Ratgeber · DSGVO-Pflichten
Stand: 6. Oktober 2026
DSGVO-Compliance im Unternehmen: Pflichten-Übersicht & Fahrplan
Welche Pflichten stellt die DSGVO, wer muss sie erfüllen und womit fangen Sie an? Hier finden Sie alle wichtigen Artikel als Tabelle mit Verweis auf unsere Leitfäden, einen Fahrplan in neun Schritten, die Fristen, die Regeln zum Datenschutzbeauftragten, die Bußgeldrahmen – und einen Selbstcheck mit Lückenliste.
- 22 Pflichten mit Artikel und Zuständigkeit
- Fahrplan in neun Schritten
- Selbstcheck mit Lückenliste zum Kopieren
- Bußgeldstufen nach Art. 83 im Überblick
DSGVO-Selbstcheck
Beispielergebnis · 16 Fragen
Stand nach Bereich
- Grundlagen & Transparenz3/4
- Dienstleister & Drittland1/2
- Sicherheit & Risiko2/3
- Prozesse & Fristen1/3
- Organisation & KI2/4
Lückenliste
- Prozess für Datenpannen fehltArt. 33
- Löschfristen nicht festgelegtArt. 5 Abs. 1 lit. e
- Drittlandtransfer ohne GrundlageArt. 44 ff.
Jede Lücke mit Leitfaden und Bußgeldrahmen
Kurz gesagt
DSGVO-Compliance heißt: Sie verarbeiten personenbezogene Daten nach den Grundsätzen des Art. 5 und können das nachweisen. Kern sind Verarbeitungsverzeichnis, Rechtsgrundlagen, Informationspflichten, Verträge mit Auftragsverarbeitern, TOM, Prozesse für Betroffenenanfragen und Datenpannen, Löschfristen und – wo nötig – DSFA und Datenschutzbeauftragter. Das gilt für Unternehmen jeder Größe.
Grundlagen
Was DSGVO-Compliance eigentlich bedeutet
Die Datenschutz-Grundverordnung (Verordnung (EU) 2016/679) gilt seit dem 25. Mai 2018 unmittelbar in allen EU-Mitgliedstaaten (Art. 99 Abs. 2). In Deutschland ergänzt sie das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG), etwa bei der Pflicht zur Benennung eines Datenschutzbeauftragten. Sie betrifft jede Organisation, die personenbezogene Daten verarbeitet – vom Handwerksbetrieb mit Kundenkartei bis zum Konzern. Eine Mindestgröße, unterhalb derer die DSGVO nicht gilt, gibt es nicht; einzelne Pflichten wie das Verarbeitungsverzeichnis kennen nur enge Ausnahmen.
Der Maßstab steht in Art. 5 Abs. 1: Daten müssen rechtmäßig, nach Treu und Glauben und transparent verarbeitet werden, zweckgebunden, auf das Notwendige beschränkt, richtig, nicht länger als nötig gespeichert und angemessen geschützt. Art. 5 Abs. 2 fügt die Rechenschaftspflicht hinzu: Der Verantwortliche ist für die Einhaltung verantwortlich und muss sie nachweisen können. Genau dieser zweite Teil macht aus Datenschutz eine Dokumentationsaufgabe.
Art. 24 Abs. 1 konkretisiert das: Der Verantwortliche setzt geeignete technische und organisatorische Maßnahmen um, „um sicherzustellen und den Nachweis dafür erbringen zu können“, dass die Verarbeitung der Verordnung entspricht – unter Berücksichtigung von Art, Umfang, Umständen und Zwecken der Verarbeitung und der Risiken für die Betroffenen. Satz 2 verlangt, dass diese Maßnahmen erforderlichenfalls überprüft und aktualisiert werden. Compliance ist damit kein Projekt mit Enddatum, sondern ein Kreislauf.
