbeitungsverzeichnis. Testen Sie 7 Tage (Kreditkarte nötig) oder buchen Sie eine Demo.