Viele Pflichten treffen den Verantwortlichen, also die Stelle, die über Zwecke und Mittel der Verarbeitung entscheidet. Einige treffen auch den Auftragsverarbeiter, der Daten im Auftrag verarbeitet – etwa das eigene Verarbeitungsverzeichnis (Art. 30 Abs. 2), die Sicherheit der Verarbeitung (Art. 32) und die Pflicht, den Verantwortlichen unverzüglich über eine Datenpanne zu informieren (Art. 33 Abs. 2). In der Pflichten-Tabelle unten sehen Sie zu jeder Pflicht, wen sie betrifft.
Diese Seite ist ein Ratgeber: Sie ordnet die Pflichten, gibt eine Reihenfolge vor und zeigt Lücken. Für jedes Thema verweisen wir auf einen eigenen Leitfaden mit Vorlage. Wenn Sie Register und Fristen später in einer Software führen möchten, beschreibt die Seite DSGVO-Software, wie das in SimpleAct aussieht. Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung.
- Geltungsbeginn der DSGVO (Art. 99 Abs. 2)
- 25.05.2018
- Geltungsbeginn der DSGVO (Art. 99 Abs. 2)
- Antwortfrist bei Betroffenenanfragen (Art. 12 Abs. 3)
- 1 Monat
- Antwortfrist bei Betroffenenanfragen (Art. 12 Abs. 3)
- Meldung von Datenpannen, wenn möglich (Art. 33 Abs. 1)
- 72 h
- Meldung von Datenpannen, wenn möglich (Art. 33 Abs. 1)
Art. 5 DSGVO
Die sieben Grundsätze als Prüfmaßstab
Jede einzelne Pflicht der DSGVO lässt sich auf einen dieser Grundsätze zurückführen. Verstöße gegen Art. 5 fallen in die höhere Bußgeldstufe nach Art. 83 Abs. 5.
- Rechtmäßigkeit, Treu und Glauben, Transparenz
- Was er verlangtJede Verarbeitung braucht eine Rechtsgrundlage und ist für die Betroffenen nachvollziehbar.
- Woran man es im Alltag siehtRechtsgrundlage im VVT, verständliche Datenschutzhinweise
- FundstelleArt. 5 Abs. 1 lit. a
- Zweckbindung
- Was er verlangtDaten werden für festgelegte, eindeutige und legitime Zwecke erhoben und nicht unvereinbar weiterverarbeitet.
- Woran man es im Alltag siehtZweck je Verarbeitung dokumentiert; neue Zwecke werden geprüft
- FundstelleArt. 5 Abs. 1 lit. b
- Datenminimierung
- Was er verlangtNur Daten, die für den Zweck angemessen, erheblich und notwendig sind.
- Woran man es im Alltag siehtFormulare ohne Pflichtfelder „auf Vorrat“; Prompts ohne unnötige Personendaten
- FundstelleArt. 5 Abs. 1 lit. c
- Richtigkeit
- Was er verlangtDaten sind sachlich richtig und erforderlichenfalls aktuell; falsche werden berichtigt oder gelöscht.
- Woran man es im Alltag siehtProzess für Berichtigungsanfragen, Pflege von Stammdaten
- FundstelleArt. 5 Abs. 1 lit. d
- Speicherbegrenzung
- Was er verlangtDaten werden nur so lange personenbezogen gespeichert, wie es für den Zweck erforderlich ist.
- Woran man es im Alltag siehtLöschfristen je Datenkategorie, Löschprotokoll
- FundstelleArt. 5 Abs. 1 lit. e
- Integrität und Vertraulichkeit
- Was er verlangtAngemessene Sicherheit, Schutz vor unbefugter Verarbeitung, Verlust und Zerstörung.
- Woran man es im Alltag siehtTOM nach Art. 32, Berechtigungskonzept, Backups
- FundstelleArt. 5 Abs. 1 lit. f
- Rechenschaftspflicht
- Was er verlangtDer Verantwortliche ist für die Einhaltung verantwortlich und muss sie nachweisen können.
- Woran man es im Alltag siehtAktuelle Register, Freigaben, Schulungsnachweise, Änderungshistorie
- FundstelleArt. 5 Abs. 2
Pflichten-Übersicht
Die wichtigsten DSGVO-Pflichten auf einen Blick
Artikel, Pflicht, wen sie trifft und wo Sie weiterlesen. V = Verantwortlicher, AV = Auftragsverarbeiter. Die Tabelle ist eine Auswahl der Pflichten, die in Unternehmen am häufigsten relevant werden.
Tabelle seitlich scrollen →
| Artikel | Pflicht | Wer | Ressource |
|---|---|---|---|
| Art. 5 Abs. 1 | Grundsätze einhalten: Rechtmäßigkeit, Zweckbindung, Datenminimierung, Richtigkeit, Speicherbegrenzung, Integrität und Vertraulichkeit | V | Grundsätze-Tabelle |
| Art. 5 Abs. 2, Art. 24 | Einhaltung nachweisen; geeignete TOM umsetzen und erforderlichenfalls überprüfen und aktualisieren | V | Fahrplan |
| Art. 6 | Für jede Verarbeitung eine der sechs Rechtsgrundlagen festlegen (Einwilligung, Vertrag, rechtliche Pflicht, lebenswichtige Interessen, öffentliche Aufgabe, berechtigtes Interesse) | V | Verarbeitungsverzeichnis |
| Art. 7 | Einwilligungen nachweisen können; Widerruf jederzeit ermöglichen | V | Einwilligungsmanagement |
| Art. 9 | Besondere Kategorien (z. B. Gesundheitsdaten) nur auf Grundlage einer Ausnahme nach Abs. 2 verarbeiten | V | DSFA |
| Art. 12 | Transparent kommunizieren; auf Anträge unverzüglich, spätestens innerhalb eines Monats reagieren | V | Betroffenenrechte |
| Art. 13, 14 | Betroffene über Zwecke, Rechtsgrundlage, Empfänger, Speicherdauer und Rechte informieren | V | Betroffenenrechte |
| Art. 15–21 | Auskunft, Berichtigung, Löschung, Einschränkung, Datenübertragbarkeit und Widerspruch erfüllen | V | Betroffenenrechte |
| Art. 17, Art. 5 Abs. 1 lit. e | Daten löschen, wenn der Zweck entfällt; Löschfristen festlegen und Löschungen nachweisen | V | Löschkonzept |
| Art. 22 | Keine ausschließlich automatisierten Entscheidungen mit rechtlicher oder ähnlich erheblicher Wirkung ohne Ausnahme und Schutzmaßnahmen | V | DSFA |
| Art. 25 | Datenschutz durch Technikgestaltung und datenschutzfreundliche Voreinstellungen | V | TOM |
| Art. 26 | Bei gemeinsamer Verantwortung die Pflichtenverteilung in einer Vereinbarung festlegen | V (gemeinsam) | Auftragsverarbeitung |
| Art. 28 | Auftragsverarbeiter sorgfältig auswählen und per Vertrag mit den Inhalten aus Abs. 3 lit. a–h binden | V, AV | AVV nach Art. 28 |
| Art. 30 | Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten führen und der Aufsichtsbehörde auf Anfrage vorlegen | V, AV | Verarbeitungsverzeichnis |
| Art. 32 | Ein dem Risiko angemessenes Schutzniveau durch TOM gewährleisten und regelmäßig überprüfen | V, AV | TOM nach Art. 32 |
| Art. 33 | Datenpannen unverzüglich und möglichst binnen 72 Stunden der Aufsichtsbehörde melden und dokumentieren; AV informiert den V unverzüglich | V, AV | Datenpanne melden |
| Art. 34 | Betroffene bei voraussichtlich hohem Risiko unverzüglich benachrichtigen | V | Datenpanne melden |
| Art. 35 | Vor Verarbeitungen mit voraussichtlich hohem Risiko eine Datenschutz-Folgenabschätzung durchführen | V | DSFA |
| Art. 36 | Aufsichtsbehörde vorab konsultieren, wenn die DSFA ein hohes Risiko ergibt, das nicht eingedämmt wird | V | DSFA |
| Art. 37–39, § 38 BDSG | Datenschutzbeauftragten benennen, wenn die Voraussetzungen vorliegen; Kontaktdaten veröffentlichen und der Behörde mitteilen | V, AV | Datenschutzbeauftragter |
| Art. 44–49 | Übermittlungen in Drittländer nur mit Angemessenheitsbeschluss, geeigneten Garantien oder Ausnahme | V, AV | Drittlandtransfer |
| Art. 82, 83 | Haftung für Schäden; Geldbußen je nach verletzter Pflicht bis 10 Mio. € / 2 % oder 20 Mio. € / 4 % | V, AV | Bußgelder |
V = Verantwortlicher · AV = Auftragsverarbeiter
Für Cookies und ähnliche Technologien gilt in Deutschland zusätzlich § 25 TDDDG: Speichern und Auslesen von Informationen auf Endgeräten braucht grundsätzlich eine Einwilligung, außer es ist für einen ausdrücklich gewünschten Dienst unbedingt erforderlich.
Fahrplan
DSGVO-Compliance in neun Schritten
Eine Reihenfolge, die sich in der Praxis bewährt hat – als Empfehlung, nicht als Vorgabe des Gesetzes. Wer schon Teile hat, steigt beim ersten fehlenden Schritt ein.
- 1
Zuständigkeiten klären
Wer verantwortet Datenschutz in der Geschäftsführung, wer koordiniert? Prüfen Sie früh, ob ein Datenschutzbeauftragter benannt werden muss (Art. 37, § 38 BDSG) – er berät bei allen weiteren Schritten.
- 2
Verarbeitungen erfassen
Alle Prozesse mit personenbezogenen Daten sammeln – Personal, Kunden, Lieferanten, Website, IT, KI-Tools – und im Verarbeitungsverzeichnis nach Art. 30 dokumentieren.
- 3
Rechtsgrundlagen festlegen
Für jede Verarbeitung die Rechtsgrundlage nach Art. 6 (und bei besonderen Kategorien nach Art. 9) bestimmen. Wo Einwilligungen nötig sind, den Nachweis nach Art. 7 sicherstellen.
- 4
Informieren
Datenschutzhinweise nach Art. 13 und 14 für Website, Kunden, Bewerber und Beschäftigte erstellen. Inhalt aus dem VVT ableiten, damit beides übereinstimmt.
- 5
Dienstleister prüfen
Auftragsverarbeiter identifizieren, AVV nach Art. 28 Abs. 3 abschließen, Drittlandtransfers nach Art. 44 ff. absichern. KI-Anbieter nicht vergessen.
- 6
Sicherheit dokumentieren
TOM nach Art. 32 beschreiben und mit Nachweisen hinterlegen; bei neuen Systemen Datenschutz durch Technikgestaltung (Art. 25) einplanen.
- 7
Risiken bewerten
Für jede Verarbeitung prüfen, ob eine DSFA nach Art. 35 erforderlich ist, und die Entscheidung dokumentieren – auch wenn sie „nicht erforderlich“ lautet.
- 8
Prozesse einrichten
Abläufe für Betroffenenanfragen (Monatsfrist), Datenpannen (72 Stunden) und Löschung festlegen, mit Zuständigkeiten und Vertretung. Mitarbeitende schulen.
- 9
Überprüfen und nachweisen
Feste Termine für die Überprüfung setzen, wie Art. 24 Abs. 1 S. 2 und Art. 32 Abs. 1 lit. d es verlangen. Bewährt hat sich ein jährlicher Durchgang plus Anlässe wie neue Systeme oder Vorfälle.
Selbstcheck
Wo steht Ihr Unternehmen?
Beantworten Sie 16 Fragen. Rechts sehen Sie Ihren Stand je Bereich und eine Lückenliste mit Artikel, Bußgeldrahmen und Leitfaden – zum Kopieren für Ihren Maßnahmenplan. Ihre Antworten verlassen den Browser nicht.
Ihr Stand
0 von 16 beantwortet
- Grundlagen & Transparenz0/4
- Dienstleister & Drittland0/2
- Sicherheit & Risiko0/3
- Prozesse & Fristen0/3
- Organisation & KI0/4
Beantworten Sie die Fragen links – das Ergebnis erscheint hier.
Selbsteinschätzung zur Orientierung, keine Rechtsberatung und kein Audit. „Weiß nicht“ zählt als Lücke, weil sich ein nicht bekannter Stand nicht nachweisen lässt.
Fristen
Die Fristen der DSGVO, die Sie kennen müssen
Die meisten DSGVO-Pflichten laufen dauerhaft. Einige haben feste Fristen, die mit einem Ereignis beginnen – für sie braucht es einen eingeübten Ablauf.
- Antrag einer betroffenen Person (Auskunft, Löschung …)
- FristUnverzüglich, spätestens 1 Monat nach Eingang
- HinweisVerlängerung um weitere zwei Monate bei Komplexität oder Anzahl möglich; darüber innerhalb des ersten Monats mit Gründen informieren
- FundstelleArt. 12 Abs. 3
- Datenpanne mit Risiko
- FristUnverzüglich und möglichst binnen 72 Stunden, nachdem sie bekannt wurde
- HinweisBei späterer Meldung die Verzögerung begründen; Meldung ist nicht nötig, wenn voraussichtlich kein Risiko besteht
- FundstelleArt. 33 Abs. 1
- Datenpanne beim Auftragsverarbeiter
- FristUnverzüglich an den Verantwortlichen
- HinweisIm AVV sinnvoll konkretisieren
- FundstelleArt. 33 Abs. 2
- Datenpanne mit voraussichtlich hohem Risiko
- FristUnverzüglich an die Betroffenen
- HinweisAusnahmen nach Abs. 3, z. B. wenn die Daten wirksam verschlüsselt waren
- FundstelleArt. 34 Abs. 1
- Erhebung bei der betroffenen Person
- FristZum Zeitpunkt der Erhebung
- HinweisDatenschutzhinweis muss vorliegen, bevor Daten erhoben werden
- FundstelleArt. 13 Abs. 1
- Erhebung nicht bei der betroffenen Person
- FristAngemessene Frist, längstens 1 Monat
- HinweisFrüher, wenn die Daten zur Kommunikation genutzt oder offengelegt werden
- FundstelleArt. 14 Abs. 3
- Verarbeitung mit voraussichtlich hohem Risiko
- FristVorab, also vor Beginn der Verarbeitung
- HinweisErgibt die DSFA ein hohes Risiko ohne Eindämmung: vorherige Konsultation nach Art. 36
- FundstelleArt. 35 Abs. 1
Fristen nach der KI-Verordnung (z. B. für schwerwiegende Vorfälle) laufen getrennt davon. Die Termine des EU AI Act finden Sie auf unserer Fristen-Seite.
Datenschutzbeauftragter
Wann ein Datenschutzbeauftragter Pflicht ist
Die DSGVO nennt drei Fälle, das BDSG ergänzt sie für Deutschland. Es genügt, wenn einer davon zutrifft.
- Öffentliche Stelle
- VoraussetzungVerarbeitung durch eine Behörde oder öffentliche Stelle (außer Gerichte im Rahmen ihrer justiziellen Tätigkeit)
- FundstelleArt. 37 Abs. 1 lit. a DSGVO
- Überwachung als Kerntätigkeit
- VoraussetzungKerntätigkeit besteht in Verarbeitungen, die eine umfangreiche regelmäßige und systematische Überwachung von Personen erfordern
- FundstelleArt. 37 Abs. 1 lit. b DSGVO
- Sensible Daten als Kerntätigkeit
- VoraussetzungKerntätigkeit besteht in der umfangreichen Verarbeitung besonderer Kategorien nach Art. 9 oder von Daten über Straftaten nach Art. 10
- FundstelleArt. 37 Abs. 1 lit. c DSGVO
- 20-Personen-Schwelle
- VoraussetzungIn der Regel mindestens 20 Personen sind ständig mit der automatisierten Verarbeitung personenbezogener Daten beschäftigt
- Fundstelle§ 38 Abs. 1 S. 1 BDSG
- Bestimmte Verarbeitungen, unabhängig von der Zahl
- VoraussetzungVerarbeitungen, die einer DSFA nach Art. 35 unterliegen, oder geschäftsmäßige Verarbeitung zur Übermittlung, anonymisierten Übermittlung oder für Markt- oder Meinungsforschung
- Fundstelle§ 38 Abs. 1 S. 2 BDSG
Ist ein Datenschutzbeauftragter (DSB) benannt, sind seine Kontaktdaten zu veröffentlichen und der Aufsichtsbehörde mitzuteilen (Art. 37 Abs. 7). Er kann Beschäftigter oder externer Dienstleister sein und wird auf Grundlage seiner Fachkunde benannt (Art. 37 Abs. 5, 6). Bei der Erfüllung seiner Aufgaben erhält er keine Anweisungen (Art. 38 Abs. 3). Er darf andere Aufgaben wahrnehmen, solange diese nicht zu einem Interessenkonflikt führen (Art. 38 Abs. 6) – deshalb ist etwa die Geschäftsführung oder die IT-Leitung in der Regel keine gute Wahl.
Seine Aufgaben stehen in Art. 39 Abs. 1: unterrichten und beraten, die Einhaltung überwachen – einschließlich Sensibilisierung und Schulung der Mitarbeitenden –, auf Anfrage zur DSFA beraten, mit der Aufsichtsbehörde zusammenarbeiten und ihr als Anlaufstelle dienen. Verantwortlich für die Einhaltung der DSGVO bleibt aber das Unternehmen, nicht der DSB.
Auch ohne Pflicht kann eine freiwillige Benennung sinnvoll sein (Art. 37 Abs. 4). Wer keinen DSB braucht, sollte trotzdem eine Person festlegen, die Datenschutz koordiniert – die Pflichten in der Tabelle oben gelten unabhängig davon.
Bußgelder
Was bei Verstößen droht: die zwei Stufen des Art. 83
Art. 83 kennt zwei Obergrenzen. Welche gilt, hängt davon ab, welche Pflicht verletzt wurde. Bei Unternehmen gilt jeweils der höhere Betrag aus Festbetrag und Prozentsatz des weltweiten Jahresumsatzes.
- Art. 83 Abs. 4
- HöchstbetragBis 10 Mio. € oder 2 % des weltweiten Jahresumsatzes
- Verstöße gegen (Auswahl)Pflichten des Verantwortlichen und Auftragsverarbeiters nach Art. 8, 11, 25 bis 39, 42 und 43 – also u. a. Privacy by Design, AVV, Verarbeitungsverzeichnis, TOM, Meldung von Datenpannen, DSFA und Datenschutzbeauftragter
- Art. 83 Abs. 5
- HöchstbetragBis 20 Mio. € oder 4 % des weltweiten Jahresumsatzes
- Verstöße gegen (Auswahl)Grundsätze einschließlich der Bedingungen für die Einwilligung (Art. 5, 6, 7, 9), Rechte der Betroffenen (Art. 12 bis 22), Übermittlungen in Drittländer (Art. 44 bis 49), Nichtbefolgung von Anweisungen der Aufsichtsbehörde
Die Beträge sind Obergrenzen, keine Regelsätze. Die Aufsichtsbehörde entscheidet im Einzelfall und berücksichtigt nach Art. 83 Abs. 2 unter anderem Art, Schwere und Dauer des Verstoßes, Vorsatz oder Fahrlässigkeit, Maßnahmen zur Minderung des Schadens und die Zusammenarbeit mit der Behörde. Eine gute Dokumentation hilft hier doppelt: Sie verhindert Verstöße und zeigt im Ernstfall, was getan wurde.
Unabhängig von Bußgeldern hat jede Person, der wegen eines Verstoßes ein materieller oder immaterieller Schaden entstanden ist, nach Art. 82 Abs. 1 Anspruch auf Schadenersatz gegen den Verantwortlichen oder den Auftragsverarbeiter.
DSGVO und KI
Was sich ändert, wenn KI personenbezogene Daten verarbeitet
Die KI-Verordnung ersetzt die DSGVO nicht. Wo ein KI-System personenbezogene Daten verarbeitet, gelten beide Regelwerke nebeneinander. Typische Berührungspunkte:
Eintrag im Verarbeitungsverzeichnis
Das KI-Tool selbst ist keine Verarbeitungstätigkeit – der Zweck, für den Sie es nutzen, schon. Eingetragen wird z. B. „Bewerbervorauswahl“ mit dem KI-Anbieter als Empfänger.
Anbieter als Auftragsverarbeiter
Cloud-KI-Dienste verarbeiten Prompts und Dokumente meist im Auftrag. Dann braucht es einen AVV; prüfen Sie besonders, ob der Anbieter Ihre Daten für eigene Zwecke wie Training nutzt.
Drittland
Viele KI-Anbieter sitzen in den USA oder nutzen dort Rechenzentren. Die Übermittlung braucht eine Grundlage nach Art. 44 ff., etwa einen Angemessenheitsbeschluss oder Standardvertragsklauseln.
DSFA bei neuen Technologien
Art. 35 Abs. 1 nennt ausdrücklich die Verwendung neuer Technologien. Bei KI mit Profiling, sensiblen Daten oder Bewertungen von Personen liegt eine DSFA nahe. Betreiber von Hochrisiko-KI nutzen dafür auch die Informationen des Anbieters (Art. 26 Abs. 9 KI-VO).
Automatisierte Entscheidungen
Ausschließlich automatisierte Entscheidungen mit rechtlicher oder ähnlich erheblicher Wirkung sind nach Art. 22 nur in Ausnahmen zulässig. Planen Sie bei KI-gestützten Entscheidungen eine echte menschliche Prüfung ein.
Datenminimierung im Prompt
Nicht jede Aufgabe braucht Klarnamen. Richtlinien, welche Daten in KI-Tools eingegeben werden dürfen, setzen Art. 5 Abs. 1 lit. c praktisch um.
Für Hochrisiko-KI nach Anhang III gelten die Betreiberpflichten der KI-Verordnung nach dem Digital Omnibus ab dem 2. Dezember 2027. Die DSGVO-Pflichten gelten schon heute.
Häufige Fehler
Woran DSGVO-Compliance in der Praxis scheitert
Einmal dokumentiert, nie wieder angesehen
Ein VVT von 2018 beschreibt oft Systeme, die es nicht mehr gibt. Art. 24 Abs. 1 S. 2 verlangt Überprüfung und Aktualisierung.
Muster ohne Bezug zum Unternehmen
Kopierte Vorlagen mit Maßnahmen, die es nicht gibt, fallen bei der ersten Nachfrage auf. Vorlagen sind ein Start, keine Dokumentation.
Kein Ablauf für den Ernstfall
Wer erst bei der Datenpanne überlegt, wer entscheidet, verliert die 72 Stunden. Meldeweg, Vertretung und Vorlagen gehören vorher geklärt.
Dienstleister vergessen
Newsletter-Tool, Videokonferenz, KI-Assistent: Jeder Dienst mit Personendaten braucht eine Prüfung, meist einen AVV und gegebenenfalls eine Drittlandgrundlage.
Löschen bleibt Theorie
Löschfristen im Konzept nützen wenig, wenn niemand löscht. Ohne Protokoll lässt sich Speicherbegrenzung nicht nachweisen.
Datenschutz als Ein-Personen-Thema
Ohne Zuständige in den Fachbereichen erfährt der Datenschutz von neuen Verarbeitungen erst, wenn sie längst laufen.
Mit SimpleAct
Vom Fahrplan zum laufenden Betrieb
Die Leitfäden auf dieser Seite funktionieren auch ohne Software. Wenn Register zusammenwachsen und Fristen laufen sollen, führt das DSGVO-Modul von SimpleAct (ab Professional) die Bereiche aus der Tabelle in einem System – verknüpft mit dem KI-Inventar für den EU AI Act.
- Verarbeitungsverzeichnis, DSFA, TOM, AVV
- Betroffenenanfragen und Datenpannen mit berechneter Frist
- Löschprotokoll, Einwilligungen, Datenschutzhinweise
- Pflicht-Checkliste und Register-Export
DSGVO-Software ansehen
Welche Bereiche es gibt, wie sie mit dem KI-Inventar verknüpft sind und welcher Plan passt, zeigt die Produktseite.
Zur DSGVO-SoftwareOpen-Source Framework
simpleact-gdpr-compliance-workspace
Die drei DSGVO-Grundlagen offen dokumentiert: Verarbeitungsverzeichnis, Rechtsgrundlagen und Betroffenenrechte.
FAQ
Häufige Fragen zur DSGVO-Compliance
Noch Fragen? Wir helfen gerne weiter. E-Mail schreiben · 7 Tage testen (Kreditkarte nötig)
Quellen und Stand
Zuletzt geprüft am · Redaktion SimpleAct
- Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), EUR-Lex
- Art. 5 DSGVO – Grundsätze
- Art. 6 DSGVO – Rechtmäßigkeit der Verarbeitung
- Art. 12 DSGVO – Transparenz und Fristen
- Art. 13 DSGVO – Informationspflicht bei Erhebung
- Art. 14 DSGVO – Informationspflicht ohne Erhebung bei der Person
- Art. 24 DSGVO – Verantwortung des Verantwortlichen
- Art. 28 DSGVO – Auftragsverarbeiter
- Art. 30 DSGVO – Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten
- Art. 32 DSGVO – Sicherheit der Verarbeitung
- Art. 33 DSGVO – Meldung an die Aufsichtsbehörde
- Art. 34 DSGVO – Benachrichtigung der Betroffenen
- Art. 35 DSGVO – Datenschutz-Folgenabschätzung
- Art. 37 DSGVO – Benennung eines Datenschutzbeauftragten
- Art. 38 DSGVO – Stellung des Datenschutzbeauftragten
- Art. 39 DSGVO – Aufgaben des Datenschutzbeauftragten
- Art. 82 DSGVO – Haftung und Recht auf Schadenersatz
- Art. 83 DSGVO – Geldbußen
- § 38 BDSG – Datenschutzbeauftragte nichtöffentlicher Stellen
- § 25 TDDDG – Schutz der Privatsphäre bei Endeinrichtungen
Diese Seite und der Selbstcheck dienen der Orientierung und ersetzen keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist der Wortlaut der DSGVO im Amtsblatt der EU und des BDSG. Fahrplan, Reihenfolge und Prüfintervalle sind Empfehlungen.
Änderungen an dieser Seite
- 6. Oktober 2026 – Neu aufgebaut als Ratgeber: Grundsätze nach Art. 5 als Tabelle, Pflichten-Übersicht mit 22 Zeilen, Fahrplan in neun Schritten, interaktiver Selbstcheck mit Lückenliste, Fristen-Tabelle, Abschnitt zum Datenschutzbeauftragten (Art. 37–39, § 38 BDSG), Bußgeldstufen nach Art. 83 Abs. 4 und 5. Die Produktbeschreibung steht jetzt auf der Seite DSGVO-Software.
- 13. Juni 2026 – Erste Fassung mit Pflichten im Überblick.
Fahrplan umsetzen – mit einem System für DSGVO und EU AI Act
In 30 Minuten zeigen wir, wie Verarbeitungsverzeichnis, Fristen und Nachweise in SimpleAct zusammenlaufen – entlang Ihrer Lückenliste.